Leserbrief
Zur Entwicklung des Iran zum neuimperialistischen Land
Zum Artikel zum Kapitalexport des Iran, der am 17. April auf Rote Fahne News erschienen ist, schreibt J aus Wuppertal den folgenden Leserbrief an die Rote Fahne Redaktion:
Mit Interesse habe ich deinen aufschlussreichen, überzeugenden Artikel zum Kapitalexport des Iran gelesen, als einen wesentlichen Beleg, dass sich der Iran zum neuimperialistischen Land entwickelt hat. ...
Spätestens seit Ende der 1970er-Jahre, als iranische Arbeiter – in der Abteilung des Betriebs, in der ich damals arbeitete – ein paar Wochen zur Ausbildung waren, hatte ich mich intensiver mit dem Iran beschäftigt. ...
Schon Ende 1969 waren 15 deutsch-iranische Joint-Venture-Unternehmen gebildet worden. Zwischen 1969 und 1977 wurden noch einmal 28 derartige Gesellschaften gegründet. Im Buch „Die programmierte Katastrophe…“ heißt es dann weiter: "Den Höhepunkt der deutschen Beziehungen um Investitionen im Iran bildete die deutsch-iranische Investitionskonferenz 1974, als der Iran daran ging, die eben eingenommenen Erdöleinnahmen wieder im Ausland auszugeben. Folge war eine 25‑Prozent‑Beteiligung am Grundkapital der Friedrich Krupp GmbH (ca. 300 Mio. DM). Aber auch der Kauf von 15 Prozent des Aktienkapitals von Pan Am sowie die 50‑Prozent-Beteiligung an Intercontinental-Hotels. Auch in militärischer Hinsicht erlebten die Beziehungen einen neuen Aufschwung. Drei komplette Rüstungsindustrien (alles Teile für den Leopard), Rat beim Aufbau der Militärindustrie, deutsche Ausbildung für persische Waffentechniker und, wie später bekannt wurde, die Lieferung von 400 Leopard-Panzern.“ (S. 107).
Im Buch „Umbruch im Iran“ gibt es auch eine Auflistung der ganzen Besitztümer des Schah-Regimes im Ausland. Und Dokumente, die zum Zeitpunkt des Sturzes des Schah durch Angestellte der iranischen Zentralbank am 1. Nov. 1978 veröffentlicht wurden. Es ist eine Liste über den „Kapitaltransfer vom Iran ins Ausland im September und Oktober 1978“. Die lange Liste enthält neben dem Schah-Clan eine Fülle an Namen von damaligen Ministern, Militärs, Chefs großer Unternehmen, Professoren, engen Vertrauten des Schah etc. und wie über sie Milliardensummen an iranischem Vermögen im Ausland in Sicherheit gebracht wurden.
Damals gab es im Iran eine breite Massendiskussion darüber, dass und wie das iranische Volk diese Reichtümer wieder zurückbekommen kann. Große Teile des Schah-Besitzes wurden nach seinem Sturz auch nationalisiert. Was das Khomeini-Regime damit hinsichtlich des Ausbaus zur neuimperialistischen Macht veranstaltet hat, wäre natürlich sehr interessant, ist mir aber nicht bekannt.
Was die militärische Aufrüstung des Iran durch den deutschen Imperialismus und den Bau von AKWs im Iran betrifft, so ist auch der Besuch von Bundespräsident Walter Scheel im Iran im April 1978 interessant. Dazu heißt es im Buch „Umbruch im Iran“ auf S. 185: „14. April 1978: Bundespräsident Scheel beendet seinen Iran-Besuch, bei dem auch über den Kauf weiterer vier Kriegsschiffe und mehrerer Atomkraftwerke durch den Iran gesprochen wurde.“