Leserbrief

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"Ein Dorf wehrt sich": Trotz antikommunistischer Beeinflussung sehenswert

Zum Mediathektipp "Ein Dorf wehrt sich", der gestern auf Rote Fahne News erschienen ist, schreibt ein Korrespondent aus Eisenach: Den Film anzusehen, lohnt sich auf jeden Fall. Ich habe ihn auch nochmal gesehen und mich am Schluss mehr geärgert als beim ersten Mal. Warum?

Korrespondenz aus Eisenach

Die Geschichte des Films beruht auf den Lebenserinnerungen des kommunistischen Widerstandskämpfers Sepp Plieseis. Die Aussage am Schluss des Filmes ist, dass sich über die Rettung der Kunstschätze bei den Bergarbeitern niemand bedankt hätte. Damit wird die tiefe Verankerung der Widerstandsarbeit, die unter Führung von Sepp Plieseis stattfand, auseinanderdividiert.

 

Tatsächlich haben sich der Bergwerksdirektor und sein Anhang als die eigentlichen Retter der Kunstschätze bei den amerikanischen Truppen eingeschleimt. Doch sie waren Mitglieder der NSDAP und hatten sich den Nazis angepasst. Es war die aktive Widerstandsarbeit der Gruppe Willy/Fred unter Führung von Sepp Plieseis, die die Kunstschätze rettete und an der Festnahme Ernst Kaltenbrunners beteiligt war

 

Der Film behandelt dies als eine Randerscheinung und versucht in seiner Darstellung, dass das Leben im Dorf Altaussee, das Bergwerk und die Unterstützung der Partisanen als voneinander getrennte Dinge erscheinen. Sepp Plieseis – im Film auf seine Tätigkeit als Anführer der Partisanen reduziert – wird am Schluss sogar auf die Ebene des karrieristischen und verklärenden Bergwerksdirektors heruntergezogen, indem er in einer karrieristischen Art und Weise als Schreiber eines Buches dargestellt wird.

 

Sepp Plieseis war alles andere als ein Karrierist und blieb der Sache des Kommunismus treu. Seine Lebenserinnerungen wurden in Österreich in dem Buch "Vom Ebro zum Dachstein" gedruckt, jedoch wurde diese Widerstandsarbeit in Österreich so gut wie nicht gewürdigt oder sogar als Verrat verunglimpft.

 

Auch im Abspann des Films taucht der Name von Sepp Plieseis gar nicht auf, obwohl ein Großteil der Handlung aus dem Buch von Sepp Plieseis entnommen ist. Stattdessen wird nur das Drehbuch von Frau Zerhau erwähnt. Dennoch ist der Film sehr sehenswert und man konnte die aktive und führende Rolle der Kommunisten aus dieser Geschichte nicht ganz ausblenden. Offenbar sollte jedoch vermieden werden, die breite Verbindung der Bevölkerung mit den Kommunisten positiv darzustellen.