Auf der Moorweide
Besuch auf dem Camp „Bridge of Resistance“ in Hamburg
Im Rahmen der Kampagne „Stop Nakba Now“ fand vom 9. bis 15. Mai in Hamburg ein Palästina-Solidaritätscamp statt. Es mündete am Samstag in einer großen Demonstration.
Das Camp wurde von überwiegend jungen Menschen selbst organisiert. Es erfuhr im Laufe der Woche auch viel Unterstützung von Bürgerinnen und Bürgern, mit Decken gegen die Kälte, Lebensmitteln und vor allem Interesse an ihrer Sache. Das steht in erfreulichen Gegensatz zu zentralen Hamburger Medien wie dem Hamburger Abendblatt oder Bild-Hamburg. Und der jüdischen Gemeinde. Ihnen gemeinsam ist eine üble Hetze und Diffamierung des Camps und seines Gedankens: „Israel Hasser“ oder mit Banner „In Hamburg ist kein Platz für Antisemitismus“. Es ist doch kein Antisemitismus, wenn man solidarisch ist mit dem Überlebens- und Befreiungskampf des palästinensischen Volks! Das Camp musste gerichtlich erstritten werden. Wir gratulieren zum Erfolg gegen diese antikommunistische Hetze!
Das Camp war gut organisiert. Täglich wechselnde Workshops beleuchteten verschiedene Facetten der Lage der Menschen in Gaza, die Rolle der Arbeiter im Widerstand gegen Genozid, Fragen zur Vernetzung und vieles mehr. Es bot die Möglichkeit der Information mit Infoständen von unterschiedlichen Organisationen, Künstlern, auch das leibliche Wohl kam nicht zu kurz.
Wir von „Palästina muss leben“ haben uns einen Workshop „Rolle des Gesundheitssystems im palästinensischen Widerstand in Gaza“ ausgesucht. „Das ist das richtige, hier können wir unser Al Awda Projekt vorstellen“, so unsere Sprecherin. Also packten wir unsere Flyer zum monatlichen Sonntagstreffen mit Brunch ein und zogen zur Moorweide. Der Vortrag einer Berliner Augenärztin, die mit einer NGO mehrmals in Gaza war, war informativ, sachlich und berührte. Alles findet nach israelischen Bedingungen statt: die Einreise über Jordanien, die Westbank, die Verweigerung der Einfuhr von ausreichend Babynahrung, viele Säuglinge sterben. Elektronische Geräte, Powerbanks sind verboten. Sie wären für die palästinensische Bevölkerung notwendig, weil sie keinen Strom haben. Alle medizinischen Geräte sind verboten, Medikamente nur für den persönlichen Bedarf der Einreisenden – bei Missachtung droht das Verbot der Organisation, so z. B. wurde „save the children“ verboten.
In Gaza leben viele Bauern, aber sie dürfen keinen Samen einführen, um zu pflanzen. Die Referentin sagt „es ist keine humanitäre Krise in Gaza, es ist eine menschengemachte Katastrophe die politisch lösbar wäre“ und „die NGO-Arbeit sind Tröpfchen aber keine selbstbestimmte Hilfe, im Gegenteil verhindert ihre Präsenz dieses“. Ihrer Kenntnis nach wurden bisher 1.700 medizinische Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen getötet. Sie berichtet von einem „bewegenden Empfang“ von freigekommenen palästinensischen Gefangenen. Die meisten waren über 20 Jahre in israelischer Gefangenschaft. Männer, deren Familien in der Westbank, im Libanon leben, aber sie wurden nach Gaza entlassen, wo sie niemand haben und bleiben müssen. Und doch, „sie wurden wie Brüder empfangen“.
Die israelische Besatzung kontrolliert auch die Geldmenge, die die Ärzte mitbringen. Im Laufe der Zeit ist die Inflation ins Unermessliche gestiegen und die Menschen können sich kaum etwas Frisches kaufen. Neu sagt sie, ist eine Rattenplage die auch die Menschen bedroht. In der anschließenden Diskussion stellten wir den ICOR-Solidaritätspakt mit dem Al Awda-Gesundheitszentrum und die internationalen Brigaden vor. Das stieß auf sehr großes Interesse, Nachfragen zu den Brigaden und unsere Flyer wurden gerne genommen.