Stahlindustrie

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Was steckt hinter dem Stopp der Verkaufsgespräche Thyssenkrupp Steel und Jindal Steel?

Wie Rote Fahne News gestern schon berichtete, haben die Vorstände von Thyssenkrupp und Jindal Steel beschlossen, ihre Gespräche über den Kauf von Thyssenkrupp Stahl durch den indischen Stahlkonzern „auf Eis“ zu legen.

Von gp

Diese Entwicklung hatte sich in den letzten Monaten schon abgezeichnet. Vor allem als bekannt wurde, dass Jindal über die bereits beschlossenen 11.000 Arbeitsplätze weitere 2000 bis 3000 vernichten wolle. Dass dies die gebeutelten Beschäftigten nicht hinnehmen werden, war mit großer Sicherheit abzusehen.

Was steckt hinter dem Aussetzen der Verkaufsgespräche?

Die ganze Zeit hat TK-Chef Miguel Lopez versucht, sich von TKSE zu trennen. Die Verkaufsgespräche mit Jindal Steel versprachen eine Lösung. Deshalb verwundert die Entscheidung des TK-Vorstandes doch, jetzt die „Neuaufstellung des Segments aus eigener Kraft konsequent voranzutreiben“ zu wollen. Mittelfristig will er aber an seinem Plan festhalten, sich vom Stahlbereich zu trennen. Woher kommt der Sinneswandel?

 

„Nachdem wir uns im eigenen Unternehmen, mit den Tarifpartnern und mit der Politik in Deutschland und Europa im Grundsatz geeinigt haben, sind die Voraussetzungen für eine profitable Fortführung von Thyssenkrupp steel so gut wie lange nicht mehr.“ (1) Gemeint sind damit unter anderem die Beschlüsse der EU zur mengenmäßigen Begrenzung und Abwehr ausländischer Stahlimporte.

 

Der tatsächliche Grund ist allerdings ein politischer. Dazu heißt es in einer Mitteilung des Vorstandes: „Die Europäische Union hat die große Bedeutung der Stahlproduktion für die Resilienz (2) industrieller Wertschöpfungsketten erkannt.“ Übersetzt heißt das nichts anderes, als dass die Entscheidung, die Verkaufsgespräche mit Jindal auszusetzen, Bestandteil des Umbaus der Wirtschaft auf Kriegswirtschaft ist. Dazu gehört nicht nur die unmittelbare Rüstingsproduktion, sondern auch die Aufrechterhaltung der „Lieferketten“. Stahl ist nämlich ein unverzichtbarer Grundstoff, der in fast allen Branchen zum Einsatz kommt. Die relative Unabhängigkeit von ausländischen Importen kann im Kriegsfall entscheidend sein. Das gilt im Besonderen für den größten europäischen Stahlkonzern, TKSE. Deshalb ist die Entscheidung, die Gespräche zum Verkauf von TKSSE zunächst auszusetzen, eine Entscheidung der in Deutschland führenden internationalen Monopole.

 

Der zweite Vorsitzende der IG Metall und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzender Jürgen Kerner fordert Lopez auf, einen „klaren Schnitt und ein Ende der Gespräche ohne Hintertür“ zu machen. Er fordert Lopez auf, sofort mit der IG Metall Gespräche über eine „tragfähige Lösung für eine Verselbständigung des Stahlbereichs aus eigener Kraft zu entwickeln“.

 

Für die Kolleginnen und Kollegen wird damit immer deutlicher, dass der Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz untrennbar mit dem Kampf gegen die Kriegsvorbereitung verbunden ist.