Millionen folgten dem Aufruf

Millionen folgten dem Aufruf

Vor 100 Jahren: Generalstreik in Großbritannien

Am 4. Mai 1926 begann der Generalstreik in Großbritannien. Er dauerte bis zum 12. Mai. Millionen folgten dem Aufruf des Trade Union Congress (TUC- Gewerkschaftsdachverband) - Transportarbeiter, Drucker, Eisen- und Stahlarbeiter. Arbeiter aller Industriezweige traten in den Streik.

Von hi
Vor 100 Jahren: Generalstreik in Großbritannien
Foto: People's History Museum

Anlass war der Generalangriff der Monopole auf die Bergarbeiter. Mit ihrer Aussperrung versuchten die Zechenbarone, Löhne zu senken, die Arbeitszeit zu verlängern und die Arbeitsbedingungen zu verschlechtern.

Zur Vorgeschichte

Im Sommer 1925 drohten die Minenbesitzer mit Aussperrung, um niedrigere Löhne und längere Arbeitszeiten durchzusetzen. Die gesamte Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung war bereit, die Bergarbeiter mit einem Generalstreik zu unterstützen. Am Vortag des Kampfes trat die Regierung Baldwin den Rückzug an. Der Deal war, dass die Regierung den Kohlenbaronen Subventionen zusagte und damit eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen vermeiden wollte. Dies war ein Sieg der Arbeiterklasse, und der 31. Juli 1925 ging als „roter Freitag" in die Geschichte ein.

 

Monopole und die Regierung der Konservativen ließen keinen Zweifel daran, dass sie an ihrem Ziel, der Arbeiterbewegung eine entscheidende Niederlage beizubringen, festhielten. Sie wollten nur eine 9-monatige Atempause. Sie legten Kohlevorräte an, bereiteten Streikbrecherarbeit vor und starteten Pressekampagnen. Sie brachten den Staatsapparat in Stellung, der dann auch gegen die Streikenden eingesetzt wurde.

 

Die Kommunistische Partei machte eine Kampagne zur Unterstützung der Bergleute und Vorbereitung eines Generlstreiks. Die rechten Gewerkschaftsführer unternahmen nichts zur Mobilisierung der Mitglieder und startete stattessen eine antikommunistische Kampagne. KP-Mitglieder wurden von gewerkschaftlichen Delegiertenmandaten ausgeschlossen. Staatliche Unterdrückungsmaßnahmen gegen die KP folgten - Hausdurchsuchungen, Beschlagnahmungen. 12 führende Mitglieder der Kommunistischen Partei wurden verhaftet. Fünf von ihnen erlebten den Generalstreik im Gefängnis. Sie wurden unter anderem wegen Anstiftung zum Aufruhr und wegen Zersetzung des Staatsapparats zu je drei Jahren Gefängnis verurteilt. Sie hatten Polizisten und Militärs dazu aufgerufen, ihre Waffen nicht gegen Arbeiter zu richten. Den übrigen Inhaftierten wurde gesagt, wenn sie keine Verbindungen mehr zur KP hätten und sich nicht mehr an politischen Aktivitäten beteiligten, könnten sie den Gerichtssaal als freie Männer verlassen. Das lehnten sie empört ab. Auch sie wanderten ins Gefängnis, für je sechs Monate.

 

Hintergrund und Verlauf

 

Wichtige Auseinandersetzungen um die Lehren

In der kommunistischen Bewegung gab es wichtige Auseinandersetzungen um die Lehren. Stalin maß dem Kampf und der Entwicklung der Solidarität mit ihm große Bedeutung zu: „Wir müssen so schnell wie möglich die Resolutionen unserer Arbeiter (aus allen Regionen) über die Unterstützung der Streikenden in England insgesamt und der Kohlekumpel im Besonderen im VOLLEN Wortlaut in ALLEN wichtigen Sprachen des Westens herausgeben.“ (Brief 26. Mai 1926) Am 27. August: „In den nächsten Tagen wird wohl eine Delegation der britischen Kohlekumpels in der UdSSR eintreffen. Man muss sie empfangen, „wie es sich gehört“ und für die Kohlekumpel so viel Geld wie möglich sammeln. … Wir müssen so schnell wie möglich um die zwei Millionen Rubel sammeln und abschicken (weniger als die Amerikaner darf es nicht sein), vielleicht auch drei Millionen. Die Lage in England ist ernst und verpflichtet uns zu ernsten Opfern.“

 

In einem Briefwechsel zwischen Stalin und Molotow ist zu den Spenden der sowjetischen Gewerkschaften vermerkt, dass der TUC die Annahme von 2,25 Millionen Rubel verweigerte. Auf Wunsch des englischen Bergarbeiterverbands wurden die Spenden dann direkt an diesen überwiesen. Anhand eigener Erfahrungen in Verbindung mit der Arbeit der Kommunisten sollten die Arbeiter von der Politik der Kommunisten und der Schädlichkeit des Reformismus überzeugt werden.

 

Stalin verteidigte das Englisch-Russische Komitee als gemeinsames Organ der Gewerkschaften beider Länder mit dem selbstverständlichen Recht, den Reformismus zu kritisieren. Er arbeitete die Rolle des Komitees als Instrument der Einheitsfrontpolitik heraus. Erstens zur Organisierung der Einheitsbewegung gegen die Offensive des Kapitals, und Loslösung der Arbeiter von der reformistischen Internationale der Sozialdemokratie. „Die zweite Aufgabe dieses Blockes besteht in der Organisierung einer breiten Bewegung der Arbeiterklasse gegen neue imperialistische Kriege im allgemeinen und gegen eine Intervention (ganz besonders) der stärksten imperialistischen Macht Europas, Englands, gegen unser Land im besonderen.“ (Stalin Werke Band 8, Seite 164)

 

Sinowjew (damals noch Vorsitzender der Komintern) und Trotzki (noch führendes ZK–Mitglied) forderten dagegen demonstrativ, mit dem Generalrat in Großbritannien und den ‚reaktionären‘ Gewerkschaften zu brechen. Sie wollten die Politik der Gewerkschaftseinheit, die Politik der Einheitsfront liquidieren. Mit linken Phrasen tarnten sie ihre Kapitulation. Praktische Konsequenz einer solchen Politik ist es, die Masse der Gewerkschaftsmitglieder dem Einfluss der reformistischen Führer zu überlassen.

 

Die Bedeutung der Einheitsfront im Kampf gegen Ausbeutung, Faschismus und Weltkriegsgefahr ist eine der Lehren aus dem Kampf vor hundert Jahren.