1. Mai

1. Mai

Jena: Der Sozialismus hat einen festen Platz

Genau wie in anderen Städten war der 1. Mai in Jena größer und deutlich jünger als in den vergangenen Jahren.

Von einem Korrespondenten

Erstmals waren besonders viele Studierende dabei. Jena ist eine Uni-Stadt, etwa jeder vierte Einwohner hat etwas mit der Uni zu tun. Ebenfalls stark vertreten war Ver.di, welche eine große Delegation von Azubis und Angestellten des Universitäts-Krankenhauses organisiert hatten.


Eine Azubine sprach mutig am Mikrofon über die schlechten Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen im Krankenhaus und gegen die geplante Gesundheitsreform von Ministerin Warken. Leider waren wenig Arbeiter aus anderen Betrieben am 1. Mai, was vor allem an der schlechten Mobilisierung der IG Metall lag.


Unser MLPD-Stand war dieses Jahr ein echter Hingucker. Die DGB-Vorsitzende meinte anerkennend zu uns: „Ihr habt immer so schöne Stände und jedes Jahr werden sie größer.“ Mit selbstgestalteten Plakaten, großer Literaturauslage und Gaza-Tisch hatten wir einiges zu bieten. Eine Studentin meinte zu uns: „Ihr seid die Einzigen hier, die was zu Palästina machen. Da bin ich richtig froh drüber.“ Danach füllte sie eine Gaza-AG-Karte aus. Die gesamte Zeit war unser Stand umlagert von Menschen und wir führten permanent tiefschürfende Gespräche.


Etwas Neues war, dass viele Leute bereits über die Kapitalismuskritik hinausgingen und uns fragten, wie wir uns den Sozialismus vorstellen. Das ging von Fragen wie „Wie wird eine sozialistische Revolution aussehen?“ bis hin zu „Wie wird im Sozialismus die Demokratie organisiert?“ Die wahrscheinlich wichtigste Auseinandersetzung war aber um die Frage der Organisierung. Es fällt nach wie vor vielen jungen Menschen schwer, sich für eine feste Zusammenarbeit mit der MLPD zu entscheiden. Seine Kontaktdaten da zu lassen, war für die allermeisten noch ein zu großer Schritt.


Während wir viel zu tun hatten, gaben die bürgerlichen Parteien ein jämmerliches Bild ab. Die SPD stand an ihrem Stand meistens allein. Die FDP hatte gleich gar kein Infomaterial dabei und verteilte das Grundgesetz – ein Offenbarungseid dafür, den Massen nichts mehr bieten zu können.

 

Den Vogel schoss aber die CDU ab: An ihrem Mini-Stand verteilte sie Bier und so begannen die CDU-Leute bereits vor 9 Uhr das Saufgelage. Alsbald hatte sich eine Traube von Alkoholikern um den Stand gebildet. Als junge Gewerkschafter versuchten, mit den CDU-Leuten ins Gespräch zu kommen, rief der Stadtratsabgeordnete Bastian Stein kurzerhand einen Ordner und ließ die Gewerkschafter verscheuchen.

 

Dass es auch ganz anders geht, zeigten wir von der MLPD: Am Nachmittag veranstalteten wir im Paradiespark, unser traditionelles Grillfest. Es gab Fleisch und Tofu vom Rost, Getränke, Lieder und eine kurze Ansprache. Wir feierten auch den Geburtstag eines Freundes. Mit dabei waren mehrere Familien mit ihren Kindern und sogar Großeltern, sowie Freundinnen und Freunde aus Jena und Gera.