Dokumentiert aus der WAZ Gelsenkirchen

Dokumentiert aus der WAZ Gelsenkirchen

Der Fall Owen Franke schlägt Wellen

Die Regionalausgabe Gelsenkirchen der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) hat in ihrer gestrigen Druckausgabe über den Skandal rund um den US-Bürger Owen Franke, den die Stadt aufgrund eines Interviews für Rote Fahne News nicht einbürgern will, berichtet. Die Rote-Fahne-Redaktion dokumentiert Auszüge:

Der Fall Owen Franke schlägt Wellen
Der Bericht über Owen Franke (foto: Screenshot)

Fast jeder zweite Antrag auf die deut­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit, den die Gel­sen­kir­che­ner Ein­bür­ge­rungs­be­hörde 2025 abschlie­ßend bear­bei­ten konnte, wurde abge­lehnt. Eine sta­ti­sti­sche Aus­nahme ist Owen Franke inso­fern nicht. Aber doch ist der abge­schmet­terte Ein­bür­ge­rungs­an­trag des 41-jäh­ri­gen, seit dreizehn Jah­ren in Deutsch­land leben­den US-Amerikaners ein beson­de­rer Fall. Weil er Fra­gen auf­wirft wie: Wel­che Mei­nungs­äu­ße­run­gen sind ein Hin­der­nis für die Ein­bür­ge­rung? Und wie deut­lich muss eine poten­zi­ell extre­mi­sti­sche Hal­tung zur Schau gestellt wer­den, um die deut­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit ver­wehrt zu bekom­men?

 

Frei­tag, der 8. Novem­ber 2024, kurz nach der Prä­si­dent­schafts­wahl in den USA. Auf dem Links­au­ßen-Nachrichtenportal „Rote Fahne News“ (Rf-news) wird ein Inter­view zur US-Präsidentschaftswahl publi­ziert. Owen Franke und ein Lands­mann tei­len darin ihre Sicht auf das Wahl­recht in den USA. Wer von bei­den wel­chen Satz sagt und wer der andere US‑Amerikaner über­haupt ist, wird nicht trans­pa­rent gemacht. Jeden­falls fal­len Sätze wie: „Eine wirk­lich breite Demo­kra­tie kann nur durch die revo­lu­tio­näre Über­win­dung des kapi­ta­li­sti­schen Systems und den Auf­bau des Sozia­lis­mus ent­ste­hen.“

 

Es sind typi­sche Sätze aus dem Satz­bau­ka­sten der Mar­xi­stisch-Leninistischen Par­tei Deutsch­lands (MLPD), die in Gel­sen­kir­chen ihren Haupt­sitz hat und vom Ver­fas­sungs­schutz beob­ach­tet wird. Weil sich ihre Kern­ziele „gegen wesent­li­che Bestand­teile der frei­heit­li­chen demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung rich­ten“. Das RF‑Magazin gilt als Ver­laut­ba­rungs­or­gan der Par­tei und ist ein Titel der Medien­gruppe Neuer Weg, die „den Kampf gegen den Antikommunismus“ zu ihrem Mar­ken­zei­chen erklärt hat. Owen Franke ist beim Neuen Weg als Medien­ge­stal­ter beschäf­tigt. Mit­glied der MLPD ist er nach eige­ner Aus­sage jedoch nicht.

 

Trotz­dem wurde ihm seine Tätig­keit, vor allem aber wohl das RF‑Interview, zum Ver­häng­nis. Am 5. Februar 2026 erhält der Ame­ri­ka­ner eine Ter­mi­n­ab­sage von der loka­len Ein­bür­ge­rungs­be­hörde, bei der er einen Antrag auf den deut­schen Pass gestellt hatte. „Dabei erfülle ich alle gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen“, sagt er. Nach­wei­sen kann Franke, dass er auch einen Ein­bür­ge­rungs­test bereits erfolg­reich bestan­den hat.

 

Auf­merk­sam macht die Ein­bür­ge­rungs­be­hörde in ihrem Schrei­ben auf Erkennt­nisse, die beim NRW-Innen­mi­ni­ste­rium über Franke und seine Ver­bin­dun­gen zur MLPD vor­lie­gen wür­den. Im Detail wird anschlie­ßend noch mal aus­ge­führt, warum die Par­tei als ver­fas­sungs­feind­lich ein­zu­stu­fen ist. Expli­zit als Ein­bür­ge­rungs­hin­der­nis erwähnt wird dann auch Owens Inter­view zur US‑Präsidentschaftswahl, das Ende 2024 bei RF-News erschien. ...

Die Rote Fahne Redaktion hat Owen Franke gefragt:

Redaktion: Owen: Die WAZ schreibt, dass Du viele Kriterien für die Einbürgerung nicht erfüllst. Du erfüllst sie aber doch alle, oder?
Owen Franke: Der Redakteur der WAZ erklärte mir, dass er das so geschrieben habe, weil ich aus Sicht der Einbürgerungsbehörde ja gegen die "freiheitlich-demokratische" Grundordnung verstoße. Ich verstoße aber weder gegen Freiheit noch gegen Demokratie, also erfülle ich alle Kriterien für die Einbürgerung.
Redaktion. Herzlichen Dank und alles Gute für den Kampf um die Einbürgerung.

 

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