Wien

Wien

Eurovision Songcontest (ESC) – wachsender Protest gegen Israel-Teilnahme

Am 16. Mai findet in Wien das Finale des 70. ESC statt. Inzwischen hat sich eine große Protest-Bewegung gegen die Teilnahme Israels entwickelt.

Von cw
Eurovision Songcontest (ESC) – wachsender Protest gegen Israel-Teilnahme

Die „Palästina Solidarität Österreich“ schreibt in ihrem aktuellen Aufruf zum Protest: „Täglich werden im Gazastreifen Palästinenserinnen und Palästinenser getötet, lebenswichtige Hilfsgüter inmitten der Zerstörung zurückgehalten und renommierte Hilfsorganisationen verboten. Gleichzeitig eskaliert die Gewalt der Besatzer im Westjordanland und Jerusalem. Trotzdem wird Israel im Rahmen des Songcontests eine Bühne geboten, als gäbe es keinen Aushungerung, keine ethnische Säuberung, keine Besatzung. Der Eurovision Song Contest wird so zum Teil eines Propaganda-Apparats, durch den der Völkermord normalisiert wird.“(1)

 

Inzwischen haben mehr als 1100 Kulturschaffende und namhafte Musikerinnen und Musiker in der Bewegung "No Music For Genocide" ("Keine Musik für den Genozid") in einem offenen Brief den Boykott der Veranstaltung gefordert. Zu den Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern gehören international bekannte Musiker wie Peter Gabriel, Brian Eno, Paul Weller, Ex-Pink-Floyd-Musiker Roger Waters oder der US-Rapper Macklemore. Zudem haben zahlreiche Bands wie Massive Attack, Sigur Rós, Mogwai, Hot Chip, Idles oder Kneecap und andere ihre Namen unter das Dokument gesetzt. Auch mehrere ehemalige ESC-Teilnehmerinnen und -teilnehmer unterschrieben, darunter die dänische ESC-Gewinnerin von 2013, Emmelie de Forest. Der Schweizer ESC-Gewinner von 2024 Nemo gab seinen Sieger-Pokal zurück. Bereits fünf Länder (Spanien, Irland, Island, Slowenien und die Niederlande) haben ihre diesjährige Teilnahme am ESC wegen der Zulassung von Israel abgesagt. Belgien, Schweden und Finnland prüfen noch, ob sie absagen.

 

Ganz anders unsere Bundesregierung. Mehrere Vertreter der Regierung kritisieren den Boykott. Bundesaußenminister Wadephul erklärt, Kultur sollte immer etwas Verbindendes haben und der ESC dürfe nicht zum Austragungsort politischer Differenzen werden. In die gleiche Richtung marschiert auch die AfD. Der kulturpolitische Sprecher der AfD-Fraktion im Bundestag, Frömming, nannte die zunehmende Politisierung des ESC „keine gute Entwicklung“.

 

Die Kampagne "Keine Musik für den Genozid" nennt Forderung nach einem unpolitischen ESC pure "Heuchelei". Sie verweisen darauf, dass nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine ohne Zögern Russland vom ESC ausgeschlossen wurde. „Doch mehr als 30 Monate Völkermord im Gazastreifen - neben ethnischer Säuberung und Landraub im belagerten Westjordanland - scheinen nicht auszureichen, um dieselbe Politik auf Israel anzuwenden." (2)

 

Es gibt auch den Vorwurf, die berechtigte Boykottbewegung sei antisemitisch. Das trifft nicht zu. Die Kritiker der Teilnahme Israels beim ESC stellen sich nicht gegen die Existenz Israels und die Bevölkerung Israels. Allerdings gegen die menschenverachtende Politik der faschistischen Regierung Netanjahu und den Zionismus – das muss man klar unterscheiden.

 

Der Pressesprecher der bundesweiten Organisation „Gaza muss leben“, Mahmoud Atiq, erklärt: „Wir unterstützen jede friedliche und kulturelle Form des Protests gegen Krieg, Besatzung und Unterdrückung. Musik darf nicht zur Normalisierung von Gewalt dienen. Internationale Veranstaltungen wie der ESC tragen Verantwortung und dürfen Menschenrechtsfragen nicht ignorieren."

 

Die „Palästina Solidarität Österreich“ lädt bereits am Freitag, 15. Mai, dem Jahrestag der Nakba (3), zu einem großen Event in Wien ab 17 Uhr ein: der „Song-Protest – No stage for Genozide“ („Nein zum Eurovision Songcontest als Propagandashow“) mit internationalen Aktivist:innen und Künstler:innen. Nähere Infos unter www.palaestinasolidaritaet.at