Sonneberg

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Einzigartige selbstorganisierte Flüchtlingsdemo in „der Höhle des Löwen"

Vor zwei Wochen gab es erstmalig in Sonneberg eine selbstorganisierte Demonstration und Kundgebung von ca. 20 Flüchtlingen für ihre Menschenrechte und gegen die Zustände in ihrem Camp.

Korrespondenz

Sie kamen aus den verschiedensten Ländern, jetzt wohnen sie im Flüchtlingsheim „Sternradio". Der erste AfD-Landrat bundesweit hat die Gelder zur Sanierung der Flüchtlingsunterkunft nicht abgerufen.

 

Was war das Anliegen dieser Menschen? Im Vorfeld hatten sie selbst 15 Schilder gemalt mit den Forderungen in bestem Hochdeutsch: „Wir wollen arbeiten und Steuern zahlen", „Wir wollen Wohnungen für Familien", „Wir sind keine Kriminellen", „Wir leben wie Tiere im Heim. Überall ist Dreck. Das Leben, was wir leben, ist nicht menschlich", „Wir wollen nicht jeden Tag unterschreiben." „Die Tür der Waschküche soll nicht abgeschlossen werden."

 

Vor ihrer Demo baten sie MLPD-Genossen um Unterstützung, eine Anlage mit Mikrofon zu stellen und ihre Rede in deutsch vorzulesen. Dieses Anliegen wollten wir gern unterstützen. Als erstes verbot aber die Versammlungsbehörde die Nutzung von Anlage und Mikrofon, weil es angeblich nicht angemeldet sei. Die Bürokratie schlägt zu. Für alle war es selbstverständlich, dass zur Anmeldung einer Kundgebung vor dem Landratsamt ein Mikrofon gehört. Warum muss man das extra als „Kundgebungsmittel" anmelden?Wenn man eine Kundgebung macht, will man ja auch gehört werden. Unsere Freunde hatten erstmalig eine solche Kundgebung angemeldet.

 

Mit ihren Schildern zogen sie eine Stunde durch ganz Sonneberg und später auf der Hauptstraße entlang - von ihrer Flüchtlingsunterkunft bis vor das Landratsamt. Sie riefen „Wir wollen arbeiten". Auf der ganzen Strecke kamen positive Reaktionen wie Klatschen aus den Autos. Vor dem Landratsamt wurde ihre Rede in Deutsch laut vorgelesen. Auch hier gab es viel Zustimmung von Passanten.

 

Ein Video im Internet auf Facebook wurde schon ca. 15.000 Mal angeschaut, zur Hälfte geliked, die andere Hälfte mit wütenden Kommentaren versehen. Darunter: „Die sollen sofort abgeschoben werden", oder „Sie sind selbst verantwortlich für die Zustände im Heim". Das zeigt die ausgeprägte Polarisierung, aber auch die Verlogenheit der AfD-Hetze. Die sagen immer, „die wollen doch nicht arbeiten". Aber diese Menschen demonstrierten dafür, dass sie hier legal arbeiten dürfen und wollten „keine Sozialhilfe, sondern eine Chance". Die Hasskommentare beschwerten sich darüber, dass sie auch noch Forderungen stellen und um ihre Rechte und gegen Rassismus bzw. Diskriminierung kämpften.

 

Die Reaktion vom Landratsamt war die, dass die Geflüchteten selbst für die unhygienischen Zustände im Heim verantwortlich sind, während die Behörde ja schon viel unternommen hat und vor allem die Kontrollen verschärft habe.

 

Wir unterstützen diese Form diese Form der Selbstorganisation und des Kampfes für die Menschenrechte gegen Rassismus, Faschismus, Krieg und seine Folgen aus vollem Herzen.