Gestern in Essen
Ein Tag der Befreiung mit Perspektive und Ausstrahlung
Diese Demonstration am 8. Mai 2026 in der Innenstadt von Essen wird so schnell keiner der Beteiligten vergessen. Es war eine hervorragende Kampfdemonstration, die dem Tag der Befreiung in verschiedener Hinsicht vollauf gerecht wurde.
Unter dem Motto: "8. Mai ist Tag der Befreiung! Gegen Faschismus und Weltkriegsvorbereitung auf die Straße! Kampf der Preisexplosion! Stoppt die Abwälzung der Kriegslasten auf die Bevölkerung!“ hatte das Internationalistische Bündnis zu der Demo aufgerufen. Um die 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer schlossen sich ihr an, am Straßenrand und aus vielen Fenstern applaudierten zusätzlich viele Menschen.
Wodurch zeichnete sich diese Demonstration aus?
- Durch ihren fundierten Optimismus; dabei wurde der Ernst der Lage auch deutlich, die Sorgen der Menschen. Aber sie wollen nach vorn, zu einer besseren gerechten Welt. Gabi Fechtner, die Vorsitzende der MLPD, wies anschaulich nach, dass das kapitalistische Gesellschaftssystem gescheitert ist und kein grundlegendes Problem mehr lösen kann. „Sie können und wollen die Preisexplosion an den Tankstellen nicht stoppen, weil hier fünf Monopole dominieren und ihre Monopolprofite eiskalt durchsetzen. Sie jammern über fehlende zwei Milliarden im Gesundheitswesen, während sie weiterhin jährlich 60 Millliarden den Pharmakonzernen zuschieben. So lange die Fabriken, der Grund und Boden, die Häuser, den Kapitalisten gehören, können sie Arbeiter ausbeuten, Mieten hochtreiben, Preise diktieren.“ Der Imperialismus zeigt gerade mit dem Faschismus und den barbarischen Kriegen seine Fratze. Aber Kapitalismus ist auch ohne Krieg und Faschismus unerträglich. Deshalb war die Kernbotschaft von Gabi Fechtner, dass der Tag der Befreiung auch auf die Befreiung im Sozialismus zielt, auf die Befreiung in einer besseren Welt. Sie begründete ihren Optimismus für diese Befreiung mit der gegenwärtigen Formierung einer fortschrittlilchen Massenbewegung, die Dutzende und hunderte Millionen umfasst.
Diese hat die Qualität eines weltweiten vorrevolutionären Gärungsprozesses angenommen. Allein in der Türkei waren am 1. Mai elf Millionen Menschen gegen das faschistische Erdogan-Regime auf der Straße. Aber, so Gabi, diese Bewegung muss sich besser organisieren. Es reicht nicht, ab und zu bei einer Demonstration mitzumachen. Wir brauchen Disziplin und Organisiertheit, um eine überlegene Kraft gegen den Kapitalismus zu werden. Angesichts der unsäglichen antikommunistischen Ausfälle gegen die Rote Armee ausgereichnet am Tag der Befreiung Deutschlands rief sie aus: Wir sind stolz auf die gigantischen Leistungen des Sozialismus in der Sowjetunion – dem Sozialismus gehört die Zukunft!
Wuria Ahmadi von Komala Iran zum kurdischen und zum iranischen Befreiungskampf: „Und wenn es noch so viele Schwierigkeiten gibt, wir werden niemals aufgeben, für eine bessere Welt zu kämpfen“. Hashem Qasem, Veteran der palästinensischen Bewegung: „Ich habe immer in Deutschland gehört – nie wieder Krieg – und jetzt 500 Mrd für die Rüstung. Dagegen müssen wir kämpfen. Und gegen das Ungeheuer Faschismus, das noch viele Wurzeln hat“. - Durch den Zusammenschluss von revolutionären und internationalistischen Kräften. Mindestens 30 Organisationen haben sich aktiv an der Demonstration beteiligt, mit Rednern, Fahnen, Transparenten, Sprechchören und Schildern. Es war ein Zusammenschluss der revolutionären, kämpferischen und internationalistischen Kräfte in Deutschland: Türkische und kurdische Organisationen, Iraner und Palästinenser, viele linke Jugendorganisationen, überparteiliche Selbstorganisationen, Mitglieder der Linkspartei. Auch Menschen aus Bosnien, Thailand, der Ukraine oder den USA versammelten sich zum Abschluss bei der „Internationale“ auf der Bühne. Ein junger Mensch war begeistert von den Beiträgen gegen die Wehrpflicht. Manche konnten nur sagen: „Die Demo ist beeindruckend und toll, das spricht mir aus dem Herzen“ oder „Ich bin mit der Denkweise der Demonstration einverstanden.“ Ein Teilnehmer aus Nordkurdistan lobte vor allem die solidarische Beteiligung so vieler internationaler Kräfte. Die Bandbreite der beteiligten Organisationen war immens: Die Unbeugsamen; Bir kar, Yeni Kadin, ADHK und Grup Yorum, YPG und YPJ; Linkes Forum, Umweltgewerkschaft, Solidarität International und Freundeskreis Flüchtlingssolidarität. Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter von Verdi, IG Metall, IGBCE. Vertreter und Vertreterinnen von fortschrittlichen kommunalen Bündnissen, vom Frauenverband Courage und von der Montagsdemobewegung - so eine noch nicht vollständige Liste.
- Durch den Schwung der sozialistischen Jugendbewegung: Vom Jugendverband REBELL, den Rotfüchsen, über Young Struggle, die kommunistische Jugend bis zur „Föderation klassenkämpferischer Organisationen“ beteiligte sich eine wachsende sozialistische Jugendbewegung aktiv und vorwärtstreibend. Der Sprechchor „Jugend – Zukunft – Sozialismus“ wurde zum Motto der ganzen Demonstration. Mit ihren zündenden Rufparolen, ihren akrobatischen Einlagen ode rihren Liedern drückten sie dem mitreißenden Erscheinungsbild der Demonstration ihren Stempel auf. Und es waren vor allem Jugendliche, die sich bei der Zwischenkundgebung anschlossen und Kontakt suchten. Die Demonstration war die beste Werbung für das internationale Pfingsjugendtreffen, das vom 22. bis 24. Mai in Gelsenkirchen stattfinden wird. Am Berliner Platz bei der Shopping-Mall beobachteten viele Jugendliche die Demo. Eine junge Frau, Muslima und voll verschleiert, schloss sich spontan der Demo an. Was sie dazu bewogen hat? "Das Wort Sozialismus. Das finde ich so schön!"
- Durch die prägende Rolle der Arbeiter und Arbeiterinnen: Stahlarbeiter und Bergarbeiter in Arbeitskleidung hatten Transparente und Schilder gegen Faschismus und Krieg dabei und bekräftigten die Verantwortung der Arbeiter für den Kampf um Befreiung. Vertrauensleute von Ford Köln berichteten von der konsequent antifaschistischen Resolution des Vertrauenskörpers. Es sprachen Kolleginnen und Kollegen von Verdi, von der Betriebsratsliste Offensiv von Opel Bochum, von einer Klinik aus Rüsselsheim es wehten Fahnen der IG Metall, von Verdi, IGBCE und von Kumpel für AUF. Vertreter der internationalen Automobilkoordination aus Braunschweig, Rüsselsheim oder Hannover waren mit Schildern und Liedern präsent. Die Moderation der Demonstration war in den Händen von Lisa Gärtner von der MLPD und der Koordinierungsgruppe des Internationalistischen Bündnisses und Markus Stockert, Betriebsrat bei ThyssenKrupp in Duisburg.
- Durch die klare Positionierung gegen den Antikommunismus. Der Kampf gegen Faschismus und Weltkriegsvorbereitung muss mit dem Kampf gegen den Antikommunismus aufs Engste verbunden werden. Am Jahrestag von Kriegsende und Befreiung vom Hitlerfaschismus feiern wir auch stolz die Errungenschaften der damals sozialistischen Sowjetunion und ihren selbstlosen und aufopfernden Kampf gegen den Faschismus und für die Zukunft der Menschheit, für den sie einen unbeschreiblichen Blutzoll bezahlt hat. Ausgerechnet an diesem Tag verunglimpft Jana Heinze von "Memorial" das Treptower Ehrenmal in Berlin und verlangt allen Ernstes, jeder müsse sich heute "ent-stalinisieren". Was soll das sein? Wenn sie meint, das ehrenvolle Gedenken an die Rote Armee und die Verdienste von Stalin in den Dreck zu ziehen, dann hat sie bei der gestrigen Demonstration in Essen keine Chance. Ein Vertreter des Vereins für Grundrechte arbeitete in seinem Beitrag hingegen klar heraus, wie nach Kriegsende der BND und der Verfassungsschutz mit alten Nazis aufgebaut wurde!
- Durch ihre kämpferische Demonstrationskultur: Auch während der Demonstration optimistische Lieder von „Keiner schiebt uns weg“ bis zur „Internationale“. Zustimmung an hunderten Fenstern in den Wohngebieten, von vielen Frauen. Bei der Zwischenkundgebung am Berliner Platz blockierte die Demonstration etwa 45 Minuten lang den Verkehr und wandte sich an die Passanten und Autofahrer und Autofahrerinnen. Gabi Fechtner rief hier besonders dazu auf, sich auf härtere Kämpfe einzustellen: „Demonstrationen bringen durchaus etwas. Aber sie reichen nicht. Wir brauchen revolutionäre Umwälzungen, was nur mit harten Kämpfen geht. Viele Revolutionäre erleben heute Repressionen, sind in Gefängnissen. Davon lassen wir uns nicht abschrecken.“ Gleichzeitig hat bei dieser Zwischenkundgebung eine Gruppe von Frauen getanzt, sind Trupps ausgeschwärmt, um mit Passanten zu sprechen.
Diese bemerkenswerte Qualität von Kampfdemonstration hatte erwartungsgemäß noch keinen Massencharakter. Aber sie wird ihre Wirkung auf kommende Kämpfe nicht verfehlen und diese Qualität wird auch eine neue Quantität hervorbringen. Bei der Zwischenkundgebung haben sich bereits ganze Cliquen von Jugendlichen voller Begeisterung angeschlossen und eine junge Frau am Mikrofon sagte: „Macht weiter so!“