Dokumentiert von ANF
Besuchsverbot für Familien von QSD-Mitgliedern
Laut der kurdischen Nachrichtenagentur ANF berichten Familien von gefangenen QSD-Mitgliedern¹, ihnen werde der Kontakt verweigert. In Aleppo seien sie bedroht worden. Zudem gibt es Hinweise auf geheime Haftorte und zahlreiche weiterhin Verschwundene.
Familienangehörige von verschleppten Kämpfer:innen der Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) werfen der syrischen Übergangsregierung vor, ihnen den Kontakt zu ihren Angehörigen zu verweigern und sie gezielt einzuschüchtern. Nach ihren Angaben wurden sie in Aleppo von Sicherheitskräften bedroht, als sie versuchten, Informationen über den Verbleib ihrer Kinder zu erhalten.
Die Familien erklärten, sie seien nach Aleppo gereist und hätten sich an Einrichtungen der staatlichen Behörde für innere Sicherheit gewandt, um Besuchsrechte wahrzunehmen. Die Einrichtung hätte dies jedoch verweigert. Stattdessen seien die Familien gewarnt worden: „Wenn ihr euch nicht zerstreut, werdet ihr gewaltsam auseinandergetrieben.“ Darüber hinaus berichten Angehörige, dass einige Familien nur durch Bestechungszahlungen Informationen über die Haftorte ihrer Kinder erhalten konnten.
Nach Angaben der Familien werden einige Geiseln in Einrichtungen des militärischen und politischen Sicherheitsdienstes festgehalten, darunter an der Basil-Kreuzung sowie im Stadtteil Sulaymaniyah im Stadtkern von Aleppo. Zudem gebe es Hinweise auf geheime Haftorte. So soll sich zwischen der Rahman-Moschee und dem Jugendstadion in Aleppo ein Gebäude befinden, in dessen Keller ein inoffizielles Gefängnis eingerichtet worden sei. Weitere verdeckte Haftzentren sollen ebenfalls existieren.
Auch aus einem Gebiet nördlich des kurdisch geprägten Stadtteils Şêxmeqsûd wurden den Familien zufolge Standorte von Haftstätten gemeldet. Darüber hinaus sollen sich sowohl zivile als auch militärische Gefangene in Haftanstalten in Minbic, Homs und Raqqa befinden, darunter im Al-Aqtan-Gefängnis. Im Zuge der Offensive der syrischen Übergangsregierung gegen die Selbstverwaltung im Januar sollen bis zu 4.000 Menschen, darunter Kämpfer:innen und Zivilist:innen, verschleppt worden sein. Nach Angaben der Autonomiebehörden wurden bislang lediglich rund 800 von ihnen wieder freigelassen. ...