Brief von Antonius Michelmann

Brief von Antonius Michelmann

Berichterstattung zu Eva und Ahmed – Leserbriefe können helfen

Den folgenden Brief schrieb Dr. Antonius Michelmann, der Bruder der in Syrien inhaftierten deutschen Journalistin Eva Maria Michelmann, an die Redaktion. Wir dokumentieren ihn gerne:

Berichterstattung zu Eva und Ahmed – Leserbriefe können helfen
Eva Maria Michelmann und Ahmet Polad (foto: Peoples Bridge / ANF)

... Herzlichen Dank, dass ihr die Pressemitteilung unserer Anwälte aus der Kanzlei „Meister und Partner“ abgedruckt habt. Mit dieser lässt sich gründlich nachvollziehen und überprüfen, wie die Verschleppung der beiden Journalisten Ahmed und Eva abgelaufen ist und wie diese aufgeklärt wurde. In regelrechter Detektivarbeit waren beteiligte Zeugen ermittelt und die verantwortlichen militärischen Gruppen und Personen, der Aufenthaltsort der Verschleppten und ihr Überleben aufgeklärt worden. Das syrische Regime leugnete seine Taten und die Kenntnis von ihrem Verbleib die ganze Zeit über. Sogar noch nachdem das Auswärtige Amt am 23. April bereits Kontakt zu Eva aufgenommen hatte, blieb es dieser Linie treu.

 

Seit dem 30. April ändert das syrische Regime nun die Taktik. Das syrische Informationsministerium startete eine Desinformations- und Kriminalisierungskampagne mit teils absurden Lügen und einigen Halbwahrheiten. Das überrascht natürlich nicht.

 

Leider aber wirkt diese jetzt auf einige Medien und Journalisten – aus welchen Gründen auch immer. Teile dieser Desinformation werden unkritisch und scheinbar „neutral“ in mehreren Berichten zitiert und indirekt wiedergegeben. Teilweise stehen sie in ein und demselben Artikel unkommentiert neben den tatsächlichen Geschehnissen, ohne dass sie richtig entlarvt würden.


Als sei das Regime im Fall von Eva und Ahmed nicht längst der Lüge überführt, als sei die Wahrheit nicht eindeutig feststellbar.


Damit unterstützen solche Artikel meiner Meinung nach, ob gewollt oder ungewollt, die Rechtfertigung, Verharmlosung, Kriminalisierung und Desinformation der syrischen Übergangsregierung. So tragen sie indirekt zu einer Verzögerung der Befreiung der Verschleppten bei.

 

Daher denke ich, dass es eine gute Sache wäre, freundliche, sachkundige und überzeugende Leserbriefe zu schreiben. Mit einigen der Journalistinnen und Journalisten hatte ich persönlichen Kontakt; sie waren wohlwollend und hilfsbereit. Einige werden sich sicher überzeugen lassen, dass Behauptungen von faschistischen Regimes auf Herz und Nieren geprüft, differenziert widerlegt und nicht sorglos abgedruckt werden dürfen. Vielleicht hat jemand Zeit, zu helfen?

 

Hier gibt es die wichtigsten Informationen, anschaulich aufgearbeitet von Roland Meister und Partnern.