Schulstreiks
Am 8. Mai schallte es durch die Straßen: Die Reichen wollen Krieg, die Jugend eine Zukunft!
Hervorragend, dass die jugendlichen Initiatoren den 8. Mai, an dem vor 81 Jahren der Zweite Weltkrieg zu Ende ging, bewusst für die Schulstreiks gegen eine neue Wehrpflicht gewählt haben. Es ist sehr wichtig, dass Bündnisse der antimilitaristischen Jugend entstehen. Viele Jugendliche sind bei diesen Schulstreiks zum ersten Mal politisch aktiv.
Zwei Weltkriege gingen von deutschem Boden aus, die Europa in Schutt und Asche gelegt haben. Weltweit forderten sie fast 100 Millionen Todesopfer. Die Schulstreiks am 8. Mai gegen eine neue Wehrpflicht stehen in dem Auftrag, dass von deutschem Boden nie wieder ein Krieg ausgehen darf. Dagegen sieht die von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) kürzlich vorgelegte Militärstrategie vor, aus der Bundeswehr die größte und schlagkräftigste Armee Europas zu machen. Bis 2035 soll die Zahl der aktiven Soldatinnen und Soldaten auf 260.000, die Zahl der Reservisten auf 200.000 steigen. Das geht nicht ohne Wehrpflicht.
Reservisten sollen auch noch mit 70 eingesetzt werden können. Die Jugend, die gegen eine neue Wehrpflicht kämpft, kämpft also auch für die Alten. Wer heute 60 ist, kann in zehn Jahren noch als Bundeswehrreservist zum Kampfeinsatz befohlen werden. Die gigantische Aufrüstung, für die die Bundesregierung ein Sondervermögen nach dem anderen einsetzt, ist Bestandteil der Weltkriegsvorbereitung. Fast alle Imperialisten betreiben sie - auch Deutschland. Schon jetzt ist klar: Freiwillig bleibt der Wehrdienst nur so lange, wie es genügend Freiwillige gibt. Das dämpft die Freiwilligkeit auch unter den Teilen der Jugend, die eine Wehrpflicht bisher nicht ablehnen. Bereits jetzt werden ca. ein Drittel der Fragebögen, die die Bundeswehr verschickt, nicht ausgefüllt zurückgeschickt.
In den meisten Großstädten und in vielen kleineren Orten demonstrierten am Freitag Tausende unter dem Slogan "Die Reichen wollen Krieg, die Jugend eine Zukunft!" Insgesamt zählte die Bewegung „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ wie im März ca. 50.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer - in Berlin und in Köln, in München, Hamburg, Köln und Leipzig, in Magdeburg, Münster, Dortmund und Freiburg, in Potsdam, Quedlinburg, in Frankfurt am Main, in Nürnberg, Ingolstadt und Regensburg ... Der Streiktag wurde beschlossen von der zweiten bundesweiten Schulstreikkonferenz, die am 18./19. April in Göttingen stattfand. Im Aufruf heißt es: „Wir sagen nein zu Euren Kriegen für Neuverteilung von Macht, Einflusssphären, und mehr Profit. Die Karten werden neu gemischt. Ein Dritter Weltkrieg wird offensiv vorbereitet."
Der Jugendverband REBELL rief zum Streiktag auf und beteiligte sich aktiv: "Heute ist es nötiger denn je, dass wir uns über Ländergrenzen hinweg für Frieden und Freiheit zusammenschließen. Weltweit sind Arbeiter Vorbild, die Waffentransporte blockieren oder Streiks gegen Kriegswirtschaft organisieren. Es braucht Organisation, Klarheit und gemeinsam koordinierte Kämpfe. ... Die Menschheit muss und will nicht in Barbarei und Weltkrieg untergehen. Unsere Zukunft kann deshalb nur eine sozialistische Gesellschaft sein." Der Bayerische Rundfunk und Verfassungsschutz hetzen antikommunistisch gegen SDAJ, REBELL und andere junge Kommunisten: "Mobil machen dabei auch Gruppierungen aus dem linksextremen Spektrum." Die wüssten, wie man eine disziplinierte Demo organisiert. Bloß - was soll daran schlecht oder "extrem" sein, wenn man weiß, wie man eine disziplinierte Demo organisiert?
Nicht nur kurdische und palästinensische Fahnen lenken den Blick darauf, dass Befreiungskriege gegen Faschisten, Besatzung und Völkermord mit dem Ziel von Freiheit gerechte Kriege sind. Deshalb ist die pazifistische revisonistische Losung "Nie wieder Krieg" nicht geeignet.
Aus Köln und Münster haben wir schon Berichte und Korrespondenzen veröffentlicht. Hier aus weiteren Städten (Auszüge):
Karlsruhe: 250 überwiegend Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren demonstrierten beim Schulstreik in Karlsruhe unter dem Motto: "Nie wieder Wehrpflicht! Nie wieder Krieg!". Ein Teil ist extra aus Pforzheim angereist. Die Reden verbanden den Schulstreik bewusst mit dem 8. Mai, dem Tag des Siegs über den Hitler-Faschismus, und zogen damit eine Verbindung zwischen Faschismus und Krieg. Im Mittelpunkt standen der Protest gegen die Wehrpflicht und die Aufrüstung. Zwischen der Kundgebung und der Demonstration spielte die Band Makalu. Zu sehen waren viele selbstgemalte Schilder und Fahnen von Organisationen wie SDAJ, OAT, OTKM, Rebell, antifaschistische Aktion, Linksjugend solid, Die Linke, dfg-vk, sowie Fahnen mit Hammer und Sichel, rote Fahnen und Landesfahnen aus Palästina, Kurdistan und Cuba. Es gab einzelne Repressionen an Schulen, wenn Durchsagen zur Werbung verboten wurden und Eltern untersagt wurde ihre Kinder vom Unterricht zu entschuldigen. Andere Schulen behinderten die Teilnahme nicht.
Düsseldorf: Das war eine der meistgerufenen Parolen bei der Düsseldorfer Schulstreik-Demo. Darüber hinaus: "Jugend - Zukunft - Sozialismus!" "Wehrpflicht - Nein!", "Kein Mensch und keinen Cent der Bundeswehr!", "Solidarität muss praktisch werden, Feuer und Flamme den Musterungsbehörden!" Letzteres wurde noch weiteren gewünscht: Der Bundeswehr, der Rüstungsindustrie. Durch die vielen Parolen war die Demo sehr kämpferisch. Viele Passanten und Autofahrer gaben Beifall oder Daumen hoch.
Mit etwas über 100 war die Teilnehmerzahl noch ausbaufähig. Einige reihten sich unterwegs noch ein. Die Schulen hatten die Teilnahme untersagt. Es wurde berichtet, dass einzelne Schüler zum persönlichen Gespräch aufs Rektorat mussten."
Ravensburg: Laut, selbstbewusst, optimistisch: Am Freitag versammelten sich bis zu 130 Menschen am Ravensburger Gespinstmarkt. Das waren etwas mehr als beim letzten Aktionstag, darunter aber vor allem deutlich mehr Schülerinnen und Schüler. Mit Parolen wie „Nie nie nie wieder Wehrpflicht" und „Hoch die internationale Solidarität" machten sie unübersehbar klar, dass sie nicht in einem Krieg verheizt werden wollen. Es folgten vielfältige Redebeiträge gegen den „Veteranentag" (Pax Christi), zur Aufdeckung der Kriegsvorbereitung im Gesundheitswesen (PUK Ravensburg), Grußworte der Linksjugend und der Grünen Jugend, sowie ein Beitrag des REBELL. Dieser ging auf die imperialistischen Hintergründe der Weltkriegsgefahr ein und sprach sich dafür aus, den Tag für die Diskussion um eine gesellschaftliche Perspektive des Sozialismus zu nutzen. Das traf ins Schwarze und erhielt Rückmeldungen, wie „geile Rede, Bro!" (eine Gruppe Jungs) und „Note 1, versetzt" (ein ehemaliger Geschichtslehrer).
Kommt und diskutiert mit! Am Samstag, 23. Mai 2026, um 17 Uhr, beim 22. Internationalen Pfingstjugendtreffen in Gelsenkirchen im Revierpark Nienhausen.
Es sind noch Plätze auf dem Podium frei. Du bist bei den Schulstreiks gegen die Wehrpflicht aktiv, deine Organisation oder Initiative betreibt Aufklärung über die Ziele der Bundeswehr, organisiert den Widerstand gegen den Besuch von Offizieren in den Schulen, du bist aktiv in der Gewerkschaftsjugend gegen Aufrüstung … – dann bist du bei unserer Podiumsveranstaltung genau richtig? Wer Interesse hat, meldet sich bitte unter info@inter-buendnis.de
Wir freuen uns auch über viele engagierte Redebeiträge aus dem Publikum.