Porsche
Torgespräche im Ringen um die Perspektive
Die Mitteilung des neuen Chefs bei Porsche, Michael Leiters, dieses Jahr gebe es keine Prämie, stieß bei den Kollegen am 24. April auf breite Ablehnung:
„Wir haben die ganze letzte Zeit Überstunden gemacht, in der Spätschicht jeweils eine Stunde länger, in der Frühschicht meistens noch Samstagsarbeit, und jetzt das? Soll das der Dank sein?“ „Wer weiß, ob die im Juli uns nicht auch noch die festgelegte Tariferhöhung streichen wollen!“ „Alle sind sauer. Bin froh, wenn ich bald aus dieser Mühle raus bin. Das ist nicht mehr mein Ding! Aber mein Jonger ist noch im Betrieb. Die Zukunft der Jugend wird verbaut! Die Welt geht den Bach na. Alles voller Krisen. Aber was willst du machen?“ „Ja, die Aktionäre sahnen nach wie vor ab, vor allem die mit den Stammaktien, wie die Familie Porsche und Piëch!“ So unterhielten sich die Kollegen und Kolleginnen aufgeregt miteinander.
Manche nehmen gerne die neue MLPD-Broschüre „Neue Perspektiven gefragt“ mit dem „Vorschlag für ein Kampfprogramm der Arbeiterklasse“ mit. „Kommt gerade recht zur Betriebsversammlung am Montag!“
Ein anderer Kollege meint jedoch, man müsse eben 500 Arbeiter entlassen, um die restlichen Tausend zu erhalten. „Das ist eben der Kapitalismus, geht nicht anders!“ Dem wurde von vielen Beschäftigten widersprochen. „Doch solange wir nicht in der Mehrheit sind und jeder macht, was er will, haben wir keine Chance und können auch nicht streiken. Bin gespannt, was der Betriebsrat auf der Betriebsversammlung sagt und ob er sich über den Tisch ziehen lässt!“
Noch lange ging so die Auseinandersetzung vor und hinter dem Tor weiter. Trotz Schließtag für die Produktion wurden an diesem Tag 12,36 Euro gespendet und 46 Broschüren wurden mitgenommen. So gab es zahlreiche Gespräche und Bemerkungen vor dem Hintergrund, dass der Sportwagenbauer für das Geschäftsjahr 2025 für die mehr als 27 000 „Mitarbeiter“ in Deutschland keine Sonderzahlung geben will. Dagegen gab es 2023 noch 9 690,00 Euro pro Beschäftigtem - Befristete und Leiharbeiter und Beschäftigte in ausgelagerten Werksteilen ausgenommen!¹
Das Ergebnis nach Steuern brach angeblich um 91,4 Prozent ein; das operative Ergebnis sank angeblich um 92,7 Prozent. Auch die Vorstände müssen auf die Boni verzichten, die Armen! Es ist aber ein Klassenunterschied zwischen den Arbeitern und den Vorständen, deren Einkommen auch ohne Boni auf Millionenniveau liegt. Für uns Kollegen sind die Prämien aber Teil des Lohns und Teil des aus uns herausgepressten Mehrwerts. Jetzt soll auf unserem Rücken die mörderische Vernichtungsschlacht unter den Autobauern ausgetragen werden!
Wir sagen NEIN und gehen den Weg des Kampfes! Auf der Betriebsversammlung wie auf dem 1. Mai und danach!