1. Mai
Revolutionarismus auf dem Irrweg des "Tags der Arbeit"
In Essen wird aus dem Umfeld des „Kommunistischen Aufbaus“ mit einem Aufkleber zum „1. Mai – Tag der Arbeit“ aufgerufen.¹
Dieselben kleinbürgerlich-revolutionaristischen Organisationen, denen sonst kein revolutionäres Pathos zu dick aufgetragen sein kann, greifen hier zur harmlosesten aller bürgerlich-reformistischen Formulierungen.
„Tag der Arbeit“? Was als Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse geboren wurde, wurde 1919 in der Weimarer Republik zur gemütlichen Sonntagsveranstaltung umgetauft. Aus einem Tag des Klassenkampfes und der internationalen Arbeitersolidarität machte man einen Feiertag der „Würdigung von Arbeit“. Hier wird genau diese Verwässerung reproduziert.
Im Juli 1889 in Paris, auf dem Gründungskongress der sozialistischen Zweiten Internationale, beschlossen Arbeiterdelegierte aus aller Welt: Am 1. Mai 1890 soll weltweit demonstriert werden – nicht für „mehr Anerkennung der Arbeit“, sondern für den Acht-Stunden-Tag, für die Rechte der ausgebeuteten Klasse, zur Erinnerung an die Toten des Haymarket-Massakers in den USA 1886.
Friedrich Engels stellte fest, dass der 1. Mai zur „internationalen Tat der kämpfenden Arbeiterklasse“ geworden war. Kein „Tag der Arbeit“. Kein harmonisches Fest der Sozialpartnerschaft. Sondern ein Kampftag. Ein Tag, an dem die Arbeiterklasse ihre Macht auf die Straße trägt.
Und dann kamen die Führer der Sozialdemokraten in der Weimarer Nationalversammlung. Sie suchten den Schulterschluss mit Bürgertum und Kapital. Am 15. April 1919 erklärten sie den 1. Mai einmalig zum Feiertag – und tauften ihn bewusst um in „Tag der Arbeit“.
Aus der internationalen Arbeiterklasse wurde das abstrakte, klassenlose „die Arbeit“. Man feierte plötzlich nicht mehr den Kampf gegen die Ausbeutung, sondern die Arbeit an sich. Ein Meisterstück des Reformismus. Genau dieser reformistische Slogan wird hier übernommen. Auf dem Aufkleber wird die reformistische Passage mit dem Slogan „Unsere Alternative – Sozialismus“ verbunden. Das macht es aber nicht wirklich besser, denn es versöhnt nur scheinbar eine reformistische Parole mit dem sozialistischen Anspruch.
Wir werden natürlich an allen Punkten, wo das möglich ist, auch künftig mit dem „Kommunistischen Aufbau“ oder der Internationalen Jugend zusammenarbeiten und gemeinsam auf die Straße gehen.
Aber die Parole muss klar sein: Der 1. Mai ist kein Tag der Arbeit. Er ist der internationale Kampftag der Arbeiterklasse.!