Kapitalismus

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Ölkonzerne kassieren Rekordprofite – und das Krisenmanagement der Regierung hilft dabei

Während Millionen Haushalte mit explodierenden Energiekosten kämpfen und der Krieg im Mittleren Osten jederzeit wieder eskalieren kann, feiern die großen Öl- und Gaskonzerne ein neues Superjahr.

Korrespondenz

Laut Oxfam-Berechnungen vom 27. April werden allein sechs der weltgrößten Ölkonzerne (Chevron, Shell, BP, ConocoPhillips, Exxon und TotalEnergies) 2026 voraussichtlich 94 Milliarden US-Dollar Reingewinn aus fossilen Brennstoffen einstreichen. Das sind 2.967 Dollar pro Sekunde – fast 37 Millionen Dollar mehr pro Tag als 2025. Diese Summe könnte fast 50 Millionen Menschen in Afrika mit Solarenergie versorgen. Stattdessen fließen die Profite vor allem an Großaktionäre und Konzernbosse.

 

Oxfam spricht zu Recht von „Zufallsgewinnen fossiler Konzerne in der gegenwärtigen Krise“, die aus geopolitischen Konflikten, Instabilität und Klimazerstörung entstehen. Doch das Problem reicht tiefer: Die Konzerne setzen knallhart Monopolpreise durch. Steigt der Rohölpreis, explodieren die Spritpreise an den Zapfsäulen schneller und stärker, als sie bei fallenden Preisen sinken.

Die Regierung produziert ein Desaster nach dem anderen

Symptomatisch ist das Krisenmanagement der Bundesregierung. Selbst wenn sie vorgibt, etwas zugunsten der breiten Masse der Bevölkerung zu tun, verkehrt es sich ins Gegenteil.

 

Die seit 1. April geltende 12-Uhr-Regel sollte angeblich die Verbraucher schützen: Tankstellen dürfen Preise nur noch einmal täglich um 12 Uhr mittags erhöhen, Senkungen sind jederzeit möglich. Doch eine aktuelle Studie des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW Mannheim) und des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie (DICE) zeigt das genaue Gegenteil: In den ersten zwei Wochen nach Einführung lag die Gewinnmarge bei Superbenzin im Schnitt um sechs Cent pro Liter höher als zuvor.

 

Ähnlich katastrophal wirken die jüngsten Entlastungspakete: Temporäre Senkungen der Mineralölsteuer („Tankrabatt light“) sollen die Bürger entlasten – doch Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, dass ein großer Teil der Entlastung bei den Konzernen hängen bleibt, statt bei den Verbrauchern anzukommen.

 

Es braucht endlich echte Konsequenzen: eine drastische Erhöhung der Gewinnsteuern für Konzerne, eine Senkung der Massensteuern, einen kräftigen Lohnnachschlag sowie einen echten Inflationsausgleich bei Sozialleistungen. Und vor allem: Es ist höchste Zeit, dieses kapitalistische Ausbeutersystem revolutionär zu überwinden.