Armut
Niedrige Kaufkraft in großen Städten
Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln zeigt: Die reale Kaufkraft in Deutschland hängt nicht allein vom Einkommen ab, sondern entscheidend vom Preisniveau vor Ort – vor allem von den Wohnkosten.
Der IW-Kurzbericht Nr. 28/2026 vergleicht auf Ebene der Kreise und kreisfreien Städte das verfügbare Pro-Kopf-Einkommen mit regionalen Preisen.
An der absoluten Spitze steht die Stadt Heilbronn in Baden-Württemberg mit einer realen Kaufkraft von 39.424 Euro pro Kopf. Dahinter folgt der Landkreis Starnberg in Bayern mit 39.224 Euro. Weitere bayerische Landkreise wie Rhön-Grabfeld (Platz 3) oder Miesbach (Platz 5) landen ebenfalls weit vorn. Dort treffen noch relativ hohe Einkommen auf moderate oder unterdurchschnittliche Lebenshaltungskosten.
Die Studie macht deutlich: In vielen wirtschaftlich starken Großstädten bleibt von hohen Nominal-Einkommen oft wenig übrig. Hohe Mieten, Immobilienpreise und Lebenshaltungskosten zehren den Vorteil auf.
Beispiele: Stuttgart landet nur auf Platz 249, Hamburg auf Platz 331, Köln auf Platz 343, Frankfurt am Main auf Platz 358 und Berlin sogar nur auf Platz 383 (von 400). Für arbeitende Menschen in diesen Metropolen wird das Leben immer weniger bezahlbar.
Ganz hinten liegen Offenbach am Main (Hessen) mit nur etwa 21.430 Euro realer Kaufkraft pro Kopf, Gelsenkirchen (NRW) auf Platz 399, sowie Duisburg, Herne und ähnliche Ruhrgebietsstädte.
In diesen traditionellen Arbeiterstädten liegen die Einkommen weit unter dem Durchschnitt. Niedrigere Preise gleichen das nicht aus. Besonders betroffen sind Regionen, in denen industrielle Strukturen (z. B. Bergbau und Schwerindustrie oder wie im Fall Offenbach die Lederindustrie) weggebrochen sind. Die Studie zeigt damit auch, wie der seit Jahrzehnten versprochene "Strukturwandel" gescheitert ist.