Hagen
"Wir werden am 1. Mai offensiv im Gegenwind auftreten"
Am 1. Mai gibt es überall in Deutschland Demonstrationen und Kundgebungen, die vom DGB als Gemeinschaftsveranstaltungen organisiert werden. In den letzten Jahren hat sich dabei der Geist der überparteilichen Zusammenarbeit verbessert. Aber an verschiedenen Orten wird weiterhin versucht, die gleichberechtigte Teilnahme von kämpferischen Organisationen zu unterdrücken. In Hagen ist das besonders ausgeprägt:
Heute ist in der Westfalenpost/Hagen zum geplanten Stand von Courage auf der DGB-Kundgebung am 1. Mai zu lesen "Externe Gäste“ wie der Frauenverband Courage, den der DGB nahe der linksextremistischen MLPD verortet, seien ausdrücklich nicht willkommen.“ Und der Hagener DGB-Vorsitzende Adrian Joseph attackiert Courage und wird so zitiert: „Die wollen wir nicht.“ Was ist da los?
Seit über zehn Jahren war der Courage-Stand mit Infos, Kaffee und Kuchen beliebter Treffpunkt am 1. Mai. Nach Corona nimmt die Hagener DGB-Führung dem 1. Mai mehr und mehr seinen kämpferischen Charakter. Es gibt keine Demonstration mehr, keine Treffen mit allen interessierten Organisationen zur Vorbereitung der Stände. Die Verpflegung geht an kommerzielle Anbieter und die Migranten werden ausgebootet. Vor zwei Jahren begann der DGB, unseren Courage-Stand zu untersagen. Im letzten Jahr wurde mir persönlich dabei von der Polizei mit einem Strafverfahren gedroht. Denn wir haben unseren Stand immer erfolgreich durchgesetzt! Um das zu verhindern, greift man jetzt offenbar zu regelrecht rufschädigender Verleumdung.
Es kann wohl kaum der Kuchen sein, der den Hagener DGB-Funktionären nicht schmeckt?
Es dürfte eher das Profil unseres Verbands sein, das hier einigen Leuten nicht passt. In der aktuellen Situation werden immer mehr gesellschaftliche Krisenlasten auf die Frauen abgewälzt. In Hagen sind Frauen gezwungen, ihre Jobs aufzugeben, weil die Kinderbetreuung nicht klappt. Frauen sorgen sich um die Zukunftsperspektive ihrer Kinder mit all den Kriegen in der Welt, der sich entwickelnden Umweltkatastrophe. Unser Verband schließt Frauen an der ganzen Bandbreite dieser und weiterer Fragen zusammen. Wir sind besonders aktiv im Kampf gegen die faschistische Gefahr und unterstützen Flüchtlingsfrauen und -kinder. All das gehört gerade auch in die Gewerkschaften. Die Zusammenarbeit zwischen Frauen- und Arbeiterbewegung ist ein Trumpf unseres Verbands. Viele unserer Frauen sind aktive Gewerkschafterinnen. Und wir unterstützen den gewerkschaftlichen Zusammenschluss der Beschäftigten, gerade heute, wo sie von den modernen Faschisten angegriffen werden.
Das Oberverwaltungsgericht NRW hat 2018 geurteilt, dass Courage nicht als Vorfeldorganisation der MLPD bezeichnet werden darf. Was reitet den Hagener DGB, sich über dieses Urteil hinwegzusetzen?
Anscheinend passt einzelnen DGB-Funktionären in Hagen die überparteiliche Offenheit unseres Verbands nicht. Wir sind der Meinung, dass nur ein wirklich breiter Zusammenschluss der kämpferischen Frauenbewegung etwas erreichen kann. Da darf es keine antikommunistische Ausgrenzung geben. Es wirft natürlich die Frage nach dem Demokratieverständnis auf, sich über dieses Urteil hinwegzusetzen. Übrigens auch das Vorgehen, im heutigen Zeitungsartikel mit keiner Silbe auf den Standpunkt unseres Verbands zu den Vorgängen um den 1. Mai einzugehen. Immerhin liegt unsere Protesterklärung gegen das Standverbot der Redaktion seit mehreren Tagen der Redaktion vor. Wir freuen uns, in Hagen eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit der MLPD zu pflegen. Dazu gehören auch streitbare Auseinandersetzungen, z. B. darüber, was jeder unter Befreiung der Frau versteht.
Wie wird es nun am 1. Mai weitergehen?
Wir begehen diesen 1. Mai im Zeichen eines Erstarkens der kämpferischen Frauenbewegung – auch international. Nicht zuletzt mit den Massendemonstrationen am 8. März und gegen die Gewalt an Frauen. Also ist unser Stand am 1. Mai genau richtig. Wir freuen uns auf den 1. Mai und gehen davon aus, dass unser Stand wieder viel Zuspruch und Unterstützung erhält.