Faschisten mobilisieren bundesweit nach Essen
Großaufmarsch am 1. Mai geplant
Essen wird am 1. Mai zum Aufmarschort der faschistischen Szene: Faschistische Gruppen mobilisieren bundesweit zu einer Demonstration im Ruhrgebiet.
Während rund 500 Neonazis erwartet werden, formiert sich breiter Gegenprotest aus Gewerkschaften, antifaschistischen Bündnissen und zivilgesellschaftlichen Initiativen. Gleichzeitig wächst die Kritik an der Stadt Essen, weil zentrale Informationen zur Demonstration bislang unter Verschluss bleiben.
Die Partei "Die Heimat" betreibt seit 2012 ihre Landeszentrale im Essener Stadtteil Kray. Lange blieb es dort ruhig, doch seit 2025 verdichten sich die Aktivitäten der faschistischen Szene in Essen. Der Dortmunder Kreisverband der Partei "Die Rechte" schloss sich mit „Die Heimat“ zusammen. Damit bündeln zentrale Akteure der Szene ihre Kräfte.
Rechte Netzwerke wachsen seit der Pandemie
Bereits während der Corona-Pandemie gewannen rechte Gruppen in sozialen Netzwerken an Reichweite. In dieser Zeit entstanden neue Jugendstrukturen wie „Jung und Stark“ oder „Deutsche Jugend voran“. Diese Gruppen orientieren sich stark an klassischen Kameradschaften und treten zunehmend militant auf.
Die Partei „Die Heimat“ baute gezielt Verbindungen zu diesen Gruppen auf und band eine neue Generation rechter Aktivisten organisatorisch ein.
Gemeinsame Aufmärsche in Essen
Im März 2025 demonstrierten erstmals Faschisten von „Die Heimat“ und „Jung und Stark“ gemeinsam in der Essener Innenstadt. Dabei zeigte sich ein enges Netzwerk rund um Claus Cremer, Landesvorsitzender von "Die Heimat" sowie Sascha Krolzig, ehemals führender Kader von „Die Rechte“.
Seitdem wurden die Aktivitäten intensiviert. In der Essener Landeszentrale finden regelmäßig sogenannte „Offene Abende“ und Aufmärsche statt. An den monatlichen Aktionen beteiligten sich zuletzt zwischen 40 und 80 Faschisten aus ganz Nordrhein-Westfalen. Aus diesem Umfeld heraus kam es auch zu Angriffen auf politische Gegner.
Gegenprotest formiert sich
Parallel dazu wächst der Widerstand. Bündnisse wie Essen stellt sich quer und das Internationalistische Bündnis organisieren kontinuierlich Proteste gegen rechte Aktivitäten.
Die Stadt Essen untersagte zeitweise Treffen in der Landeszentrale der Szene – diese Maßnahmen wurden jedoch wieder aufgehoben.
Bundesweite Mobilisierung zum 1. Mai
Im März erklärte Claus Cremer das Jahr 2026 zum „Kampfjahr“. Höhepunkt soll eine Demonstration am 1. Mai in Essen sein. Recherchen zeigen, dass bundesweit mobilisiert wird. Erwartet werden rund 500 Teilnehmer aus der faschistischen Szene.
Kritik an Stadt und Behörden
Die Informationspolitik der Stadt Essen sorgt für Kritik. Während andere Städte Details zu Demonstrationen veröffentlichen, bleiben in Essen zentrale Angaben wie Route und Motto bislang unklar.
Das Bündnis Essen stellt sich quer erhielt zwar eine Liste angemeldeter Versammlungen – doch der Eintrag zur Demonstration von „Die Heimat“ war weitgehend geschwärzt.
Auch die Initiative Omas gegen Rechts richtete einen offenen Brief an Oberbürgermeister Thomas Kufen und die Polizei – bislang ohne Antwort.
Tausende Menschen werden erwartet
Der Deutsche Gewerkschaftsbund startet am 1. Mai um 12 Uhr seine traditionelle Demonstration am Rüttenscheider Markt. Zahlreiche Teilnehmer werden sich anschließend den Gegenprotesten anschließen.
Die Polizei rechnet damit, dass insgesamt rund 4500 Menschen am 1. Mai in Essen auf die Straße gehen werden – sowohl bei der rechten Demonstration als auch bei den Gegenprotesten. Essen steht damit vor einem hochpolitischen 1. Mai: auf der einen Seite die bundesweite Mobilisierung der rechten Szene, auf der anderen ein breiter gesellschaftlicher antifaschistischer Widerstand.