Fehlt der Regierung an allen Ecken und Enden

Fehlt der Regierung an allen Ecken und Enden

Georg Makowski und das liebe Geld ...

Geht’s Euch nicht auch so? Sobald man den Fernseher anmacht, nur schlechte Nachrichten. Mit der Zeitung ist es nicht besser. Zu wenig Wohnungen, zu wenig Kindergartenplätze, zu wenig Facharbeiter, man könnte einfach so weiter machen.

Georg Makowski

Und vor allem fehlt der Regierung vorne und hinten Geld, für die Rente, für die Pflege, die Gesundheit, die Bildung, den Umweltschutz … Man kann dabei leicht depressiv werden. Zum Glück kann mir das nicht passieren, so wie meine Frau mich auf Trab hält.

 

Gestern, hab ich mal wieder Frühstücksfernsehen geguckt. Ich konnt’s kaum glauben. Da kommen Schlag auf Schlag nur positive Meldungen. So ist die Zahl der Milliardäre in Deutschland letztes Jahr um ein Drittel gestiegen und wir belegen damit den vierten Platz weltweit! Und dann steht ja die Auszahlung der jährlichen Dividenden an. Kriegen die ganzen Aktionäre doch tatsächlich die Rekordsumme von über 55 Milliarden Euro ausgezahlt. Ich bin richtig erleichtert, hab schon langsam das ganze Gejammer von wegen der Wirtschaft geht es schlecht, geglaubt. Froh bin ich auch, dass Mercedes und VW dabei sind, von denen hört man doch sonst viel Schlechtes.

 

Auch BP kann sich über eine Verdoppelung seines Quartalgewinns auf 3,2 Milliarden Dollars freuen. Die können sich bei unsrer Regierung bedanken. Die hat ja beschlossen, dass die Tanken nur noch einmal im Tag ihre Preise erhöhen können. Haben die auch weidlich ausgenutzt. Seitdem ist der Sprit um 6 Cent teurer geworden. Zum Glück fahr ich nicht mehr Auto. Aber der Klingbeil, der in der Regierung sich um die Finanzen kümmert, macht bei den hohen Spritpreisen auch ordentlich Schotter.

 

Dann stolper ich noch über nen Rekord. Während man sich schon fast an die täglichen Meldungen von Pleiten gewöhnt hat, freut man sich doch, wenn ein Wirtschaftsverband was Positives zu vermelden hat. Der Verband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie kann sich vor Zulauf kaum retten. 550 Unternehmen sind jetzt schon im Verband. Das sind ja auch Arbeitsplätze, denk’ ich. Besser als gar nichts.

 

Auch weltweit haben die Militärausgaben das elfte Jahr in Folge alle Rekorde gebrochen – warte mal – auf die unvorstellbare Summe von 2,5 Billionen Euro. Ich brauch ne Weile, bis ich’s raus hab – eine Zahl mit 12 Nullen. Ich bin richtig erleichtert, wenn man all die positiven Meldungen zusammen nimmt, scheint doch genug Geld da zu sein!

 

Als meine Frau kommt, erzähl ich ihr gleich, was ich mir für Gedanken gemacht hab’. Dass die sich nicht hingehauen hat, war alles. „Sag mal, haste nicht mehr alle? Wie kannste nur die Dividenden, die Milliardäre, den Raubgewinn der Ölkonzerne und dann noch – ich glaub es nicht - die Rüstungsausgaben als was Positives ansehen?“ „Na ein bisschen mulmiges Gefühl hatte ich schon bei den Militärausgaben,“ geb’ ich kleinlaut zu. „Ist Dir nicht mal der Gedanke gekommen, dass zwischen dem, was Du als ‚schlechte Nachricht‘ bezeichnet hast, und dem, was deiner Meinung nach positiv ist, ein Zusammenhang besteht? Dass die wenigen so reich sind, weil eine Masse so arm ist? Und dass Waffen produziert werden, um damit Kriege zu führen für eben solche Milliardäre und Börsenspekulanten?“

 

Wusch, jetzt hat se mir mal wieder ordentlich was zum Grübeln gegeben. „Hier, tu Dir mal was Gutes, um das Wirrwarr in deinem Kopf zu entwirren. Die neue Rote Fahne behandelt genau dein Thema.“ Obwohl ich lieber fernseh’, nehm ich mir die Zeitung vor die Brust. Mal seh’n, ob se wieder Recht hat, meine Frau.