Indien

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Der faschistische Staatsterror und die offene existenzielle Krise der CPI (Maoist)

Die indische Regierung unter Narendra Modi und Innenminister Amit Shah feiert im Frühjahr 2026 ihren scheinbaren „Sieg“: Das Ziel eines „Naxaliten-freien Indien“ bis 31. März 2026 sei weitgehend erreicht.

Von pw

Die Führung der Kommunistischen Partei Indiens (Maoist) sei weitgehend zerschlagen, die People’s Liberation Guerrilla Army (PLGA) praktisch aufgelöst. Hunderte Kämpfer hätten kapituliert, ganze Einheiten sind zerschlagen. Das ist das Ergebnis einer Doppelstrategie aus faschistischem Staatsterror und Einsatz des Systems der kleinbürgerlichen Denkweise.

Faschistischer Staatsterror: Operation Kagaar   

Die MLPD und die ICOR verurteilen schärfsten die faschistische Repression der Modi-Regierung. Am 21. Mai 2025 wurde Generalsekretär Nambala Keshav Rao (Basavaraj) zusammen mit Dutzenden Kämpferinnen und Kämpfern in den Wäldern von Abujhmad (Chhattisgarh) getötet. Es folgten Hunderte extralegale Hinrichtungen, Massenverhaftungen und eine Kapitulationswelle. Über 700 Maoisten wurden getötet, mehr als 4800 haben sich ergeben. Maoist ist gespalten, unter anderem zwischen Fraktionen um Sonu für Einstellung des bewaffneten Kampfes und Devuji für seine Fortsetzung.

 

Diese Operation Kagaar ist reiner Staatesterrorismus im Interesse der imperialistischen und neuimperialistischen Monopole (Reliance/Ambani, Tata, Adani u. a.), die Adivasi-Ureinwohner-Land rauben und Rohstoffe plündern. Er richtet sich auch gegen den aktiven Widerstand der Adivasi–Ureinwohner in den ausgedehnten Urwaldgebieten Indiens, der sich insbesondere auch gegen Bergbaukonzerne richtet. Sie zerstören die natürliche Lebensgrundlage von Millionen Menschen.

 

Die revolutionäre Weltorganisation ICOR erklärt dazu klar: „Als ICOR verurteilen wir die Kagaar-Operation und alle während dieser Operation verübten staatlichen Massaker auf das Schärfste.“ (https://www.rf-news.de/2025/kw23/icor00480_de_ver-04-00_erklaerung-gegen-operation-kagaar.pdf).

Zuckerbrot und Peitsche

Neben Mord und militärischer Hochtechnologie setzt der Staat auf die „Surrender-cum-Rehabilitation-Policy“: hohe Geldprämien, Jobs, Straffreiheit und oberflächliche „Entwicklungsprojekte“. Das spaltet die Bewegung, lockt Kader und stellt den imperialistischen Staat als „Wohltäter“ dar. Moderne psychologische Kriegsführung.

Das Scheitern der Volkskriegsstrategie unter heutigen Bedingungen

Die MLPD ist solidarisch mit den Opfern der Repression, verurteilt den faschistischen Staatsterror und fordert die sofortige Beendigung der Operation Kagaar.

 

Die dramatische Lage zeigt zugleich: Die CPI (Maoist) steckt in einer offenen existentiellen Krise. Ihre Strategie des langwierigen Volkskriegs unter heutigen Bedingungen ist gescheitert. Sie folgte auch aus dem dogmatischen Standpunkt, dass Indien immer noch ein halbfeudales und halbkoloniales Land sei.

 

In einem neuimperialistischen Land wie Indien mit starker Armee, moderner Technologie und einem riesigen Industrieproletariat ist eine Strategie mit ländlichen Stützpunkten und einem Guerillakrieg, der vom Land die Städte erobern will, nicht mehr tragfähig. Die einseitige Konzentration auf den bewaffneten Kampf in den Wäldern bei Vernachlässigung der systematischen Arbeit unter der Mehrheit des Proletariats in den Städten und Industriegebieten führte den Kampf in die Isolation.

 

In Indien hat die Revolution heute objektiv einen proletarischen Charakter. Die indische Revolution kann heute nicht mehr nur direkt gegen das ausländische internationale Finanzkapital gerichtet sein, das im Land operiert, sondern muss auch direkt gegen die nationale Monopolbourgeoisie und die Überreste feudalen und semi-feudalen Großgrundbesitzes gerichtet sein.

 

Notwendig ist der Aufbau einer breiten, proletarisch geführten Front, die sich mit den Millionenmassen der kleinen und mittleren Bauern und den kleinbürgerlichen Zwischenschichten in den Städten verbindet, gegen Faschismus und Imperialismus und mit sozialistischer Perspektive.

 


Links zum Thema


Stefan Engel: „Über die Herausbildung der neuimperialistischen Länder“ (Broschüre 2017)


„Ist Indien ein neuimperialistisches Land?“