Die sozialistische Jugendbewegung wächst unübersehbar

Die sozialistische Jugendbewegung wächst unübersehbar

1. Mai in Essen: Großer Erfolg der Einheit von Arbeiter- und antifaschistischer Bewegung

Die DGB-Demo war dieses Jahr mindestens doppelt so groß wie zuletzt. Dazu trug auch der Aufruf zur Beteiligung von Essen-stellt-sich-quer (ESSQ) und anderer antifaschistischer Gruppen bei. Viele Jugendliche und Gewerkschafter fühlten sich durch die Provokation der Faschisten und die Situation insgesamt herausgefordert.

MLPD Essen/Mülheim
1. Mai in Essen: Großer Erfolg der Einheit von Arbeiter- und antifaschistischer Bewegung
(rf-foto)

Etwa 4000 Menschen bildeten eine lebendige, kämpferische Demo. Das Internationalistische Bündnis begrüßte die Demonstrantinnen und Demonstranten mit einer Auftaktkundgebung und reihte sich mit einem offenen Block ein. Mitglieder der MLPD, von REBELL und Rotfüchsen, von Courage und der Umweltgewerkschaft sowie Essen steht AUF sammelten sich unter dem schönen Transparent.

 

Am Hauptbahnhof stießen ungefähr 1000 weitere Antifaschistinnen und Antifaschisten dazu. Dann teilte sich die Demo: Ein Teil ging zur DGB-Kundgebung, der größere Teil zur antifaschistischen Kundgebung gegenüber dem Hirschlandplatz. Hier versammelten sich die Faschisten der „Heimat“. Ausgerechnet auf einem Platz, der nach einer von den Hitlerfaschisten verfolgten jüdischen Familie benannt ist!

 

Insgesamt waren geschätzt 6000 bis 8000 Antifaschisten in der gesamten Innenstadt unterwegs. Von Jung bis Alt, aber vor allem ganz viele jugendliche Antifaschistinnen und Antifaschisten, die eine gesellschaftliche Perspektive suchen und offen sind für die Diskussion um den Sozialismus.

 

500 Neonazis wollte die Heimat bundesweit mobilisieren - gerade mal 100 bis 200 kamen zusammen. Eine klare Pleite für die Faschisten! Ihre Gefahr geht jedoch weniger von der Anzahl ihrer Anhänger aus, als von ihrer Gewalt und ihrer Demagogie. So bezeichnen sich die „Jungen Nationalisten“ als „rebellierende Jugend“. Rednerinnen und Redner forderten einen „deutschen Sozialismus“. Dagegen wurde klar gemacht: Die rebellierende Jugend und die Sozialisten stehen auf der anderen, der richtigen Seite! Von allen Seiten wurden die Faschisten regelrecht eingekesselt. Sie konnten ihr Programm nur durchziehen, weil die Polizei es mit einem Großaufgebot ermöglichte. Es ist ein Skandal, das dieser Faschistenaufmarsch nicht verboten wurde!

 

Das Internationalistische Bündnis begrüßte Mitstreiter aus Gelsenkirchen, Bochum und Velbert. Es machte ein anziehendes Programm mit Offenem Mikro, Reden, Parolen und Musik. Dabei wurden Argumente entwickelt, Zusammenhänge zur Weltkriegsvorbereitung hergestellt und über die Perspektive des Sozialismus gesprochen, die Rassismus und Faschismus den Boden entzieht. Ebenso zum Generalangriff auf die sozialen Errungenschaften der Arbeiter und der breiten Massen. Auch viele Demo-Schilder attackierten Kanzler Merz.

 

Das Internationalistische Bündnis zog dann zum Kennedyplatz, wo es eine eigene Kundgebung gegen die Faschisten angemeldet hatte. Unterwegs gab es viel Applaus von Passanten und aus den Cafés. Dann stellte sich heraus, dass die Polizei den exakt gleichen Platz zweimal bestätigt hatte, nämlich ebenso für eine weitere Kundgebung von ESSQ, die stark von den Grünen getragen wurde. Da eine gemeinsame Kundgebung von ihnen abgelehnt wurde, fanden beide Aktivitäten mit etwas Abstand und unter gegenseitiger Rücksichtnahme statt.

 

Die Ankunft der Faschisten auf dem Kennedyplatz verzögerte sich dann um Stunden, weil die Polizei anreisende Faschisten aus Dortmund aufhielt. Währenddessen war die Kundgebung des Internationalistischen Bündnisses mittendrin ein toller Anziehungspunkt, informierte die Leute und hielt die Stimmung hoch. Viele zogen sich in den Schatten der umliegenden Bäume und Cafés zurück, hörten interessiert die Redebeiträge und sangen die Lieder mit.

 

Der Gelsenkirchener Stadtverordnete Jan Specht (AUF) ging auf die Geschichte des 1. Mai und die Lehren daraus ein, ebenso ein Mitglied der VVN. Die Vorsitzende der MLPD Gabi Fechtner ordnete die Geschehnisse immer wieder politisch ein und entwickelte neue Argumente. Sie betonte die Bedeutung der Arbeiterklasse im Kampf gegen den Faschismus und berichtete, dass die MLPD ihren Einfluss bei den Betriebsratswahlen zuletzt deutlich ausbauen konnte, während die der AfD-zugerechneten Kräfte krachend gescheitert sind.

 

Der Jugendverband REBELL warb u.a. für das Internationale Pfingstjugendtreffen, das auf großes Interesse stieß. „Das man für den Sozialismus ist, war unter den Jugendlichen gar nicht die Frage, das war bei den meisten klar. Es ging vor allem darum, was man darunter versteht," berichtete eine Genossin aus den Gesprächen. Junge Antifaschistinnen sagten, warum sie teilnehmen. Auf Vorschlag der DIDF-Jugend wurde gemeinsam Halay getanzt. Grüße gingen raus insbesondere an der Arbeiter in der Türkei und den USA. Auch die Solidarität mit Palästina war vielen wichtig. Die Rotfüchse verkauften Mai-Nelken zur Stärkung ihrer Kasse. Ein ver.di-Gewerkschafter freute sich über die Einheit von Arbeitern und Antifaschisten.

 

Ein Alleinstellungsmerkmal des Internationalistischen Bündnisses ist, dass es die Aufklärung und die Überzeugungsarbeit gegen die faschistischen Einflüsse in der Bevölkerung in den Mittelpunkt stellt und organisiert. Das wird in der antifaschistischen Bewegung immer stärker aufgegriffen, wenn man sich die Entwicklung der großen Proteste gegen die AfD von Essen 2024 über Riesa bis Gießen 2025 anschaut. Einigen Leuten von ESSQ passt das offenbar nicht und sie versuchten zu Beginn am Hans-Toiussant-Platz aggressiv, das Offene Mikro zu unterbinden. Viele quittierten das mit unverständlichem Kopfschütteln. „Nur 'Nazis raus!' zu rufen, wird der Situation doch überhaupt nicht gerecht!“ meinte eine Teilnehmerin.

 

Es wurde deutlich, dass es hier nicht nur um die Formen des Protestes geht, sondern gerade auch kommunistische Inhalte rausgehalten werden sollen. Denn Vertreter von Grünen oder anderen bürgerlichen Parteien können immer sprechen. Das Internationalistische Bündnis ließ sich davon nicht provozieren und rang um die antifaschistische Einheit.

 

Alle berichteten von sehr vielen tiefgehenden Gesprächen an dem Tag. Oft endeten sie mit dem Austausch von Kontaktdaten. Mehrere Bücher, zahlreiche Exemplare des Rote-Fahne-Magazins und Broschüren wechselten den Besitzer. Der Literaturwagen der MLPD war dafür ein guter Blickfang.

 

Als die Faschisten dann irgendwann auftauchten, wurde es nochmal richtig groß und laut. Die Polizei hielt sie hunderte Meter auf Abstand und griff auch nicht ein, als sie AntifaschistInnen filmten und Pyrotechnik einsetzten.

 

Verspätet, aber mit strahlenden Gesichtern ging es am Abend zum Internationalen Maifest nach Mülheim. Nach einer Stärkung am Buffet hielt Gabi Fechtner eine spannende Rede. Die Lieder von wunderbaren türkischen Musikern bildeten einen würdigen Abschluss des Tages.