1. Mai Duisburg

1. Mai Duisburg

Kein bloßer Feiertag, sondern ein Kampftag - aber gegen ministerielles Weichspülen

Bereits am Vorabend des 1. Mai organisierten mehrere Jugendorganisationen ihre „revolutionäre Vormaikundgebung“ mit Kundgebung am Hauptbahnhof und Demonstrationszug nach Hochfeld. Der gemeinsame Tenor der Reden war, dass der Kapitalismus der Jugend keine Zukunft bietet und dass dies nur im Sozialismus möglich ist. Es gibt bei den Einzelnen aber auch sehr unterschiedliche Vorstellungen darüber, was darunter zu verstehen ist.

Korrespondenz
Kein bloßer Feiertag, sondern ein Kampftag - aber gegen ministerielles Weichspülen
Die Duisburger Gewerkschaftsjugend kämpferisch bei der DGB-Kundgebung (rf-foto)

Am 1. Mai selbst zogen über 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer vom Platz vor dem Harmborner Amtsgericht zum Landschaftspark, wo die Schlusskundgebung des DGB stattfand. Stilgerecht spielte die Band „Piraten des Südens“ das Steigerlied. Den Auftakt vor der Demonstration machte das Internationalistische Bündnis um 10 Uhr. Die Rheinhauser Band „Fresh game“ gab die musikalische Begleitung, u.a. mit dem antifaschistischen Partisanenlied „Bella Ciao“.


Der Stahlarbeiter Peter Römmele erinnerte an den 2. Mai 1933, als die Nazis das Gewerkschaftshaus stürmten und 5 Gewerkschafter ermordeten. Ihnen zum Gedenken haben Gewerkschafter eine Kranzniederlegung an ihrem Grab in Dinslaken angekündigt. In Beiträgen von elf Rednerinnen und Rednern wurden Faschismus, Krieg und Umweltkatastrophe angeprangert und die internationale Solidarität beschworen.


Jürgen Blumer, der Vorsitzende der MLPD Duisburg, betonte: „Die Menschen suchen nach einer Alternative – es ist Zeit, dass der Sozialismus an Ansehen gewinnt. Es muss Schluss sein mit dem Antikommunismus, der in Deutschland Staatsreligion ist. Der Aufbau des Sozialismus erfordert eine solidarische Denkweise – die sich uneigennützig einsetzt für die Interessen der Werktätigen, für die Einheit von Mensch und Natur, für internationale Solidarität und Zusammenarbeit. Das kommunistische Freiheitsideal ist der verkommenen Moral der Herrschenden tausendfach überlegen – stärken wir unseren Zusammenschluss, unsere Bewusstheit, unsere Organisiertheit, damit wir auch praktisch die überlegene Kraft werden.“

 

Diese kämpferische Auftaktstimmung wurde dann auf der DGB-Demo im Block des Internationalistischen Bündnisses fortgesetzt. Die Polizei holte später Sofia Willer, die Sprecherin von Young Struggle aus dem Block, sprach eine Anzeige aus und nahm ihre Personalien auf. Sie hätte angeblich gegen das Versammlungsgesetz verstoßen und im Zug am offenen Mikrofon eine vom Versammlungsleiter „nicht angemeldete Rede“ gehalten und damit eigenmächtig eine „unangemeldete Kundgebung“ durchgeführt. Dieser Affront ist so skandalös wie lächerlich. Sofia hat sofort die Solidaritätsbekundungen der Umstehenden erhalten.

 

Traditionell zog der Block vom Internationalistischen Bündnis mit den Klängen der „Internationale“ auf den Kundgebungsplatz im Landschaftspark ein. Im Unterschied zu vielen letzten Jahren wurde die MLPD mit ihrem Bücherwagen, Tisch und Fahne von der Security nicht behindert. „Wir waren unangefochten fester Bestandteil der Mai-Kundgebung“, so ein Mitglied der Kreisleitung der MLPD.

 

Die offizielle Hauptrednerin war die Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Bärbel Bas. Sie begann ihre Rede damit, dass der 1. Mai kein bloßer Feiertag, sondern ein Kampftag ist. Dann allerdings nannte sie als Kampfziele die Mitbestimmung und hielt eine Lobrede auf den sogenannten "Sozialstaat", den man verteidigen müsste durch eine „aktive Industriepolitik … mit Verlässlichkeit für Unternehmen und Beschäftigte“. Da war nix mehr von Kampf übrig. Ganz anders dann die kämpferische Rede eines Jugendvertreters von Thyssenkrupp-Steel, der Bärbel Bas an ihr Versprechen erinnerte, sich auch gegen Bundeskanzler Merz für die Interessen der Duisburger Werktätigen einzusetzen.