1. Mai Dortmund

1. Mai Dortmund

Vertiefte Kapitalismuskritik und Offenheit für Sozialismus

Der 1. Mai in Dortmund spiegelte wie in einem Brennglas wesentliche Seiten der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Entwicklung wider.

Korrespondenz

Der jährlich stattfindende 1.-Mai-Empfang im Rathaus endet am 29.4. mit einem Eklat. CDU-Oberbürgermeister Alexander Kalouti hatte von den Kolleginnen und Kollegen – frei nach Friedrich Merz – mehr Leistung gefordert. Außerdem begrüßte er jede Unterstützung seiner Arbeit, „ohne Rücksicht auf das Parteibuch“. Also auch von der AfD. Daraufhin verließen rund 80 Kolleginnen und Kollegen völlig zurecht aus Protest den Saal.

 

In Dortmund-Dorstfeld hatten am 1. Mai Faschisten 25 verbotene Flaggen an einem Haus aufgehängt. Beim Entfernen griff ein Faschist einen Polizisten an. Durch den Polizeieinsatz in Dorstfeld, verzögerte sich der Aufmarsch der Faschisten der „Heimat“ in Essen um Stunden.

 

Der DGB hatte dieses Jahr die Hauptkundgebung vor die Demo verlegt statt in den Westfalenpark. Ein Montagsdemonstrant stellte sich dabei die Frage: „Machen die das, damit wir unsere gemeinsame Auftaktkundgebung nicht mehr machen können?“ Die Änderung hatte zumindest die Folge, dass dieses Jahr mehr zur Demo gekommen sind als letztes Jahr. Die Polizei spricht von 3500. Hauptredner war der Grünen-Vorsitzende Felix Banaszak. Dagegen und auch auf der Kundgebung gab es Proteste, wie man den Vorsitzenden einer „Kriegstreiber“-Partei einladen könne. Banaszak mied deshalb auch das Thema Krieg.

 

Auffallend viele Jugendliche prägten die Demo, aber auch das Familienfest im Westfalenpark. Die Gewerkschaftsjugend führte mit gut 100 Jugendlichen die Demo an. Aber die Jugendlichen waren über die ganze Demo verteilt. Die Inhalte ihrer Forderungen und ihres kämpferischen Auftretens waren bezogen auf die Sorgen um ihre Zukunft, die Ablehnung der Militarisierung, eine meist grundsätzliche Kapitalismuskritik und bei einem großen Teil auch die Forderung nach dem Sozialismus.


Bei der Demo fielen vor allem die gut 100 Kolleginnen und Kollegen vom Handel in NRW auf, die mit selbstgemalten Schildern auf ihre Tarifrunde aufmerksam machten. Es waren zwar die meisten Gewerkschaften mit Fahnen vertreten, aber betriebliche Delegationen waren außer dem Handel kaum sichtbar! Insgesamt spielten auf der Demo neben den sozialen Fragen, vor allem Forderungen gegen die faschistische Gefahr, für Frieden und gegen den Kapitalismus eine große Rolle. Leider spiegelte sich die Überlagerung der Umweltfrage auch auf der Demo und in den Reden wider. In den Gesprächen konnte man hier allerdings weiterkommen.

 

Die Auswertung der Gespräche zeigte, dass sich die Kapitalismuskritik vertieft und grundsätzlicher wird. Damit wächst die Offenheit, sich über den Sozialismus auseinanderzusetzen. Dabei spitzt sich das auf die Frage zu: Wurde der Sozialismus verraten oder ist er gescheitert? Die Aufgeschlossenheit zeigte sich sowohl am Büchertisch als auch in einer Reihe von weiteren Kontaktwünschen.


Zur Maifeier von MLPD und REBELL im Westfalenpark kamen dieses Mal auch mehr Zuhörer. Sie wurde eingeleitet durch mehrere Lieder von Musikern von Group Yorum. Für das 22. Internationale Pfingstjugendtreffen konnte bereits eine Fußballmannschaft gewonnen werden. Bei der Veranstaltung wurde auch eine Protest- und Solidaritätserklärung an den DGB-Vorsitzenden in Hagen, Courage und MLPD wegen des Polizeieinsatzes vorgestellt und einstimmig verabschiedet.