Buckelwal in der Ostsee
Weckruf für Meeresschutz!
Seit Wochen findet die mehrfache Strandung eines Buckelwals und seine Rettungsversuche große mediale Aufmerksamkeit und internationale Anteilnahme. Die Rettung der Wale steht für viele Menschen für die Rettung der Weltmeere überhaupt.
Buckelwale sind faszinierende Säugetiere aufgrund ihres Gesangs und ihrer Lebhaftigkeit. Sie kommen oft in Küstennähe vor. Sie legen jedes Jahr tausende Kilometer zurück – vom eiskalten Nordatlantik in warme tropische Gewässer und wieder zurück. Dass sich der Wal einfach nur in die Ostsee verirrt hat, ist sehr unwahrscheinlich, eher spricht das für eine Erkrankung. Im Vergleich zu Rettungen im Atlantik und Pazifik sind die Bedingungen in der Ostsee höchst ungünstig. Die Ostsee ist flach, hat geringen Salzgehalt und ist für Wale voller Gefahren (Kriegsmunition, viele Schiffe). Weder gibt es durchdachte Rettungspläne, und wissenschaftlich befähigte Rettungsteams, noch ist es je gelungen, solch ein riesiges Tier Hunderte Kilometer zu transportieren.
Stoppt die Tierquälerei!
Nachdem der Wal endgültig in der Bucht von Poel gestrandet war, kamen Experten von Greenpeace und der Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation zum Entschluss: Jede weitere Rettungsaktion ist Tierquälerei! Unverantwortlich, dass sich Umweltminister Till Backhaus von Mecklenburg-Vorpommern durch den Druck von Bild und den Medienhype umdrehen ließ und Pläne der Multimillionäre Karin Walter-Momert und Walter Gunz duldet. Ihr „Tierschutzengagement“ muss schärfstens als Selbstinszenierung verurteilt werden, als wissenschaftlich unsinnig und eben nicht als Tierliebe, sondern als Tierquälerei. Auch wenn der Wal noch erstaunlich robust ist, ist er laut Fachleuten schwer krank, seine Haut ist stark in Mitleidenschaft gezogen und eine Fischerleine steckt in seinem Maul. Die Annäherung an solche Wildtiere durch Menschen ist für sie ein zusätzlicher Stressfaktor.
Walrettung von schwierig bis schier unmöglich
Jedes Jahr sterben rund 300.000 Wale weltweit nach Strandung. Liegt ein Wal am Ufer, sind die Überlebenschancen verschwindend gering. Obduktionen zeigen, dass die Tiere häufig krank und am Ende ihrer Kräfte waren. Einschläfern wäre die humanste Option, und das ist bei Fachleuten in der Atlantikregion auch eine durchaus gängige Praxis in Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Teams für eindeutig schwerkranke Tiere.¹ Lauren Brandkamp vom WDC-Strandungsteam für Meeressäuger in Nordamerika sagt, dass der Wal in der Ostsee stellvertretend für Hunderttausende Wale steht, die fernab der Öffentlichkeit still leiden. Mehr als die Hälfte der Buckelwale und über 85 Prozent der Glattwale verfangen sich mindestens einmal im Leben in Fanggeräten. Die Überlebenden haben oft Schmerzen, Infektionen und langwierige gesundheitliche Folgen zu ertragen. Will man sie schützen, dann müssen neue und alternative Fischfangmethoden dringend erprobt werden.²
Internationaler Protest beendet Walfang fast vollständig
Seit 200 Jahren wurden Wale kommerziell stark bejagt. Fast drei Millionen Großwale wurden allein im 20. Jahrhundert getötet und zahlreiche Walarten total dezimiert. Internationale Proteste sorgten für ein Verbot in den 1980er-Jahren, das aber noch löchrig ist. Japan, Norwegen und Island jagen Wale weiterhin, trotz des Moratoriums von 1986. Auf den Färöer-Inseln zwischen Schottland und Island werden jedes Jahr 800 Wale brutal abgeschlachtet.
Jedes Jahr sterben Millionen Seevögel, Schildkröten, Robben und Wale sowie unzählige Fische an Plastikmüll. Vermüllung und Vergiftung der Biosphäre vergiften alle Meerestiere mit Quecksilber, Cadmium, Arsen, PCB, Dioxinen und dem weltweit verbreiteten „Ewigkeitsgift“ PFAS. Öl tötet die Nahrungsgrundlage der Meeressäuger: Krill und kleine Fische. Schiffsverkehr, Schallkanonen der Ölindustrie und lärmender Tiefseebergbau stören die Kommunikation der Wale und zerstören ihre Orientierung. Gierige Fischtrawler der Fischereikonzerne ersticken Tausende Wale als „Beifang“ in Fischernetzen. Riesige Frachtschiffe töten jedes Jahr unzählige Wale bei Zusammenstößen. Wale halten die Meere im Gleichgewicht. Die Zukunft der Wale ist engstens verknüpft mit dem Schutz der Meere, mit dem Kampf gegen die Folgen der globalen Umweltkatastrophe, letztlich mit der Beseitigung ihrer Ursache, des kapitalistischen Profitsystems. Darüber muss mit allen diskutiert werden, die sich um „Timmy“ sorgen: Es geht um viel mehr als um einen Buckelwal!