Eva und Ahmed

Eva und Ahmed

Was seit dem 18. Januar geschah

Zur Erinnerung: Sie wurden zuletzt am 18. Januar 2026 in Raqqa/Syrien gesehen, wo sie vor marodierenden arabischen Stammesmilizen und aktiv gewordenen IS-Zellen Schutz in einem Jugendzentrum der ‚Demokratischen Selbstverwaltung Nord- und Ostsyrien‘ (DAANES, auch als Rojava bekannt) suchten.

Zeitgleich rückten Sicherheitskräfte und Einheiten der Armee der ‚Syrischen Übergangsregierung‘ (Syrian transitional government, STG) von Interimspräsident Ahmed al-Scharaa (islamisti-scher Kampfname: Abu Muhammad al-Dscholani) vor.

 

Am 18. Januar 2026 übernahmen diese die Kontrolle der Stadt Raqqa von DAANES und deren militärischem Arm ‚Syrisch Demokratische Kräfte‘ (SDF). Aufgrund des Zusammenbruchs der Kommunikation und andauernden Kämpfen fehlte zunächst jede Spur von ihnen, bis am 28. Februar 2026 bekannt wurde, dass sie in der Nacht vom 18. auf den 19. Januar 2026 von Kräften der STG verhaftet und weggebracht wurden. Familienangehörige beauftragten uns mit der anwaltschaftlichen Vertretung, wozu Kontakt zum Auswärtigen Amt und weiteren Stellen aufgenommen wurde. People‘s Bridge, die Initiative „Where are Eva and Ahmet“ sowie weitere Freund:innen der beiden Journalisten entwickelten eine intensive Solidaritätsarbeit.

 

Die 36-jährige Kölnerin Eva Maria Michelmann berichtete als freie Journalistin seit 2022 aus Rojava und veröffentlichte Artikel u.a. in der türkischsprachigen Nachrich-tenagentur „Etkin Haber Ajansı“ (ETHA). Ahmet Polat ist das Pseudonym des aus der Türkei stammenden kurdischen Journalisten Mehmet Nizam Aslan, der unter seinem Pseudonym u.a. für den Fernsehsender Özgür TV tätig war.

 

Am 6.4. 2026 wurde Kontakt zum Augenzeugen Casim Mihemmed hergestellt. Die-ser berichtete, dass er sich in einem Jugendzentrum im Stadtteil Seyf El Dewlî auf-hielt, als Eva Maria Michelmann und Ahmet Polat ins Gebäude kamen. (1) Als dieses von Kräften der syrischen Übergangsregierung angegriffen wurde, sei in Verhand-lungen erreicht worden, dass er und andere sich zum 5 km entfernten Al Aqtan-Gefängnis begeben konnten, das damals noch unter Kontrolle der SDF war. Auf Ver-anlassung des vor Ort anwesenden ranghohen Vertreters der syrischen Übergangsre-gierung Oberst Mohammed Abdul Ghani (2), Direktor für Innere Sicherheit der Re-gion Aleppo, seien Eva Maria Michelmann und Ahmet Polat abgesondert und in ei-nem Militärfahrzeug weggebracht worden. Seine Aussage wurde durch weitere Fak-ten bestätigt, die ebenfalls an das Auswärtige Amt gingen.

 

Am 30. Januar 2026 wurde ein umfassendes Waffenstillstandsabkommen zwischen DAANES/SDF und der STG geschlossen, welches auch einen Gefangenenaustausch beinhaltet, der inzwischen dreimal stattfand. (3)