Widerstand und Solidarität kennen keine Grenzen!
ATIK: Prosfygika ist nicht allein!
Das Viertel Prosfygika an der Alexandras-Allee im Zentrum von Athen steht unter dem Angriff von Staat und Kapital im Namen der sogenannten „Aufwertung“ (Gentrifizierung). Die Regionalverwaltung Attika hat unter Einsatz von EU-Geldern ein angebliches „Sanierungsprojekt“ im Umfang von 15 Millionen Euro gestartet – in Wirklichkeit ein umfassender Angriff auf das Viertel.
Ziel ist nicht die Renovierung der Gebäude, sondern die Vertreibung von über 400 Bewohner*innen, um das Gebiet in eine Profitzone für das Kapital zu verwandeln. Dass die Bewohner*innen in offiziellen Dokumenten als „laufende Hindernisse“ bezeichnet werden, zeigt deutlich: Es handelt sich um einen politischen Räumungsangriff gegen Geflüchtete, Arbeiter*innen und Aktivist*innen.
Gegen diese Angriffe hat die Prosfygika-Gemeinschaft Widerstand organisiert. Der Bewohner Aristotelis Chantzis begann am 5. Februar 2026 aus Protest gegen die Räumungspläne und staatlichen Erpressungen einen Hungerstreik. Heute, am 76. Tag seines Widerstands, verschlechtert sich sein Gesundheitszustand zunehmend. Dennoch hält er entschlossen an seinen Forderungen fest: Rücknahme des Projekts, Anerkennung des Rechts der Bewohner*innen, in ihren Häusern zu bleiben, und keine Strafverfolgung. Sein Protest ist nicht nur ein Kampf um Wohnraum, sondern die Verteidigung eines über Jahre aufgebauten kollektiven Lebens.
Prosfygika ist ein konkretes Beispiel für gemeinschaftliches Leben unter den Bedingungen des kapitalistischen Systems. Mit eigener Brotproduktion in der Berkin-Elvan-Bäckerei, einer Frauenversammlung gegen patriarchale Gewalt, einer Kinderstruktur für eine kollektive Zukunft und einer Gesundheitsstruktur für Unversicherte stellt dieses Viertel eine reale Alternative dar. Dass Prosfygika durch eigene Selbstverteidigung drogenkriminelle Strukturen aus dem Viertel verdrängt hat, zeigt die Fähigkeit der Bevölkerung zur Selbstorganisation – und macht es für die Herrschenden zur Zielscheibe.
Als Konföderation der Arbeiter*innen aus der Türkei in Europa (ATİK) stellen wir uns hinter diesen Widerstand im Herzen Athens. Der Angriff auf Prosfygika ist kein lokales Projekt, sondern Teil imperialistisch-kapitalistischer Politik, die Geflüchtete als „Hindernisse“ betrachtet und alternative Lebensformen kriminalisiert. Der Hungerstreik von Aristotelis Chantzis ist ein entschlossener Akt des Widerstands gegen diese Angriffe.
Wir sehen es als internationalistische Pflicht, diesen Kampf zu unterstützen. Der griechische Staat und die Regionalverwaltung Attika müssen das Projekt sofort stoppen, die „Null-Räumung“-Forderung der Bewohner*innen anerkennen und den Status des Viertels sichern. Für das Leben von Aristotelis und allen Widerständigen trägt die griechische Regierung die Verantwortung.
Als ATİK rufen wir alle demokratischen, antifaschistischen und fortschrittlichen Kräfte in Europa auf, diesen Widerstand international zu stärken und mit Aktionen sichtbar zu machen.
Hoch die internationale Solidarität!
Prosfygika ist nicht allein – der Widerstand wird siegen!
Die Forderungen von Aristotelis Chantzis müssen erfüllt werden!