Ukrainekrieg
Kriegslage: Neblig mit kaum Aussicht auf Besserung
Der Krieg in der Ukraine wird mit unverminderter Härte weitergeführt. Die Darstellung beider Seiten über den Kriegsverlauf driften derweil immer weiter auseinander.
Der Chef des russischen Generalstabt, Waleri Gerassimow, behauptet, in März und April 34 Orte und circa 700 Quadratkilometer Territorium erobert und damit die Eroberung des ukrainischen Oblasts Luhansk abgeschlossen zu haben (territorial identisch mit dem beanspruchten Gebiet der „Volksrepublik Lugansk“, deren Regierung sich im September 2022 der Russischen Föderation offiziell anschloss). Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha bezeichnete die Lage an der Front derweil als „die stärkste, oder die solideste“, und zwar seit zwölf Monaten. Der Behauptung, Luhansk sei vollständig erobert, widersprach die ukrainische Armee auf Telegram und veröffentlichte Videos, die in der Nähe des Dorfes Nowojegorowka aufgenommen worden sein sollen. Faktisch aber zeigen auch die aus der Ukraine veröffentlichten Karten, dass Luhansk zum überwiegenden Teil unter russischer Kontrolle ist – die Debatte um die Kontrolle von Luhansk hat mehr Prestige, weil damit eines der russischen Kriegsziele erfüllt wäre, als dass sie tatsächlich bestimmend für die militärische Lage wäre.
Angriffe fordern zivile Opfer auf beiden Seiten
Die Leidtragenden bleiben die Massen: Bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf die russische Stadt Sysran an der Wolga sindgestern eine Frau und ein Kind getötet worden. Sie wurden tot aus den Trümmern eines teilweise eingestürzten Wohnblocks geborgen – einer von zweien, die ukrainische Drohnen dort angriffen. Zwölf weitere Menschen wurden verletzt. Heute wurden dann bei einem russischen Luftangriff auf ein Wohnhaus in der südostukrainischen Stadt Dnipro am frühen Morgen sieben Menschen verletzt, fünf Personen mussten im Krankenhaus behandelt werden. Unter ihnen waren zwei Mädchen im Alter von neun und 14 Jahren.
Erdoğan bemüht sich um Geltung als Vermittler
Erdoğan hatte bei einem Treffen mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte am Mittwoch in Ankara erklärt, türkische Diplomaten arbeiteten darauf hin, die Staatschefs der der Ukraine und Russlands an einen Tisch zu bringen. Dem ging die Bitte der ukrainischen Führung voraus, ein solches Spitzentreffen auszurichten. Das aufrichtige Interesse der ukainischen Führung muss man aber in Zweifel ziehen; schon in der Vergangenheit hatten beide Seiten mit der Zusammensetzung ihrer jeweiligen Delegationen und entsprechender Forderungen an die Gegenseite gezielt Anlässe konstruiert, um Friedensverhandlungen platzen zu lassen und sie demagogisch dem jeweils anderen in die Schuhe zu schieben.