"Altersversorgung"

"Altersversorgung"

Georg Makowski und die Basisrente

Also mit der Rente is das so eine Sache. „Die Rente ist sicher“; wer von uns Älteren kennt nicht den Spruch vom früheren Arbeitsminister Norbert Blüm? Na ja, was heißt schon sicher. Sicher ist nur, dass sie von früher gut 70 Prozent heute auf 48 Prozent vom Netto gesunken ist. Zum Glück geht meine Frau noch arbeiten, sonst müssten wir sehn, wie wir über die Runden komm’n.

Von Georg Makowski

Und jetzt sagt der Merz, in Zukunft soll die staatliche Rente nur noch eine „Basisversorgung“ sein. Heißt das noch weniger als 48 Prozent? Der hat sie wohl nicht mehr alle! Ach so, damit wir in der Rente nicht Flaschen sammeln müssen, sollen wir uns auf dem Aktienmarkt umschauen. Na, für mich ist das wohl zu spät. Zum Glück hör ich heut das Morgenecho auf WDR 5. Da wird ne Ökonomin als Expertin gefragt, was sie denn von der Basisrente hält. „Gut“, meint sie. Ursprünglich sei ja die Rente nur eine „Invalidenrente“ gewesen.


Jetzt ist mal wieder meine Frau gefragt. „Stimmt, die Einführung der Rente durch Bismarck 1889 war nur eine Invalidenrente und wurde erst mit 70 Jahren gezahlt. Das Durchschnittsalter bei Männern lag aber damals bei 45 Jahren.“ „Also macht der Merz jetzt einen auf Bismarck?“ „Nicht ganz“, meint sie. „Der Unterschied ist der, dass Bismarck die Rente als Mittel zum Kampf gegen den Einfluss der damals noch revolutionären SPD einsetzte, während Merz damit einen weiteren Sargnagel auf die Lebenslüge des Sozialstaates einschlägt.“


Man muss schon sagen: Raffiniert, wie die Expertin die weitere Senkung der staatlichen Rente zu verkaufen versucht. Das sei ein Beitrag, um die „Eigenverantwortlichkeit“ der Beschäftigten zu fördern. Also, mehr Eigenverantwortlichkeit ist ja nicht schlecht, wünschte ich mir, mein Nachbar hätte mehr davon, wenn es um die Kehrwoche geht. Jetzt versteh ich den tieferen Sinn steigender Lebensmittelpreise, der um sich greifenden Wohnungsnot, der Kürzungen im Gesundheitswesen, ja sogar der Verluste des Arbeitsplatzes. Die Regierung und die Unternehmer wollen uns damit eine Chance bieten, mehr Eigenverantwortlichkeit zu entwickeln. Warum muss man auch jedes Jahr in Urlaub fahren? Fleisch ist ungesund, und ein Auto ist so oder so Luxus, schließlich haben wir früher auch zu dritt in einem Zimmer gelebt.

 

Nach unserer Expertin besteht die „Eigenverantwortung“ bei der Rente darin, zu investieren. „Und zwar nicht 50 Euro, sondern richtig, ein paar Hundert.“ Und damit die Frau auch im Alter wirtschaftlich abgesichert sei, solle sie sich ein „Depot“ anlegen und ein Stück vom Familieneinkommen für „unbezahlte Care-Arbeit“ investieren. Von wem spricht diese Frau? Zehn, zwanzig Prozent der Leute? Also ich kenn niemand in der Nachbarschaft und in meinem großen Bekanntenkreis, die was mit den Ratschlägen unserer Expertin anfangen können. Die sind alle froh, jeden Monat über die Runden zu kommen.


Die meisten werden wohl auf der Basisversorgung sitzen bleiben. „Ich hätte da so eine Idee“, schaltet sich meine Frau wieder ein. „Wie wär’s, wenn Ihr Rentner Euch mal zusammen mit dem Bruno und seinen Kolleginnen und Kollegen zusammensetzt und Euch Gedanken macht, wie Ihr gemeinsam die Pläne von Merz und Konsorten zu Fall bringen könnt? Eine Eigeninitiative, sozusagen als Basis. Und übrigens, warum sollten wir nicht auch die Eigenverantwortung für die ganze Gesellschaft übernehmen?“ Jetzt geht es mal wieder mit ihr durch. Aber so länger ich darüber nachdenke, hat se nicht mal wieder recht, meine Frau?