Pressemitteilung
Der Kampf der türkischen "Samstagsmütter" geht in die 1.100. Woche!
Das Internationale Büro des International Committee Against Disappearances (ICAD) teilt unter der Überschrift "Der Kampf der ‚Samstagsmütter‘ geht in die 1.100. Woche! „Wir werden die unter Haft Verschwundenen nicht vergessen und den Tätern nicht vergeben!“ mit (Auszüge):
Die „Samstagsmütter“ (Organisation von Müttern derjenigen, die in der Türkei während ihrer Haft verschwunden sind, Anm. d. RF-Red.) veranstalten am 25. April ihre 1100. Aktionswoche. Seit 1100 Wochen fragen sie beharrlich und mit derselben Entschlossenheit nach dem Verbleib der Verschwundenen und fordern die Strafverfolgung der Täter.
Seit ihrer ersten Aktion am 27. Mai 1995 suchen sie seit 31 Jahren weiter nach ihren Angehörigen und Liebsten, die unter Haft verschwunden sind. Sie haben viele Verbote, Angriffe, Festnahmen, Folter und Inhaftierungen erlebt, aber sie haben nicht aufgegeben. Der Staat, der für die Verschwundenen unter Haft verantwortlich ist, hat Verfahren gegen sie durchgeführt, um sie zum Schweigen zu bringen und sie von ihrem Kampf abzubringen. Sie hingegen forderten vor Gericht Rechenschaft für ihre Verschwundenen.
In der Türkei und Nordkurdistan wurde im Zuge des militärisch-faschistischen Putsches vom 12. September 1980 diese Methode schon angewandt. In den 1990er-Jahren wurde diese schmutzige Methode als systematische staatliche Politik gegen revolutionäre, demokratische und kurdische Oppositionelle angewandt und tausende von Menschen unter Haft verschwinden lassen. Die Schicksale von Hayrettin Eren, Hüseyin Morsümbül, Maksut Tepeli, Cemil Kırbayır, Hüseyin Toraman, Ayşenur Şimşek, Kenan Bilgin und tausenden von Menschen sind immer noch ungeklärt. Ihre Bilder halten seit 1099 Wochen in Istanbul, seit 897 in Amed und seit 733 Wochen in Batman die „Samstagsmütter“ sowie die Angehörigen von Verschwundenen und Menschenrechtsaktivist:innen während ihrer Sitzaktionen in den Händen.
Im Jahr 1995, als die Praxis des „Verschwindenlassens“ durch den faschistischen türkischen Staat ihren Höhepunkt erreichte, wurde auch Hasan Ocak am 21. März entführt und verschwinden gelassen. Die Familie und die Genoss:innen von Hasan Ocak haben seine Leiche durch einen wirksamen Kampf auf dem Friedhof für Unbekannte gefunden. Der Staat wurde auf frischer Tat ertappt und in erheblichem Maße bloßgestellt. Im Rahmen dieses Kampfes wurde auch die Leiche von Rıdvan Karakoç gefunden. Nach der Beisetzung von Hasan Ocak am 17. Mai im Istanbuler Stadtteil Gazi begannen die „Samstagsmütter“ am 27. Mai mit einer Sitzaktion, um das Schicksal aller Verschwundenen aufzudecken. ...