Gelsenkirchen
80++ bei Marx und Lenin: „Größte Krise des kapitalistischen Systems!“
Ein gutes Dutzend Gelsenkirchener feierte vor einigen Tagen in Gelsenkirchen den 66. Jahrestag ihres Abiturs: Bei Marx und Lenin! Ihr Sprecher fragte vorher an, ob man ihnen etwas über die Denkmäler vor dem Haus erzählen könne. Gern! Und sie wurden zu Kaffee und Kuchen in das Bistro eingeladen. Eine jüngere Genossin und ein alter MLPDler standen ihnen Rede und Antwort.
Die Denkmäler spielten kaum eine Rolle: Es ging ihnen nur um die MLPD! Wie ist sie entstanden? Und dann erinnerten sie sich an ihre Studienzeit – Ende der 1960er-Jahre: Breite revolutionäre sozialistische Jugendbewegung. Mittendrin ein erfahrener KPDler – Willi Dickhut, der den Verrat der Bürokraten in der Sowjetunion und in der BRD ausführlich wissenschaftlich analysierte und damit den Grundstein für den Aufbau einer Arbeiterpartei legte – was mit der MLPD gelang, während viele Zirkelhäuptlinge bürgerliche Karriere machten: Die Senioren kannten da selber einige Beispiele.
Aber dann stand die Frage der Denkweise zentral im Mittelpunkt. Ist Egoismus nicht angeboren? Dreifache Kontrolle – ist ja gut, aber vielleicht zu viel? Wie soll das denn gehen? An konkreten Beispielen des Parteimaximums von 1265 Euro – mehr kann auch die Parteivorsitzende nicht verdienen – stellte die MLPD-Genossin vor, wie das bei uns und später im echten Sozialismus läuft. Und jedes ZK-Mitglied wird halbjährlich von seiner Grundeinheit eingeschätzt usw. usw. Ein Senior meinte schließlich: „Wenn ihr so eine tolle Strategie habt, warum bekommt ihr dann nicht mehr Stimmen und Mitglieder?“ Gegenfrage: „Meinst du: Wenn wir groß und stark wären – dann würdest du bei uns mitmachen?“ Allgemeines Gelächter.
Eine weitere für die Akademiker wichtige Frage war die Trennung zwischen Hand- und Kopfarbeit. Restlos überzeugend legte die jüngere Genossin dar, wie das im echten Sozialismus aussah und aussieht. Dass der Kapitalismus, getrieben vom Profitgesetz, alle Lebensbereiche durchzieht – von Kriegen über Umweltkatastrophen bis zum Hunger –, dazu steuerten die Teilnehmer aktiv Beispiele bei: Kritische Journalisten werden unterdrückt, nicht nur die MLPD, gute medizinische Erfindungen werden zurückgehalten, weil sie keinen Höchstprofit bringen, Meinungsfreiheit in Betrieben ist immer mehr beschränkt, das Recht wird immer mehr mit Füßen getreten – Trump ist da nicht der Einzige - die Diskussion wurde sehr lebendig.
Dann schilderte die jüngere Genossin, wie die MLPD die Welt nicht nur interpretiert, sondern verändert, Beispiel Gelsenkirchen: Was passiert alles in der Stadt? Geschlagene drei Stunden lang ging es lebendig in aller Freundschaft hin und her. Dann fasste der Sprecher des alten Dutzends die Diskussion zusammen: „Wir sehen: Das kapitalistische System ist heute in seiner größten Krise – und die ganz wichtige Frage ist: Wie geht es weiter? Vielen, vielen Dank an euch!“ Es gab noch Spenden, Literatur – und dann ging’s ab in ein Altstadt-Lokal: „Da müssen wir noch einen heben!“