Türkei
110 Bergarbeiter in Ankara festgenommen - Proteste formieren sich!
Am Sonntag berichtete Rote Fahne News über den Marsch türkischer Bergleute nach Ankara. Sie führen einen entschlossenen Kampf um ihre Rechte, um ausstehende Löhne und Abfindungen. Und sie erfahren breite Solidarität und Unterstützung aus der Bevölkerung.
Hier der Bericht: Bergleute marschieren nach Ankara, und die Bevölkerung ist mit dabei!
Die Arbeiter waren aus Eskişehir in die Hauptstadt marschiert und hatten vor dem Energieministerium protestiert. Dort wurden jedoch nich ihre berechtigten Forderungen erfüllt, sondern sie wurden verhaftet! Das teilte laut einem Bericht der kurdischen Nachrichtenagentur ANF die Gewerkschaft Bağımsız Maden İş (Unabhängige Bergarbeitergewerkschaft) mit. Die Arbeiter waren bei dem Unternehmen Doruk beschäftigt, das zum AKP-nahen Konzern Yıldızlar SSS Holding gehört. Nach Angaben der Gewerkschaft hatten insgesamt 113 Beschäftigte vor rund neun Tagen einen Protestmarsch aus der westtürkischen Stadt Eskişehir begonnen, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen.
Nach ihrer Ankunft in Ankara setzten die Bergarbeiter ihren Protest vor dem Ministerium für Energie und natürliche Ressourcen fort. Dort organisierten sie eine Sitzblockade und traten in einen Hungerstreik, um die Auszahlung ihrer ausstehenden Ansprüche durchzusetzen. Am Morgen griff die Polizei ein und nahm 110 Demonstranten fest. Die Gewerkschaft berichtete zudem, dass ein Arbeiter ins Krankenhaus gebracht werden musste.
Den protestierenden Bergarbeitern wurde der Zugang zu grundlegenden Hilfsmitteln wie Decken und Medikamenten verwehrt. „Ein Kollege begann während der Festnahme stark zu zittern und musste ins Krankenhaus gebracht werden“, erklärte die Gewerkschaft. „Der Hunger, den sie uns aufzwingen, reicht offenbar nicht, jetzt werden wir auch noch misshandelt.“ Der Vorgang macht erneut auf die Situation von Arbeiter:innen aufmerksam, die in der Türkei trotz geleisteter Arbeit auf ausstehende Löhne und Entschädigungen warten. Gewerkschaften kritisieren seit Langem, dass Arbeitskämpfe zunehmend mit Polizeieinsätzen beantwortet werden.
Die ATIK verurteilt den Polizeiangriff und ruft zur Solidarität auf
Die Konföderation der Arbeiterinnen und Arbeiter aus der Türkei in Europa (ATIK) verurteilte gestern den Polizeiangriff auf die Bergbau-Arbeiter und -Arbeiterinnen von Doruk Madencilik. Sie schreibt: "In der Türkei arbeiten Beschäftigte im Bergbau unter schwierigen und unsicheren Bedingungen. Diese Situation hat im Laufe der Jahre durch wiederkehrende Unfälle zum Tod zahlreicher Arbeiter*innen geführt. Diese Unfälle, die vollständig aus unsicheren Arbeitsbedingungen resultieren, sind in Wahrheit Arbeitsmorde. Gleichzeitig führen in vielen Betrieben ausbleibende Lohnzahlungen dazu, dass Arbeiter*innen ihre Rechte einfordern und Widerstand leisten.
Der kürzlich von den Arbeiter*innen von Doruk Madencilik organisierte Protest ist ein aktuelles Beispiel für diesen Prozess. In Eskişehir führen Arbeiter*innen des Unternehmens Doruk Madencilik, das zur Yıldızlar SSS Holding gehört, einen Kampf für ausbleibende Löhne, gegen Entlassungen und Einschränkungen des Organisationsrechts. Um ihre Stimme öffentlich zu machen, marschierten die in der Unabhängigen Bergarbeitergewerkschaft organisierten Arbeiter*innen mit der Forderung 'Wir wollen keine Almosen, wir wollen unser Recht' von Eskişehir nach Ankara. Nach einem neuntägigen Marsch wurden sie, als sie vor dem Ministerium für Energie und natürliche Ressourcen eine Presseerklärung abgeben wollten, von der Polizei angegriffen. Gewerkschaftsvertreter und viele Arbeiter*innen wurden festgenommen, und ein Gespräch mit dem Ministerium wurde verhindert. Die Arbeiter*innen erklärten jedoch, dass sie ihren entschlossenen Widerstand fortsetzen und in einen Hungerstreik treten werden.
Wer ist die Yıldızlar SSS Holding? Nachdem das Bergwerk, das 2016 vom Einlagensicherungsfonds (TMSF) beschlagnahmt wurde, im Jahr 2022 an die Yıldızlar SSS Holding übertragen wurde, wurden zahlreiche Rechte der Arbeiter*innen beschnitten. Abfindungen, Überstundenvergütungen und Löhne wurden nicht mehr gezahlt. Infolgedessen sank die Zahl der Beschäftigten von 1200 auf 300. Die Yıldızlar SSS Holding besitzt zahlreiche Bergbau- und Energieunternehmen in der Türkei und steht häufig wegen Praktiken wie ausbleibender Lohn- und Abfindungszahlungen sowie der Zwangsbeurlaubung von Beschäftigten ohne deren Zustimmung in der Kritik.
Die Forderungen der Bergarbeiter*innen lauten:
- Die vollständige Auszahlung aller ausstehenden Löhne, Prämien und Urlaubsansprüche vor und nach der TMSF-Übernahme sowie die Wiederanerkennung und Absicherung gewerkschaftlicher Rechte.
- Die Beseitigung der Ungerechtigkeiten gegenüber zu Unrecht entlassenen Arbeiter*innen, deren Abfindungen nicht gezahlt wurden.
- Die Abschaffung der erzwungenen unbezahlten Freistellung ohne Zustimmung der Beschäftigten.
- Die Gewährleistung von Arbeitsbedingungen gemäß den Vorschriften für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz.
- Die Wiedereinstellung von Arbeiter*innen, die aufgrund ihres gewerkschaftlichen Engagements entlassen wurden.
Darüber hinaus wird zur Sicherung der Arbeitsplätze und der Nachhaltigkeit des Bergwerks die Verstaatlichung des Betriebs und die gesetzliche Absicherung der Beschäftigung gefordert. Euer Widerstand ist unser Widerstand!
Hunderte Arbeiter*innen haben aufgrund unmenschlicher und unsicherer Arbeitsbedingungen im Bergbau ihr Leben verloren. Der Angriff auf die Proteste der Arbeiter*innen, die lediglich ihre grundlegendsten Rechte wie sichere Arbeitsbedingungen und die Auszahlung ihrer Löhne einfordern, ist ein Angriff auf alle Arbeiter*innen. Als ATİK- Konföderation der Arbeiter*innen aus der Türkei in Europa unterstützen wir den Widerstand der Arbeiter*innen von Yıldızlar SSS Holding sowie aller Bergarbeiter in der Türkei und verurteilen den Polizeiangriff aufs Schärfste. Wir rufen alle Arbeiter*innen dazu auf, den von den Beschäftigten von Doruk Madencilik begonnenen Widerstand durch internationale Solidarität zu unterstützen. Der Widerstand der Bergarbeiter*innen ist unser Widerstand!"
Die MLPD schließt sich dem Solidaritätsaufruf an und versichert, den gerechten Kampf der türkischen Bergarbeiter zu unterstützen und in Deutschland für Solidarität zu werben!