Gegen Papst und Kaiser
Vor 505 Jahren am 18. April 1521: Martin Luther vor dem Reichstag in Worms
„Hier stehe ich und ich kann nicht anders“. Mit diesen mutigen Worten gegen Papst und Kaiser verteidigte Martin Luther seine religiösen Überzeugungen gegen die Dekadenz des mittelalterlichen Katholizismus. Dafür wurde er von Kaiser Karl V. für vogelfrei erklärt.
„Hier stehe ich und ich kann nicht anders“. Mit diesen mutigen Worten gegen Papst und Kaiser verteidigte Martin Luther seine religiösen Überzeugungen gegen die Dekadenz des mittelalterlichen Katholizismus. Dafür wurde er von Kaiser Karl V. für vogelfrei erklärt.
Die Reformation ging Luther nur mit tatkräftiger Hilfe an durch das neu entstehende Bürgertum wie der Augsburger Kaufmannsfamilie Fugger und aufgeklärter Fürsten wie Friedrich der Weise von Sachsen, der ihn protegierte.
Der Dichter Heinrich Heine würdigte Luthers weltanschauliche Bedeutung: „Von dem Reichstage an, wo Luther die Autorität des Papstes leugnet und öffentlich erklärt, daß man seine Lehre durch die Aussprüche der Bibel selbst oder durch vernünftige Gründe widerlegen müsse‘, da beginnt ein neues Zeitalter in Deutschland. Die Kette, womit der heilige Bonifaz die deutsche Kirche an Rom gefesselt, wird entzweigehauen.
Es entsteht das evangelische Christentum. ... die Heiligen werden abgedankt; den Engeln werden die Flügel beschnitten; die Muttergottes verliert alle ihre Ansprüche an die himmlische Krone, und es wird ihr untersagt, Wunder zu tun. Überhaupt von nun an, besonders seit die Naturwissenschaften so große Fortschritte machen, hören die Wunder auf. … (1)
Dadurch entstand in Deutschland die sogenannte Geistesfreiheit oder, wie man sie ebenfalls nennt, die Denkfreiheit. Das Denken ward ein Recht, und die Befugnisse der Vernunft wurden legitim. … (2) Die Fürsten, welche die Reformation annahmen, haben diese Denkfreiheit legitimisiert, und eine wichtige, weltwichtige Blüte derselben ist die deutsche Philosophie. … (3)
... Martin Luther ... gab dem Gedanken auch das Wort. Er schuf die deutsche Sprache. Dieses geschah, indem er die Bibel übersetzte. (4) … Diese Schriftsprache herrscht noch immer in Deutschland und gibt diesem politisch und religiös zerstückelten Lande eine literärische Einheit. …" (5)
Die Krise der bürgerlichen Gesellschaftswissenschaften, der Religion und der Kultur
Martin Luther und Thomas Müntzer - S. 20f
202 Seiten
19 €
Auch Karl Marx und Friedrich Engels würdigten diese Verdienste. Sie geißelten aber auch seinen politischen Verrat an den Bauern im deutschen Bauernkrieg 1525. Weltanschaulich blickten sie weiter als Heinrich Heine: „Luther hat allerdings die Knechtschaft aus Devotion besiegt, weil er die Knechtschaft aus Überzeugung an ihre Stelle gesetzt hat. ... Er hat den Menschen von der äußeren Religiosität befreit, weil er die Religiosität zum inneren Menschen gemacht hat. Er hat den Leib von der Kette emanzipiert, weil er das Herz in Ketten gelegt. Aber, wenn der Protestantismus nicht die wahre Lösung, so war er die wahre Stellung der Aufgabe.“
Nämlich die Emanzipation des Volks durch die „philosophische Verwandlung der pfäffischen Deutschen in Menschen.“ (6) Das ist unter heutigen Bedingungen nichts anders als der Sieg der proletarisch-materialistischen Denkweise über die kleinbürgerlich-idealistische Denkweise.
Gestern kam dazu im WDR-5 Hörfunk ein interessantes „Zeitzeichen“: https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/zeitzeichen/zeitzeichen-martin-luther-reichstag-100.html