Erfurt
Vom Reagieren zum Agieren: 500 bei „Widersetzen“-Konferenz
Gut 500 meist junge Menschen beteiligten sich am Wochenende an der antifaschistischen Konferenz von „Widersetzen“ in Erfurt. Sie kamen aus fast allen Bundesländern; über 100 von ihnen waren direkt aus Erfurt.
Es ging vor allem um die Vorbereitung und Mobilisierung für die Proteste gegen den AfD-Parteitag in Erfurt Anfang Juli. Widersetzen orientiert darauf, den Parteitag möglichst zu verhindern und zu blockieren. Gleichzeitig gibt es Demonstrationen, Kundgebungen, Konzerte, Straßentheater, und Infostände in der ganzen Stadt. In der Woche unmittelbar vor dem Parteitag findet eine Aktionswoche in Erfurt statt. Die MLPD brachte unter anderem ihre Verankerung im Plattenbaugebiet im Erfurter Norden ein und übernimmt Verantwortung für die Aufklärung der Menschen im Vorfeld und am 4. Juli selbst.
Es wird Kampagnenfilme für die Mobilisierung geben, die über die Homepage bezogen werden können, genauso wie weiteres Material. Allein 10.000 Plakate und 80.000 Aufkleber wurden an dem Wochenende ausgegeben
Die Mehrheit in den 80 Ortsgruppen setzt inzwischen auf tägliche Überzeugungsarbeit unter den Massen, statt nur zweimal im Jahr Veranstaltungen zu blockieren: „Vom Reagieren zum Agieren kommen“ – das wurde zum geflügelten Wort, oder auch „Raus aus der Uni-Blase“. Die Erfahrungen der MLPD mit ihrer systematischen Kleinarbeit, ihrer Arbeit in und vor Betrieben und mit der Losung „Wer AfD wählt, wählt Faschismus!“ wurden von vielen aufgegriffen. Auch die Diskussion über eine solidarische Gesellschaft und die Perspektive des Sozialismus waren als „solidarische Differenz“ Bestandteil der Konferenz.
In der ursprünglichen Planung war vorgeschlagen, nach eventuellen Erfolgen der AfD bei Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern Proteste zu organisieren. Es setzte sich aber der Vorschlag durch, vor der Wahl vor Ort mit beeinflussten oder verunsicherten Menschen zu sprechen. Eine junge Frau meinte: „Ich könnte nicht mehr in den Spiegel schauen, wenn wir in Sachsen-Anhalt erst nach der Wahl auftauchen.“
Direkt im Anschluss an die Konferenz blieben noch 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Erfurt - für eine Aktionswoche mit Haustürgesprächen. Es ist schon sicher, dass Erfurt der AfD einen sehr unfreundlichen Empfang bereiten wird. Der Widerstand gegen den Parteitag wird die antifaschistische Bewegung stärken.