Leserbrief

Leserbrief

Notaufnahmen in Albstadt und weiteren Kliniken - Kahlschlag mit fiesen Methoden

Die medizinische Versorgung auf dem Land wird immer schlechter. Nachdem im November 2025 die Notfallpraxis in Albstadt-Ebingen geschlossen wurde, soll jetzt auch noch die Zentrale Notaufnahme von Albstadt-Ebingen weitgehend nach Balingen verlegt werden. (Strecke 20 km).

Von Renate Schmidt

Das kommunalpolitische Bündnis Z.U.G. Albstadt klärt auf, prangert an und versucht den Protest dagegen zu organisieren. Der Hintergrund ist der geplante sündhaft teure Bau eines Zentralklinikums, dem die Krankenhäuser Albstadt und Balingen zum Opfer fallen sollen. Gegen diese Pläne gab es schon vor Jahren massive Proteste der Bevölkerung. Die fiesen Methoden der Klinikleitung, wie heute der Kahlschlag durchgezogen wird, verschlägt einem den Atem. So deckte Z.U.G Albstadt auf, wie mit Diffamierung, Auflaufen lassen durch die Klinikleitung und dann Kündigung des Chefarztes der Zentralen Notaufnahme ein „Sündenbock“ kreiert wird, um die Schließung zu „rechtfertigen“.

 

Doch damit nicht genug. Z.U.G. Albstadt fand in einem Artikel des Südkuriers, dass diese Mobbing-Methode des „Abwickelns“ genau gleich angewandt wurde im Hegau-Bodensee-Klinikum Singen und im Kreiskrankenhaus Lörrach. Darauf bezieht sich der folgende Leserbrief an die regionalen Zeitungen. Er wurde bisher von diesen nicht abgedruckt.

Leserbrief an Schwarzwälder Bote, Schwäbische Zeitung, Südwestpresse für den Raum Albstadt/Zollernalbkreis zur Schließung der Zentralen Notaufnahme in Albstadt

Albstadt, den 1. April 2026. In der Bürgerfragestunde im Gemeinderat Albstadt am 26.3. fragte ich wegen der Schließung der Zentralen Notaufnahme in Albstadt u.a.: Wurde die Verlagerung nach Balingen schon länger geplant und geht es um finanzielle Vorteile für den Landkreis auf Kosten der Albstädter Patienten? Dies verneinte Herr Tralmer.

 

Wenige Tage später las ich im Südkurier: Der gekündigte Chefarzt der Notaufnahme Ebingen, Doktor Vasilakis, war nicht das einzige Opfer. Auch im Klinikum Singen und im Lörracher Kreiskrankenhaus wurden die Chefärzte der Zentralen Notaufnahme gekündigt. Die Parallelen zeigen ein übles abgekartetes Spiel: „Laut Insidern sollen die Klinikleitungen in Singen, Albstadt und Lörrach den gekündigten Chefärzten teilweise persönliche Defizite und Führungsversagen vorgeworfen haben. … Man bringe Chefärzte in Misskredit, um ein Ziel zu erreichen, das man anders nicht rechtfertigen könne. … Für die Träger können die neuen Vorgaben ein Weg sein, um Gelder zu sparen. Die Leidtragenden könnten am Ende die Patienten sein. ... Die Kliniken in Singen, Lörrach und Albstadt haben aber außer den fast zeitgleich gekündigten Notfall-Chefärzten noch mehr gemeinsam: Alle drei Gesundheitsverbünde stehen vor Neubauten.“ (Südkurier 21.3.26)

 

Der Abbau von Strukturen bringe Kostenersparnis. Ergebnis in Singen: Seit dem Rauswurf des Chefarztes haben sieben Pflegekräfte und eine Oberärztin gekündigt. Das Luftschloss Zentralklinikum ist die Rechtfertigung für den Abbau der wohnortnahen Gesundheitsversorgung.

 

Unser Gesundheitssystem wird von Profitinteressen diktiert: Versicherungsmonopole, die das große Geschäft mit Privat- und Zusatzleistungen machen. Krankenhauskonzerne, die sich die Filetstücke aus den bankrotten Kliniken sichern. Die medizinische Geräteindustrie, die vom Fortschritt der Medizintechnik profitiert. Internet-Milliardäre, die für sich einen Riesenmarkt von weltweiten Gesundheitsdaten erschließen und Pharma-Monopole, die mit irrwitzigen Preisen die Krankenkassen plündern. Hinzu kommen Aufrüstung und Umstellung des Gesundheitswesens auf den Krieg. Da erscheint der Kampf um die Zentrale Notaufnahme in Albstadt vielleicht klein und sinnlos. Aber es geht um die Grundrichtung: Alles schlucken oder sich dagegen organisieren.

 

Renate Schmidt