Gegen Angriffe auf Existenz und Gesundheitsversorgung
Morgen Aktionstag von Psychotherapeuten
Morgen ist in vielen Städten Deutschlands ein Aktionstag von Psychotherapeuten. Das "Aktionsbündnis Psychotherapie" ruft dazu auf. In einer Pressemitteilung schreiben die Initiatorinnen und Initiatoren (Auszüge):
Am 11. März 2026 hat der Erweiterte Bewertungsausschuss beschlossen, die Vergütung für ambulante Psychotherapie um 4,5 % zu kürzen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat dagegen gestimmt und wurde überstimmt. Die Kürzung spart ca. 167 Millionen Euro. Das entspricht 0,05 % der GKV-Gesamtausgaben von 327,4 Milliarden Euro. Gleichzeitig verursachen psychische Erkrankungen in Deutschland Kosten von rund 147 Milliarden Euro jährlich. Das sind ca. 4,8 % des Bruttoinlandsprodukts. Gekürzt wird bei der Fachgruppe mit den geringsten Honoraren im gesamten vertragsärztlichen System. Voraussichtlich ist das der Anfang von Kürzungen, die nur kurzfristig zur Entlastung der GKV-Haushalte führen.
Was das konkret bedeutet
Der Verdienst einer psychotherapeutischen Praxis beträgt im Jahr durchschnittlich 90.000 Euro (brutto, vor Steuern, Krankenversicherung und Vorsorge), der einer durchschnittlichen Arztpraxis 336.000 Euro. Ca. 52 Euro pro Arbeitsstunde bleiben Psychotherapeut:innen nach dem Abzug der Praxiskosten. Für diesen Beruf braucht man: 5 Jahre Studium, dann 3 bis 5 Jahre Ausbildung, hierfür rund etwa 20.000 bis 80.000 Euro Ausbildungskosten aus eigener Tasche. Hinzu kommen – je nach Region – rund 40.000-120.000 Euro für die Übernahme einer Praxis. Am Ende steht man mit dem niedrigsten Honorar aller Fachgruppen da. Und jetzt wird es nochmal gekürzt.
Was auf der anderen Seite steht
Wer heute einen Therapieplatz sucht, wartet im Schnitt 142 Tage – fast fünf Monate. In dieser Zeit passiert Folgendes: Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz, Ehen zerbrechen, Kinder leiden, Krankschreibungen werden chronisch. 41,5 % aller Frühverrentungen gehen auf psychische Erkrankungen zurück. Die Betroffenen sind durchschnittlich 51 Jahre alt. Eine einzige vermiedene stationäre Woche kostet so viel wie eine komplette ambulante Kurzzeittherapie.
Wie man mit falschen Zahlen eine Kürzung begründet
Der GKV-Spitzenverband berichtet, dass die Honorare der Psychotherapeuten seit 2013 um 52 % gestiegen seien; weit mehr als bei anderen Fachgruppen (33 %). Diese Zahl ist das zentrale Argument für die Kürzung. Sie ist mindestens irreführend. Inflationsbereinigt bleiben von den 52 % ca. 1,6 % pro Jahr. Das liegt unter der durchschnittlichen Lohnentwicklung. In den 52 % sind auch neue Leistungen enthalten, die 2017 eingeführt wurden wie psychotherapeutische Sprechstunden und Akutbehandlungen.
Was die Ersatzkassen wirklich vorhaben
Am 26. März 2026 veröffentlicht der Verband der Ersatzkassen ein Positionspapier, das weit über die Honorarfrage hinausgeht. Die Forderungen laufen auf eines hinaus: Psychotherapie soll gesteuert, standardisiert und womöglich durch billigere Alternativen ersetzt werden. ... Der vdek fordert, dass Therapeut:innen künftig die Hälfte ihrer frei werdenden Plätze über die Terminservicestelle melden müssen. Das klingt nach Effizienz. In der Praxis bedeutet es: Patient:innen werden mehr oder weniger per Zufall zugewiesen und nicht nach der Passung zu einer Richtlinientherapie. Therapeut:in und Patient:in können dann nicht mehr gemeinsam prüfen, ob sie zueinander passen. Dabei ist wissenschaftlich mehrfach belegt, dass die therapeutische Beziehung kein bürokratisches Detail ist. Sie ist einer der wichtigsten Wirkfaktoren erfolgreicher Psychotherapie. ...
Die Betroffenen sind keine Kostenfaktoren. Es sind Menschen, die Hilfe brauchen und dafür in dieses System eingezahlt haben. Sie verdienen eine Versorgung, die sich an ihrem Bedarf orientiert, nicht am Wunsch nach billigeren Kennzahlen.
Aktionsbündnis Psychotherapie (04.04.2026)
Webseite aktionsbuendnis-psychotherapie.info
E-Mail: presse@aktionsbuendnis-psychotherapie.info
Hier das Positionspapier des Aktionsbündnisses Psychotherapie ungekürzt
Hier der Demo-Finder für den morgigen 15. April