Saarbrücken
Man merkte ein praktisches Zusammenrücken der Demonstrantinnen und Demonstranten
Von der Montagsdemo, die am 13. April in der saarländischen Landeshauptstadt Saarbrücken stattfand, berichtet ihre Sprecherin, Sabine Fricker (Auszüge aus der Pressemitteilung):
Die Montagsdemo war längst nicht so trübe wie das Wetter. Es waren zwar echt wenig Leute unterwegs, aber etliche Leute zeigten fast überraschte Zustimmung, als wir die 539. Montagsdemo als „Protestaktion gegen die Regierung – aber auf antifaschistischer Grundlage!“ beim Startpunkt ankündigten. Einzelne Passantinnen gingen mit.
Das Besondere heute war: Man merkte ein praktisches Zusammenrücken der Demonstrierer*innen. Manch eine kam, die schon länger nicht da gewesen war. Erleichterung über das Ende der Orbán-Regierung als „einzig gute Nachricht heute“. Jemand ergriff die Initiative, um unser Transparent zu überarbeiten. Bei allem berechtigten Spott auf das Entlastungs-Ei, das die Koalition in der Villa Borsig ausgebrütet hatte, verstanden es die Anwesenden doch als Ermutigung zum Kämpfen. So eilfertig und besorgt um den angeblichen sozialen Frieden hat man die Koalitionäre lange nicht erlebt. „Jetzt müssen wir den Vorwärtsgang einschalten“, hieß es.
Auch schön: Eine Lyrikerin aus Saarlouis hörte zusammen mit einer Bekannten zu und sagte dann sehr ruhig und sachlich: „Ich finde das Wichtigste ist jetzt, dass man nicht zu Hause bleibt, sondern zusammen auf die Straße geht. Es ist nicht gut, in so einer Situation alleine zu bleiben.“
Sie trug spontan eines ihrer Gedichte vor und schrieb es extra für uns danach auf:
"Täglich ein Strich durch die Rechnung, Frieden abgewählt,
Menschen töten Menschen,
Gottes Ebenbild ist aus dem Rahmen gefallen.
Montagsdemonstriererinnen sind bereit. Wir sind für Entschlossenheit, und Streiks,
und für die Mobilisierung der Leute, das gilt auch für den DGB am 1. Mai!
Jetzt nur ja keine Rücksicht auf die kranke kapitalistische Wirtschaft mit ihren steigenden Dividenden!"
Auch dass die Unternehmen 1.000 Euro Sonderprämie auszahlen "dürfen", stieß auf Skepsis: Zum einen, weil „kleine Handwerksbetriebe das nicht leicht stemmen können“, zum anderen, weil der Unternehmerverband das bereits infrage stelle.¹
„Preissteigerungen können sie innerhalb von Minuten festlegen – aber für Entlastungsmaßnahmen ist das Jahr schon viel zu kurz", wurde einer zitiert. Mit Gelächter wurde die Meldung einer Online-Rentenberatung bedacht, wonach auch Rentner von der Entlastungsprämie was hätten, nämlich diejenigen, die "neben der Rente noch arbeiten."