100 Jahre Lufthansa

100 Jahre Lufthansa

Drinnen feiern Chef und Kanzler - draußen Streik - und dann eiskalte Stilllegung von CityLine

„Sekt innen, Streikposten außen: Lufthansas Jahrhundertfeier wird von der eigenen Belegschaft gestört, während der Kanzler spricht. Drei Ausstände in einer Woche, ein Jubiläum, das ganz anders geplant war,“ - schreibt der Spiegel vom 16. April. Und seit Donnerstag Abend die Meldung: Lufthansa will CityLine mit 2200 Beschäftigten sofort schließen!

Von wb
Drinnen feiern Chef und Kanzler - draußen Streik - und dann eiskalte Stilllegung von CityLine
Ein Airbus A319-100 der von der Schließung bedrohten Lufthansa CityLine rollt im letzten Jahr auf dem Flughafen Hannover-Langenhagen zur Startbahn. (foto (MarcelX42 / CC BY-SA 4.0))

Außer Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der sich selbst ein Flugzeug leisten und fliegen kann, war von der Bundesregierung auch der Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) geladen. Im Interview mit dem Heute Journal von ZDF bedauerte er mehrfach, dass der Streik des Kabinenpersonals der Lufthansa das Jubiläum überschattete. Die Gewerkschaft UFO hatte erneut für den Mittwoch und Donnerstag zu einem Streik aufgerufen. Die Vereinigung Cockpit (VC) organisierte einen Streik der Piloten am Donnerstag. Er hätte sich gewünscht, dass die Beschäftigten beim Streiken freudig innehalten – so oder so ähnlich Schnieder.

 

Vorgestern Abend die Meldung: Der Lufthansa-Konzern will statt geplant 2028, die Regionaltochter CityLine sofort stilllegen: 2200 Beschäftigte erfahren per interner Mitteilung, dass sie vorliegend entlassen bzw. ausgesperrt sind. Begründet wird das ausgerechnet mit den „anhaltenden Streiks und explodierende Kerosinkosten“. Eine politische Provokation und Lehrstunde für alle, die noch an das Märchen von der „Sozialpartnerschaft“ glauben. 

1,96 Milliarden Profit für die Lufthansa

Besser hätte es auch Lufthansa-Chef Carsten Spohr nicht formulieren können. Pflichtbewusst bedankte er sich bei der Belegschaft, ohne die der Profit vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 1,65 Milliarden Euro im Jahr 2024 nicht auf 1,96 Milliarden Euro 2025 gestiegen wäre. Das ist für Spohr noch lange kein Grund, über die Forderungen von UFO nach einem Manteltarifvertrag, zur Verbesserung der Dienstpläne oder das Recht auf Freizeit/Urlaub zu verhandeln. Richtigerweise lehnte UFO die von der Lufthansa angestrebte Schlichtung ab und behält sich so die Streikfähigkeit.

 

Selbstbewusst und stolz wandte sich der UFO-Vorstand am 10. April an die Kolleginnen und Kollegen: „90 Prozent der ursprünglich geplanten Flüge (für 10.4.). sind am Boden geblieben. Wir sagen: Chapeau! Unterdessen erklärte das Management heute, wir lebten vom Geld der anderen und müssten über „die Kostennachteile der Lufthansa“ (Anmerkung: Damit seid ihr gemeint) sprechen. Wir glauben unverändert, wir müssen über ganz andere Dinge sprechen. Was für eine bessere Gelegenheit könnte es dafür geben, als wenn alle relevanten Entscheider sich bei einem Gläschen Champagner mit unserem Bundeskanzler gegenseitig dafür auf die Schulter klopfen. Uns treibt die Vision, dass mit uns dort ein Meer aus Kolleg*innen stehen wird. ... Das ist eine Gelegenheit, wie sie nur alle hundert Jahre kommt und wir sollten sie auf keinen Fall ungenutzt verstreichen lassen.“ (1)

 

Und es blieb nicht bei einer Vision: Während die Lufthansa mit vielen geladenen Gästen im neuen Besucher- und Kongresszentrum ihr Jubiläum feierte, demonstrierten draußen vor dem Hangar rund 1.100 Kolleginnen und Kollegen für bessere Arbeitsbedingungen. Völlig unverständig reagiert darauf Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley. Während er die "Leistung, Teamgeist und Verantwortung" der Mehrheit der Belegschaft lobte, holte er gegenüber den Streikenden aus: "'Offenbar tragen einige unserer Mitarbeiter ein anderes Gen in sich", sagte Kley. Es sei paradox, mit welcher Härte die Tarifkonflikte ausgetragen würden. 'Selbstbezogenheit' ersetze bei den "Spartengewerkschaften 'Sozialpartnerschaft'". (2)

 

Was Kley als Selbstbezogenheit diffamiert, ist in Wirklichkeit Klassenbewusstsein, von den Interessen der Werktätigen auszugehen - ohne Rücksicht auf die Interessen des Monopols Lufthansa! "Selbstbezogen" agiert die Lufthansa mit ihrem grenzenlosen Drang nach Ausbeutung und Profitmaximierung. „Sozialpartnerschaft“ ist ein verklärender Begriff, nach dem Lufthansa und Beschäftigte angeblich ein partnerschaftliches Interesse hätten. Demnach sollen sich die Beschäftigten und ihre Gewerkschaften brav und unterwürfig verhalten und ihre Klasseninteressen aufgeben.

 

Die CityLine-Belegschaft und Streikenden bei der Lufthansa brauchen jetzt die Solidarität aus den DGB-Gewerkschaften und der Arbeiterklasse. Mit diesem Angriff auf Tarifverträge, soziale Rechte und vor allem auf das Streikrecht darf der Lufthansa-Vorstand nicht durchkommen.