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Automobilzulieferer Mahle droht mit Werkschließungen

Der Firmenchef des viertgrößten Automobil-Zuliefer-Konzern, Arnd Franz, droht: "Bleibt der Vorschlag der EU für das europäische Verbrennerverbot in dieser Form bestehen, drohen weitere massive Restrukturierungen, Personalabbau und Werksschließungen."

Von wb

Soll jetzt die gut vierundsechzig-tausend Kolleginnen und Kollegen zählende Belegschaft in Geiselhaft genommen werden, damit Mahle seine Forderung nach einer weiteren Aufweichung des Verbrennerverbots gegenüber der EU bzw. der Bundesregierung durchsetzen kann? Bereits vor ihm fordern Ola Källenius, Chef von Mercedes und des europäischen Automobilverbandes oder Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) das Gleiche.

 

Demnach ist die weitere Produktion des Verbrenner-Antriebs für die Wettbewerbsfähigkeit und die Maximalprofite wichtiger als die Rettung der Umwelt vor der endgültigen Katastrophe! Aus Verantwortung für die nachfolgenden Generationen können wir Arbeiter und Angestellte so nicht denken und handeln! Auch passt nicht zusammen, dass Franz den „Konzern auf einem guten Weg (sieht). Die Strategie mit dem Fokus auf Elektrifizierung, Thermomanagement und Verbrennungsmotoren funktioniere. 'Mahle ist auf dem Weg zu profitablem Wachstum'“.

 

Offensichtlich reicht Mahle ein Konzernprofit von 20 Millionen Euro im letzten Jahr nicht, nach 22 Mio im Jahr 2024. Dabei hat der Konzern in diesem Zeitraum schon 3.466 Arbeitsplätze und damit fünf Prozent der Belegschaft abgebaut. Nicht genug. Aktuell verhandelt die Mahle-Geschäftsleitung mit dem Betriebsrat über ein weiteres „Sparprogramm“ und einen Ergänzungstarifvertrag. Schon im vergangenen Jahr schloss Mahle in Europa und Nordamerika sechs Standorte und leitete die Schließung von vier weiteren Werken ein. Darunter auch das Werk in Fellbach bei Stuttgart, wo rund 150 Facharbeiter und Ingenieure Kolben für die Formel-1 entwickeln und produzieren.

 

Dagegen demonstrierten am 10. Februar unter dem Motto „Sauer-Hour statt Happy-Hour“ viele Beschäftigte - auch aus anderen Werken, mit solidarischer Unterstützung von IG Metall – Aktivisten anderer Betriebe und IGM-Senioren. Diese Aktion gehört zu einer Reihe von Protest- und Kampfaktionen seit Ende letzten Jahres. Der Kampf muss aber offensichtlich verstärkt werden, damit der Vorstand von seiner aggressiven Strategie im Konkurrenzkampf auf dem Rücken der Belegschaft Abstand nimmt.

 

Damit die IG Metall und wenn notwendig die Kolleginnen und Kollegen selbständig um jeden Arbeitsplatz und für die 30-Stunden-Woche mit vollem Lohnausgleich kämpfen, muss geklärt werden:

 

  • Appelle an Mahle, zum „sozialpartnerschaftlichen und gemeinsamen Weg zurückzukehren“, wie es in der Resolution von 120 Betriebsräten der deutschen Mahle-Standorte heißt, sind illusionär; gegen die Profitpolitik von Mahle müssen wir um unser Interesse um den Erhalt der Arbeitsplätze und konsequenten Umweltschutz kämpfen. 
  • Erfolge können nur in der Ablehnung der kapitalistischen Logik und vom Arbeiterstandpunkt her erreicht werden - im konsequenten, gemeinsamen Kampf der Mahle-Belegschaften. Hier wird ihnen die Solidarität von Kollegen anderer Betriebe sicher sein, die alle in einer ähnlichen Auseinandersetzung stehen. Und selbstverständlich auch die Unterstützung der MLPD und ihrer Betriebsgruppen, die zum 1. Mai aufruft: Arbeiteroffensive gegen kapitalistische Ausbeutung!