Er wurde 95 Jahre alt

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Zum Tod von Mario Adorf: Er war stets mehr als ein Schauspieler

Gestern starb in Paris nach kurzer Krankheit der Schauspieler Mario Adorf mit 95 Jahren. Er hat in über 200 Filmen mitgespielt.

Von hk
Zum Tod von Mario Adorf: Er war stets mehr als ein Schauspieler
Mario Adorf (shutterstock_70938472)

Beliebt war er wegen seiner besonderen Kunst, die Welt zum Erschaudern, Nachdenken, zum Lachen und zum Weinen zu bringen. Mit seiner Darstellung als mordlustiger Bandit Santer und Gegenspieler von Winnetou wurde er einem Mllionenpublikum bekannt.

 

1957 gelang ihm mit der Verkörperung eines geistig behinderten Mörders („Nachts, wenn der Teufel kam“) der Durchbruch in seiner Schauspielkarriere. Und in den 1970er Jahren entdeckten ihn die Regisseure des Neuen Deutschen Kino. Mit ihnen bekam Adorf Rollen, die ihn unsterblich machten. Als harter Polizist in Volker Schlöndorffs "Die verlorene Ehre der Katharina Blum", als korrupter Baulöwe in Rainer Werner Fassbinders "Lola" und als Opportunist in Schlöndorffs oscarprämiertem Film "Die Blechtrommel" brillierte er. Er hat Generationen von Zuschauerinnen und Zuschauern mit seiner Vielseitigkeit, seinem Charisma und seiner Ehrlichkeit begeistert. Trotz seiner vielen Auszeichnungen und Preise verlor Adorf nie die Bodenhaftung. Er war stets mehr als ein Schauspieler, beteiligte sich daran, Gedenksteine für Gegner und Opfer des Hitler-Faschismus zu legen.

 

Aufmerksam verfolgte er das aktuelle Geschehen und bezog Stellung. So auch zur Corona-Pandemie: "Das Schlimmste und Gefährlichste scheint mir das Leugnen des Virus zu sein. Ich verstehe auch die viele jungen Menschen, die auf die ihnen gemäßen Freiheiten nicht verzichten wollen, aber auch sie sollten ihre Vernunft gebrauchen und lernen, sich ein wenig einzuschränken." (Zitiert nach dem Spiegel).

 

In dem Film "Karl Marx – Der deutsche Prophet" verkörperte er grandios den wohl einflussreichsten deutschen Denker der Geschichte. Anfangs hatte die Idee, einen Film über dessen letzte Reise nach Algier zu machen, viele Gegner nach dem Motto: "Um Gottes Willen – Marx!" Adorf ließ sich nicht in das antikommunistische Korsett pressen, beschäftigte sich im Unterschied dazu gründlich mit den Lehren von Karl Marx und wurde zu einem Fan von Marx. Offen bekannte er sich zu ihm: „Sein Name war ja auch über lange Zeit negativ belegt. Man verband ihn mit den Missständen im Osten. ... Ich glaubte schon seit vielen Jahren, bevor es modern wurde, an das Ende des Kapitalismus. Vielleicht war es naiv von mir, aber ich war überzeugt, dass das Wachstum, von dem immer gesprochen wird, nicht unendlich weitergehen kann. Irgendwann muss da ein natürliches Ende sein. Die Schere zwischen Arm und Reich wird nicht unendlich auseinanderklappen und größer werden können.“ (1)

 

Wir werden Mario Adorf vermissen – wegen seiner Schauspielkunst und seiner Weitsicht.