Offensives Zeichen

Offensives Zeichen

Kollegen beim GHBG in Bremerhaven sind kampfbereit, aber es gibt noch viel Klärungsbedarf

400 Kolleginnen und Kollegen aus Bremen, Bremerhaven und Hamburg versammelten sich vor dem Gebäude der Gesamthafenbetriebsgesellschaft (GHBG) in Bremerhaven.

Von jb/Hamburg
Kollegen beim GHBG in Bremerhaven sind kampfbereit, aber es gibt noch viel Klärungsbedarf
(rf-foto)

Sie kamen vom Gesamthafenbetrieb in Bremen/Bremerhaven wie auch Hamburg, der Hamburger Hafen- und Logistik AG (HHLA) und von Eurogate. Mit dem Marsch durch die Hauptverkehrsader im Hafen und zweimaligen Blockaden der wichtigen Kreuzung am Zoll Roter Sand, setzten sie - aufgerufen durch ver.di - ein offensives Zeichen gegen die drohende Vernichtung ihrer Arbeitsplätze.

 

Lange LKW-Schlangen waren sichtbares Zeichen für die praktische Wirkung. 800 Kolleginnen und Kollegen sollen rausgeschmissen werden, weil der GHBG nicht mehr tragbar sei, die Kollegen seien zu unflexibel. Übel hetzte die Geschäftsleitung in einem Artikel in der Nordseezeitung am 11. März 2026 unter der Überschrift „GHB steckt wieder in der Krise“ mit einem unwidersprochenen Zitat vom Geschäftsführer, Marcus Bergmann: „Der GHB braucht Mitarbeiter, die bereit sind, auch einmal eine Extrameile zu gehen. Wir sind darauf angewiesen. Da ist noch Luft nach oben.“

 

Das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Hatten zuerst viele Kollegen den individuellen Ausweg in Klagen vor dem Arbeitsgericht (ca. 100) gegen das Mobbing, unberechtigte Lohnkürzungen etc. gesucht, gingen sie am 8. April 2026, am Tag der Verhandlungen über die Zukunft des GHBG, auf die Straße. Kollegen gerade auch aus Hamburg, die aktiv gegen die Privatisierung der HHLA waren, organisierten aus Hamburg in der Gewerkschaftsarbeit die Solidarität und bestärkten auch die Bremerhavener. Ihre klare Einschätzung: „Wenn der GHB in Bremerhaven fällt, dann gibt es auch in Hamburg bald keinen GHB mehr!“ (Malte Klingfordt, ver.di und GHB Hamburg).

 

Das sahen auch viele andere so. Gleichzeitig müssen die Kollegen auch weiter verdauen, dass ihr Verzicht nur die Geschäftsleitung zu dreisteren Forderungen animiert hat. „Wir haben genug gegeben, jetzt sollen die mal ihre Arbeit richtig machen!“ Aber auch: „Bei uns gibt es nichts zu holen, die Hafeneinzelbetriebe müssen die Kosten für die Leistungen des GHB zu 100% zahlen.“ Vielen ist nicht bewusst, dass die Angriffe auf den GHB System haben. Die Einbrüche bei der Autoverladung durch die Offene Krise der Neuorganisation der internationalen Produktion und ihre Auswirkungen auf die Automobilindustrie, die Abwälzung der Krisenlasten und Kosten der „Kriegsertüchtigung“ auf die Arbeiter durch die Hafenbetriebe, die Bundesregierung und den Bremer Senat sind die wahren Ursachen. Dazu kommt, dass die sogenannte Beschäftigungsförderung es den Hafeneinzelbetrieben billiger macht, Leute direkt einzustellen als die Lücken mit Kolleginnen und Kollegen aus dem GHB zu füllen.

 

Die Besonderheit ist dabei, dass die Kolleginnen und Kollegen des GHB keine Leiharbeitskräfte, sondern Teil der jeweiligen Belegschaft während ihrer Beschäftigung an den jeweiligen Kaianlagen sind. Damit müssen ihnen die gleichen Tariflöhne gezahlt werden. In der offensiven Stimmung, die sich auch mit Reaktivierung der Schilderkette „Wir sind der Hafen!“ aus dem Kampf gegen die Privatisierung in Hamburg ausdrückte, mischte sich auch die Hoffnung, die Verhandlungen könnten schon eine Lösung finden. Gefördert wurde die Illusion durch die Orientierung: „Wir müssen nur genug Druck auf dem Kessel den Arbeitgeber machen“.

 

Darum kehrte die Demo nach einer kämpferischen Kundgebung vor dem Havenhostel (Bremerhaven), in dem die Verhandlungen stattfanden, wieder zurück. Angeblich dürfe man den Bremerhavenern nicht ihren Feierabend vermiesen. Das ist aber eine große Unterschätzung der Bedeutung des Hafens für Bremerhaven. In der Autoverladung arbeiteten von Zeit zu Zeit viele Bremerhavenerinnen und Bremerhavener. Das reichte von der Friseurin, der der Lohn nicht reichte, bis zum Rechtsanwalt, der eine finanzielle Durststrecke hatte. Die sind sicher bereits unmittelbar betroffen, da die aktuelle Zahl der Beschäftigten deutlich unter dem Stand von vor der Weltwirtschafts- und Finanzkrise liegt (2007 ca. 4.000, heute ca. 1.500).

 

Es traten verschiedene Gruppierungen auf, u.a. Spartakist, das Hafenarbeiterkomitee für eine kämpferische ver.di und der Arbeiterbund. Die MLPD warb mit dem „Vorschlag für ein Kampfprogramm“ dafür, dass die Kollegen ihren Kampf insgesamt gegen die Ausbeutungsoffensive, die Kriegsgefahr, den Faschismus und die globale Umweltkatastrophe richten müssen mit der Perspektive des echten Sozialismus. In der kämpferischen Stimmung war die Rote Fahne der MLPD selbstverständlicher Bestandteil.