Dortmund-Dorstfeld

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Große Beteiligung von Jugendlichen am letzten Tag des Ostermarschs Ruhr

Der Abschluss des Ostermarsches Ruhr begann in Dortmund im Stadtteil Dorstfeld mit einer Auftaktkundgebung. Dorstfeld, das Faschisten der Partei "die Rechte" in der Vergangenheit völlig zu Unrecht als „Nazi-Kiez“ bezeichneten.

Korrespondenz

Das war, bevor die Anführer aus Dortmund wegzogen, mit der Begründung auf gut Deutsch, „weil wir hier keinen Boden unter die Füße bekommen.“ Der Platz für die letzte Etappe des Ostermarsches war deshalb genau richtig gewählt, veranstalten doch die Faschisten der NPD-Nachfolgepartei "Die Heimat" jeden Monat dort Kameradschaftsabende.

 

Rund 450 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zogen von dort durch die westliche Innenstadt zum Friedensplatz. Neu und prägend bei der diesjährigen Demo war die große Beteiligung Jugendlicher. Sie bildeten mit einem Block die Spitze des Zuges mit der klaren Stoßrichtung gegen die Wehrpflicht. Sie riefen Parolen, kritisierten die Wehrpflicht als Teil der Kriegsvorbereitung. Ein zweiter auffallender Block bildeten sozialistische Jugendgruppen und die MLPD, der REBELL und die Rotfüchse. Sie riefen gemeinsame Parolen gegen den Krieg, gegen die Kriegsvorbereitung durch die Bundesregierung, gegen die faschistische Gefahr und für den Sozialismus. Das waren auch die Inhalte der Redebeiträge am offenen Mikrofon.

 

Auf dem Friedensplatz wurde der Demozug von gut 300 Wartenden mit Beifall empfangen. Der Block um die MLPD hatte beim Einzug die Internationale angestimmt. „Das ist das erste Mal und genau richtig,“ meinte eine Friedenskämpferin. Insgesamt waren es etwas mehr Leute als letztes Mal, doch angesichts der dramatischen Zuspitzung im Nahen und Mittleren Osten spiegelt sich darin eine noch große Unterschätzung der Kriegsgefahr wider.

 

Es gab eine Reihe von Reden, jeweils unterbrochen von Musikbeiträgen. Die Redner und Rednerinnen richteten alle ihren Hauptstoß gegen den US-Imperialismus als Hauptkriegstreiber und gegen die Hochrüstung und Militarisierung durch die Bundesregierung und die Profiteure in den Konzernetagen. Auch die reaktionäre Politik der faschistischen Netanjau-Regierung wurde kritisiert. Das wurde sehr anschaulich am Redebeitrag einer Journalistin aus Beirut. Sie widerlegte konkret die Verlogenheit der Behauptung des israelischen Militärs, es würden nur Stützpunkte der Hisbollah angegriffen. „Seit wann sind Olivenhaine, Schulen und Krankenhäuser Hisbollah Stützpunkte?“

 

Sehr deutlich wurde von den meisten Rednern der Kapitalismus als Ursache der gegenwärtigen Kriege benannt. Allerdings wurden sowohl Russland als auch China als neuimperialistische Länder verschont. Als Lösung zur Beendigung der Kriege wurde die Diplomatie gefordert. Die internationale Arbeiterklasse als entscheidende Kraft spielte nur am Rande eine Rolle.

 

Bemerkenswert war die Rede der IG-Metall-Sekretärin Ulrike Eiffler. In ihrer Rede nannte sie „mindestens“ drei Gründe, sich dieses Jahr an den Ostermärschen zu beteiligen: „Erstens: Die öffentliche Debatte ist geprägt von einer verschärften Kriegsrethorik. … Die uns verrät, dass ein Krieg unter deutscher Beteiligung ernsthaft in Erwägung gezogen wird. Zweitens: Deshalb ist die Bundesregierung zu einer Politik aktiver Kriegsvorbereitung übergegangen. … Drittens: Diese Politik hat erhebliche soziale Auswirkungen, die vor allem zu unseren Lasten gehen werden. Aktuell werden die schärfsten Sozialkürzungen in der Geschichte der Bundesrepublik auf den Weg gebracht.“ Und sie schlussfolgerte, dass „Friedensfragen in unsere tägliche Gewerkschaftsarbeit“ gehören. Und sie lenkte völlig zu Recht den Blick auf die sich der Entwicklung entgegenstellende Bewegung: „Diese Welt steht in Flammen, gleichzeitig wächst die Bereitschaft zum Widerspruch!… Diese Zeiten stecken voller Gefahren, aber sie halten auch alle Möglichkeiten für diejenigen bereit, die diese Welt verändern wollen.“

 

Die Frage nach grundsätzlicher Literatur und die Perspektive des Sozialismus waren auch ein Schwerpunkt der Diskussionen am gut besuchten Bücherstand der MLPD. Hier diskutierten die Genossinnen und Genossen vor allem über die Dringlichkeit einer internationalen Einheitsfront gegen Faschismus, Krieg und Umweltzerstörung. Vor allem aber, dass der Kampf um den echten Sozialismus ein Wettlauf mit der Zeit ist. So wurden auch einige Adressen getauscht.