Ein Ausflug
Georg Makowski und Lenin in Schwerin
Also Fasten und so halt ich wenig von. Und Bewegung hab ich genug, wenn ich mir mein Bier aus dem Kühlschrank hole. Aber meine Frau hat mich überredet und schließlich hab ich Ja gesagt. Nach Alt Schwerin zur „Gesundheitswoche“. Bin ich halt mitgegangen, zuhause ist es ja auch langweilig ohne meine Frau. Und nette Leute lernt man da immer kennen und fasten kann man auch bleiben lassen. Und sechs Stunden Fahrt im Mercedes gehn grade so.
Sitz ich da im Vojör und blätter in die Zeitungen. Da fällt mir’n Artikel vom Januar in die Hände. „Lenin-Statue bleibt umstritten“ steht da. Drei Meter fünfzig hoch und in Bronze steht er da in Schwerin, im Stadtteil Dreesch. Doch wegen der Statue gibt es seit Jahren mächtig Zoff. Ist jetzt wohl wieder hochgekocht, weil die Denkmalschutzbehörde von Meck Pomme den Lenin auf die Denkmalschutzliste setzen will. Auch der SPD-Bürgermeister ist dafür. Dagegen gibt es jetzt einen großen Aufschrei bei „Opferverbänden“, Vertreter von Gedenkstätten und Historikern. Nicht fehlen dürfen dabei die GRÜNEN und die Satirepartei Die Partei. Die haben im Januar einen Antrag im Hauptausschuss gestellt. Darin heißt es, eine „Unterschutzstellung sei in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation weder angemessen noch verantwortungsvoll“ und würde einer Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur zuwiderlaufen.
Also das ist zu hoch für mich. Man mag Lenin mögen oder nicht, aber die Statue steht nun mal da. Und im letzten Urlaub war ich in Rinteln im Stadtpark mit meiner Frau spazieren. Da stand ein Riesendenkmal mit ner Krone und einem Kreuz oben auf und drunter mit Sprüchen zum Überfall Preußens auf Frankreich 1870/71. Kostprobe? „Aus Kampfes Nacht - Stieg auf mit Macht - Der Sonne gleich - Das Deutsche Reich.“ Na Ja, wohin uns das Reich geführt hat, ist wohl bekannt. Keine dreihundert Meter weiter kann mans sehn. Auf einem Steinsockel steht in Bronze gegossen ein martialisch vorwärts stürmender Soldaten mit aufgepflanztem Bajonette. Drunter: „Res-Jäger Batl-Nr.20 1914-1918“. Und auf der anderen Seite, wo die überall im ersten Weltkrieg gemordet haben, in Polen, den Hochkarpaten, Frankreich, ganz Europa. Und 1175 Soldaten wurden geehrt, sie „ließen ihr Leben für Deutschland“. „Die Frage ist doch, für welches Deutschland?“, sagt meine Frau. Die wieder. „Das der preußischen Krautjunker und Schlotbarone oder das der revolutionären Matrosen und Arbeiter, die 1918 den Kaiser zum Teufel gejagt haben?“ Also hier jedenfalls hat die „Unterschutzstellung“ geklappt. Und ist sicher für braune Typen ein idealer Treffpunkt zu bestimmten Gedenktagen.
Doch zurück zum Lenin. „Wenn der alte Wilhelm und Bismarck in vielen Städten und die Reserve-Jäger stehen bleiben dürfen, warum können die in Schwerin den Lenin nicht in Ruhe lassen?“, will ich von meiner Frau wissen. „Und überhaupt, der ist doch 1924 gestorben, da gab’s die DDR doch noch gar nicht. Und was soll der Lenin mit der gegenwärtigen Situation zu tun haben? Verstehst Du das denn?“, frag ich meine Frau.
Hier kann man lesen, was meine Frau geantwortet hat ...
Also jetzt muss ich mir die Lenin-Statue in Schwerin auch mal anschauen. Denn jetzt hat eine Mehrheit von 24 zu 13 Stimmen im Schweriner Stadtrat dem Antrag der Grünen zugestimmt, den OB zu beauftragen, sich „gegenüber der obersten Denkmalschutzbehörde entschieden gegen die Eintragung der Lenin-Statue in die Denkmalliste auszusprechen.“ Wer weiß, wie lange der Lenin dort noch steht. Aber wie gesagt, es gibt auch viele Fans von Lenin in Schwerin. Meine Frau sagt, die werden sich letztlich durchsetzen, denn schließlich ist ihre Partei, die MLPD, mit vorne dran. Mal sehn, ob se mal wieder Recht hat.