Neue Art von Märzgedenken

Neue Art von Märzgedenken

Duisburg: Antifaschistische Erinnerungskultur an die Jugend übergeben

Das traditionelle Märzgedenken auf dem Friedhof Alt-Walsum im Duisburger Norden war durch einige neue Seiten geprägt. Die Initiatoren legten Wert auf ein breites überparteiliches Bündnis. Deshalb wurden besonders Mitglieder der Gewerkschaften IG Metall, IGBCE, Ver.di und IGBAU geworben.

Korrespondenz
Duisburg: Antifaschistische Erinnerungskultur an die Jugend übergeben
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Märzgedenkens betreten den Friedhof (rf‑foto)
Die Gewerkschaften sind die Basis einer antifaschistischen Einheitsfront. Das hat auch der größte politische Generalstreik, gegen den Kapp-Putsch im Jahr 1920 mit 12 Millionen Streikenden unterstrichen. Das wichtigste Anliegen war, die Jugend zu mobilisieren. Die Kinderorganisation des Jugendverbands REBELL, ROTFÜCHSE, hatte schon Tage zuvor in einer Putzaktion das Denkmal der Märzgefallenen und das Gräberfeld von 104 unter der Diktatur der Hitler-Faschisten gestorbenen Zwangsarbeitern gesäubert. Stolz legen sie dann auch beim Gedenken Blumen nieder. Die Ansprache hielt der 30-jährige Cheng-Wei Luong, Drucker und Stadtverordneter in Neukirchen-Vluyn.

Hier einige Auszüge:

„Vorbote des Krieges ist der Faschismus. Heute ist er bereits in 14 Ländern wieder an der Macht.

 
Der Faschismus kommt in neuer, moderner Form daher. Er gibt sich demokratisch, mit der Fassade einer parlamentarischen Partei, die angeblich auf dem Boden des Grundgesetzes steht. Der weltanschauliche Kern ist aber der gleiche: Rassismus (gegen die bösen Migranten), völkische Ideologie (Deutschland zuerst) und aggressiver Antikommunismus (Linke wollen angeblich das Volk ins Verderben stürzen).
 
Ich habe große Sorge, weil die AfD heute Millionen Wählerstimmen bekommt und viele Menschen die Gefahr nicht wahrhaben wollen, wenn diese Leute die Schalthebel der politischen Macht erobern.
 
Ich weiß aber auch, dass Menschen in der Lage sind, ihre Denkweise zu ändern. Ich erinnere an den evangelischen Pfarrer Martin Niemöller. Er war im Ersten Weltkrieg Marineoffizier. später unterstützte er das NS-Regime, wurde dann aber zum Gegner des Regimes. Angesichts der Barbarei der Nazis wurde er zum mutigen Antifaschisten. Von 1938 bis 1945 war er Häftling in mehreren Konzentrationslagern. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er eine laute Stimme der Friedensbewegung gegen den Atomtod. Erst dann brach er radikal mit seiner deutschnationalen und antisemitischen Weltanschauung. …
 

Der erste Anlauf des Großkapitals zur Errichtung einer faschistischen Terrorherrschaft in Deutschland scheiterte durch eine breite Einheitsfront. Die Reaktion zog daraus die Lehre, dass ein offener Staatsstreich ungeeignet war und an der Wachsamkeit der Arbeiterklasse scheiterte. ...


Die faschistische Partei NSDAP wählte dann einen anderen schleichenden Weg unter Nutzung von Parlamenten und systematischer Demagogie. Zur Täuschung gaben sich die Hitler-Faschisten als „sozialistisch“ aus. Gleichzeitig bauten sie parallel bewaffnete Terrorbanden, die SA, gegen politische Gegner in allen Landesteilen auf. Der brutale Terror wurde systematisch gesteigert, vor allem nach der Machtergreifung, bis hin zum systematischen Genozid gegen Juden, Sinti und Roma.


Nur eine überparteiliche Einheit aller demokratischen, fortschrittlichen und linken Kräfte nach dem Vorbild von 1920 hätte das verhindert.


Die Geschichte lehrt uns, dass nur eine breite antifaschistische Einheitsfront von Religion bis Revolution der faschistischen Gefahr Einhalt gebieten kann. Das ist angesichts der heutigen Entwicklung das Gebot der Stunde. Lernen wir aus der Geschichte!

 

Ich schließe diese Rede mit den mahnenden Worten Martin Niemöllers ab:

Als die Nazis die Kommunisten holten,

habe ich geschwiegen,

ich war ja kein Kommunist.

Als sie die Sozialdemokraten einsperrten,

habe ich geschwiegen,

ich war ja kein Sozialdemokrat.

Als sie die Gewerkschafter holten,

habe ich geschwiegen,

ich war ja kein Gewerkschafter.

Als sie mich holten,

gab es keinen mehr,

der protestieren konnte.“

 

Hier gibt es die komplette Ansprache von Cheng-Wei Luong als pdf-Datei