Straße von Hormuz
Blockade war gestern „iranische Erpressung“ – wird sie bald amerikanische Politik?
Wochenlang hat Donald Trump den Iran in Grund und Boden geschimpft und gebombt, weil dieser die Straße von Hormuz blockiert und von durchfahrenden Schiffen eine „Maut“ nimmt.
„Erpressung!“, „Piraterie!“, „Bedrohung des Welthandels!“ – so lautete der amerikanische Aufschrei. Die freie Schifffahrt sei heilig, niemand dürfe eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt kontrollieren, hieß es.
Und nun? Kaum sind die Friedensgespräche in Islamabad gescheitert, kündigt derselbe Donald Trump mit sofortiger Wirkung die komplette Blockade der Straße von Hormuz durch die US-Navy an. Schiffe, die es wagen, Iran eine Gebühr zu zahlen, sollen in internationalen Gewässern aufgebracht werden. Gleichzeitig beginnen die Amerikaner angeblich bereits, iranische Minen zu räumen – natürlich nur „zum Wohle der Welt“.
Das muss man erstmal hinbekommen: Trump kritisiert den Iran dafür, die Meerenge zu kontrollieren – und kündigt im selben Atemzug an, sie selbst zu kontrollieren. Nur dass es bei den USA natürlich keine „Erpressung“ ist ...
Da kommt man nur noch mit, wenn man eine imperialistische, chauvinistische und faschistische Weltsicht hat. Was gestern noch als verbrecherische iranische Blockade galt, wird heute zur legitimen amerikanischen Seeblockade umgedeutet. Die USA maßen sich an, den globalen Energiehandel nach ihrem Gutdünken zu regeln: Wer zahlt an wen, wer darf passieren, wer wird abgefangen – all das entscheidet nun Washington?
Mit Kriegsschiffen und der Drohung, jeden, der sich widersetzt, „zur Hölle zu jagen“. Das wäre eine gefährliche Provokation und könnte den Krieg mit dem Iran wieder offen eskalieren lassen. Ob Trump das wirklich umsetzt, angesichts der öffentlichen Meinung im Land und international – das steht auf einem anderen Blatt.