Nahost-Krieg

Nahost-Krieg

Waffenstillstand im Angriffskrieg gegen den Iran - Flächenbrand im Mittleren Osten keineswegs gelöscht

Trump wäre nicht Trump, wenn er sich zu Beginn der zweiwöchigen Waffenruhe im Nahostkrieg nicht großmäulig als Sieger gefeiert hätte. Die Straße von Hormuz, diese Lebensader der kapitalistischen Weltwirtschaft, wird (wahrscheinlich) zunächst zeitweise wieder geöffnet - natürlich dank Trump. Mit Verlaub, vor dem US-Israelischen Überfall auf den Iran war sie doch schon mal offen - und das ohne Mautgebühren?

Von gis
Waffenstillstand im Angriffskrieg gegen den Iran - Flächenbrand im Mittleren Osten keineswegs gelöscht
Ostermarsch 2026 in Hamburg: Der antifaschistische und der Kampf gegen die Weltkriegsgefahr muss noch viel mächtiger werden! (rf-foto)

Aber Scherz beiseite, die weltpolitische Lage ist wirklich nicht zum Lachen. Die angekündigte zweiwöchige Waffenruhe ist eine Atempause für die Menschen im Iran (und darüber hinaus), die darüber natürlich erstmal sehr froh sind. Nächte ohne Bombenalarm, Tage mit wieder etwas Alltagsleben. In den Straßen von Teheran verbrannten sie israelische und US-Flaggen.

Stand die Welt in der Nacht an der Schwelle zu einem Atomkrieg?

Am Dienstagmorgen stieß Trump wilde faschistische Drohungen aus: "Eine ganze Zivilisation wird heute Abend sterben und nie mehr wiederkommen". Bereits am Sonntag hatte der US-Präsident angekündigt, alle Brücken und Elektrizitätswerke in Iran zu zerstören, sollten "die verrückten Bastarde" in Teheran nicht die Straße von Hormuz bis Dienstag um acht Uhr abends öffnen. Im Lauf des Montag gab es schon zahlreiche gezielte Bombenabwürfe auf iranische Infrastruktur. Eine ganze Zivilisation auslöschen - das ist objektiv die Drohung mit einem Atomschlag. Mit anderen Mitteln wäre das nicht möglich. Der US-Vizekanzler Vance hat dies bei seiner Wahlkampfhilfe für Orbán in Ungarn deutlich angedeutet: „Sie müssen wissen, dass wir Werkzeuge in unserem Werkzeugkasten haben, die wir bisher noch nicht einzusetzen entschieden haben. Der Präsident der Vereinigten Staaten kann entscheiden, sie einzusetzen, und er wird sie einsetzen, wenn die Iraner ihren Kurs nicht ändern.“

 

Eineinhalb Stunden vor Ablauf des Ultimatums erklärte Trump den vorläufigen Vezicht auf die totale Eskalation: "Unter der Bedingung, dass die Islamische Republik Iran der kompletten, sofortigen und sicheren Öffnung der Straße von Hormuz zustimmt, suspendiere ich die Luftangriffe auf Iran für zwei Wochen", schrieb er auf Truth Social. Trump begründete diesen Schritt damit, dass Iran angeblich am Boden liege. "Wir haben unsere militärischen Ziele bereits erreicht und übertroffen." In Wahrheit war seine faschistische Kriegsführung in der Sackgasse, war er selbst von vielen Verbündeten isoliert. Und es schlägt ihm in den USA vonseiten der Bevölkerung bis hinein in Republikanerkreise wachsender Gegenwind ins Gesicht. Und auf der ganzen Welt entwickelt sich eine Welle antifaschistischer und Antikriegsproteste.

 

Im Iran gingen massenhaft Menschen, besonders Jugendliche, todesmutig als menschliche Schilde zu bedrohten Brücken und anderen Bauwerken. Sicherlich war dies teils vom faschistischen Regime inszeniert – aber der Widerstandsgeist des iranischen Volkes richtet sich sowohl gegen das eigene Regime als auch die Angriffe der USA und Israels. Trump musste seine faschistischen Pläne gegenüber dem Iran zumindest aufschieben.

Große Schlappe für Trump

Der von Teheran vorgeschlagene 10-Punkte-Plan sei eine "brauchbare Grundlage" für Verhandlungen, so Trump. Dieser Plan ist jedoch mitnichten eine Kapitulationserklärung des Iran, wie Trump das zunächst darstellte. Iran verlangt u.a. den Abzug amerikanischer Truppen aus dem Nahen Osten, das Recht auf Urananreicherung (zumindest in der Fassung des Plans in der Farsi-Sprache) , Aufhebung aller Wirtschaftssanktionen, die Garantie seitens Israels und der USA, dass sie weder den Iran noch die Hisbollah nochmal angreifen. De facto hat Trump keines seiner Kriegsziele erreicht. Weder das Regime im Iran wurde gestürzt, noch das Raketenprogramm gestoppt, geschweige denn das angereicherte Uran übergeben.

 

Trumps faschistische Kriegsführung war in eine tiefe Krise geraten. Er hatte den neuimperialisischen Iran vollständig unterschätzt, der seinerseits schrittweise immer mehr Länder attackierte und dramatische Angriffe auf die Region angekündigt hatte. Der Irankrieg ist machtpolitisch gesehen bisher ein Debakel für die Supermacht USA und das imperialistische Israel. Der Iran machte seinerseits ein Zugeständnis, indem er die Forderung aufgab, die Straße von Hormuz erst freizugeben, wenn ein Friedensplan ausgehandelt ist. Dabei hat offenbar das neuimperialistische China eingegriffen und Druck auf den Iran gemacht.

 

Gleichzeitig bestand die iranische Regierung jedoch darauf, auch in Zukunft die Straße von Hormuz und den Schiffsverkehr darauf zu kontrollieren und nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. Auch wenn die USA mit Bodentruppen iranische Küstengebiete besetzen können, könnte der Iran den Schiffsverkehr in der Straße von Hormuz noch immer torpedieren. Mit einem vernichtenden Krieg gegen Brücken, Elektrizitätswerke und die Massen stünde Trump in den USA und in der Weltöffentlichkeit offen als faschistischer Paria da. Es ist bezeichnend, dass Trump selbst sagte: „Wenn es nach mir ginge, würde ich das Öl nehmen. Ich würde das Öl für mich behalten und ich würde damit eine Menge Geld verdienen. Leider wollen die amerikanischen Bürger, dass wir nach Hause kommen“.

Der gefährliche Flächenbrand im Mittleren Osten ist nicht gelöscht

Die Überfälle bzw. angedrohten Überfälle des US-Imperialismus auf Venezuela, Grönland und den Iran richten sich strategisch gegen den Hauptkonkurrenten, das neuimperialistische China. China will den Iran als Bündnispartner in der Golfregion nicht verlieren. Zugleich ist China selbst von Öllieferungen aus der Region abhängig und muss darauf achten, die Golfstaaten nicht vor den Kopf zu stoßen. Diese positionieren sich zunehmend offen auf der amerikanischen Seite. China bezieht weitaus mehr Öl von den Golfstaaten als von Iran.

 

Die (vorläufige) Deeskalation in letzter Minute ist nicht auf Vernunft der herrschenden Imperialisten und insbesondere nicht auf die des Faschisten Trump zurückzuführen, sondern auf die wachsende Kritik, den wachsenden antifaschistischen Widerstand der Bevölkerung in den USA selbst und auf der ganzen Welt. Gleichzeitig ist nicht einer der Hintergründe des Kriegs bereinigt - siehe dazu Erklärung des Zentralkomitee der MLPD vom 6. März 2026.

 

Die israelische Armee bombardierte zunächst den Libanon weiter und erklärte, der Waffenstillstand gälte nicht für den Vertreibungs- und Vernichtungsfeldzug im Libanon – was der Vermittler Pakistan ausdrücklich bestreitet. Die dramatische Zuspitzung zeigt: Imperialismus und Faschismus verlieren jede Hemmschwelle, bis zur Bereitschaft, einen Atomkrieg vom Zaun zu brechen. Der aktive Widerstand Faschismus und gegen die akute Weltkriegsgefahr muss verstärkt werden, der Aufbau einer weltweiten Einheitsfront gegen Faschismus, Krieg und Umweltzerstörung vorangetrieben und die sozialistische Perspektive propagiert werden.