Lübeck

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Wal mehrmals freigeschwommen – liegt aber erneut fest

Das Stranden eines jungen Buckelwales in der Lübecker Bucht hat bundesweit, inzwischen auch international große Anteilnahme ausgelöst.

Korrespondenz

Am 23.3. konnte er sich von einer Sandbank vor dem Hafen von Niendorf nicht mehr selbst befreien. Das große Mitgefühl unter der Bevölkerung löste eine große Rettungsaktion aus. Nachdem Bagger eine Rinne bis ins Fahrwasser freigeschaufelt hatten, schwamm er sich am 27.3. frei, strandete aber einen Tag später erneut – bezeichnenderweise an der kleinen Insel „Walfisch“ in der Wismarer Bucht. Am 29.3. konnte er sich bei Hochwasser wieder freischwimmen. Aktuell liegt er erneut fest. Gerettet ist er erst, wenn er den Weg in die Nordsee und den Atlantik zurückfindet. Aufgrund des geringen Salzwassergehaltes in der Ostsee haben sich Parasiten auf der Haut ausgebreitet. Er braucht Krill sowie kleinere Fische zum Überleben.

 

Wale sind keine Fische, sondern die größten Meeressäugetiere mit einem komplexen Sozialverhalten. Sie können bis zu 30 Tonnen wiegen und 90 Jahre alt werden. In die Ostsee können sie sich verirren, wenn sie einem Heringsschwarm hinterher schwimmen oder wenn sie ihre Orientierung durch Unterwasserlärm von Schiffen verlieren.

 

Die Rettung des Wales hatte unterschiedliche Reaktionen ausgelöst, so auch: Man solle ihn sterben lassen. Der Meeresbiologe Robert Marc Lehmann konnte sich dem Wal auf der Niendorfer Sandbank nähern und bescheinigte ihm großen Überlebenswillen: „Er hat beide Augen auf, er vokalisiert, aber er ist verdammt unsicher und er hat Angst. ...Nur weil das ein Wal ist, ist der nicht anders als ein Hund oder ein Pferd. Man muss diesem Wal auch sagen: ‚Ey, wir sind hier, um dir zu helfen‘.“ ¹

 

Das große menschliche Mitgefühl zur der Rettung des Buckelwales drückt die Einheit von Mensch und Tier aus. Wir wünschen dem Wal, dass er überlebt und seinen Weg zurückfindet in die Nordsee.

 

¹ Tagesschau 24 vom 29.3.26