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Pflegeheim in Laatzen wegen unhaltbarer Zustände geschlossen

Der Fernsehsender NDR berichtete gestern, dass ein Seniorenheim des Betreibers Ambiente Care von der Heimaufsicht geschlossen wurde. In Laatzen bei Hannover mussten Dutzende pflegebedürftige Menschen ihr Heim verlassen.

Von Ulrich Achenbach

Der Heimbetreiber äußert sich - und bestreitet eine Insolvenz. Alle Bewohnerinnen und Bewohner hätten in anderen Heimen in der Stadt oder der Region Hannover untergebracht werden können, sagte die Stadt Laatzen am Donnerstag. Der Heimleiter eines anderen Standortes - der Ambiente Care Seniorenresidenz Rotenburg - teilte dem NDR Niedersachsen mit: "Es gibt auch hier Probleme, aber wir halten den Betrieb aufrecht und geben unser Bestes."

 

Am Mittwoch hatten Angehörige in Laatzen von Chaos gesprochen. Es seien "menschenunwürdige Zustände", schilderte eine Betroffene die Situation. Sie habe gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten für dessen 96 Jahre alte Mutter kurzfristig eine neue Bleibe suchen müssen. Eine offizielle Mitteilung der Hausleitung habe es nicht gegeben. Die Seniorin habe über das Handy einer Pflegerin angerufen und gesagt, sie müsse ihr Zimmer verlassen.

 

Zuerst hatte die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) berichtet. Fast 60 Menschen mussten das Heim am Mittwochvormittag verlassen. Angehörige seien größtenteils erst am Vorabend informiert worden, schreibt die HAZ. Wahrscheinlich, weil die Gewinne des Betreibers nicht hoch genug waren, hat der Betreiber eine finanzielle Not vorgetäuscht, denn er dementierte selbst eine Insolvenz.

 

Die Region Hannover teilte dem NDR Niedersachsen mit, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten sich an die Region gewandt, weil sie seit geraumer Zeit kein Gehalt mehr bekommen hätten. Die Heimaufsicht der Region habe sich die Situation daraufhin angeschaut: Mitarbeiter seien aufgrund der fehlenden Bezahlung mit vollem Recht zu Hause geblieben - die Versorgung der Menschen sei deshalb nicht mehr sichergestellt gewesen. Auch wichtige Utensilien zur Pflege hätten gefehlt, sie seien nicht mehr geliefert worden. Als nun auch das Gehalt für März nicht gezahlt wurde, habe man die Reißleine gezogen und das Heim geschlossen.

 

Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäuser und Pflegeheime, aber auch ambulante Pflegedienste sind längst keine gemeinnützigen Einrichtungen mehr, sondern auf Profit gerichtete Unternehmen, worunter natürlich die Versorgung der Patienten leidet. Zumindest personell waren solche Einrichtungen in öffentlicher Hand deutlich besser als jetzt ausgestattet.