Betriebsratswahlen bei Opel in Bochum
OFFENSIV: "Ein Erfolg, den wir alle zusammen erkämpft haben!"
Das ist ein starkes Signal für eine kämpferische gewerkschaftliche Betriebsratsarbeit: Bei den Betriebsratswahlen am 12. März erhielt die Liste 2 OFFENSIV insgesamt 282 Stimmen, das entspricht 35,3 Prozent der 800 gültigen abgegebenen Stimmen. Damit belegt OFFENSIV fünf von 15 Sitzen im nächsten Betriebsrat des Zentrallagers von Stellantis/Opel in Bochum.
Erfolg ausgewertet und gebührend gefeiert
Am Samstag Abend wurde auf diesen großen Erfolg bei einer fröhlichen Wahlparty ordentlich angestoßen. Zusammen mit Kolleginnen und Kollegen, Freunden der Geburtstagskasse, aus anderen Betrieben und langjährigen Mitstreitern der MLPD wurde der Erfolg, den so kaum jemand erwartet hatte, ausgewertet und gefeiert! Er ist nicht allein durch die kämpferische Betriebsrats- und Gewerkschaftsarbeit der letzten Jahre im Kampf für eine Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich, gegen die Tarifspaltung und für die Übernahme von Zeit- und Leiharbeitern zu erklären: Dieser Erfolg ist die Ernte aus der jahrzehntelangen systematischen Kleinarbeit seit dem selbständigen Streik von 2004 und zeigt das gewachsene Klassenbewusstsein der Kolleginnen und Kollegen und dass sie mit der Hetze gegen "die Roten" immer besser fertig geworden sind.
Auch Annegret Gärtner-Leymann, OFFENSIV-Betriebsrätin der ersten Stunde, graturlierte natürlich den Offensiven ganz herzlich und kam nicht mit leeren Händen: "Mumm"-Sekt für den nötigen Mut, Entspannungstee für die auch manchnal nötige Gelassenheit, Schoko-Eier für die Eier in der Hose und das Buch "Gewerkschaften und Klassenkampf" von Willi Dickhut für die Klarheit und den klaren Kurs!
Gerade auch die neuen Kollegen, die sich zum Teil sehr kurzfristig ein Herz gefasst und erstmal mit OFFENSIV kandidiert hatten, fühlten sich richtig zu Hause. Ein frisch gewählter Betriebsrat brachte es auf den Punkt: "Ich weiß einfach, dass ich hier bei OFFENSIV am richtigen Platz bin!" Noch am gleichen Abend wurde der Vorschlag von einem anderen Kollegen beschlossen, dass diese Feier keine Eintagsfliege bleiben darf: Ein offensiver Stammtisch für Kolleginnen, Kollegen und Freunde wurde noch am gleichen Abend ins Leben gerufen.
Annegret Gärtner-Leymann, OFFENSIV-Betriebsrätin der ersten Stunde: "Wichtig sind erstmal die Leute. Man kann noch so ein gutes Programm haben, wenn man keine Personen hat, die es verkörpern und dafür einstehen, nützt es nichts. Das sind nicht nur die Betriebsräte und die Listenführer. Ihr Kollegen habt aktiv mitgewirkt. Das zweite ist, OFFENSIV ist kein Selbstzweck. Wir werden nicht Betriebsrat, um Betriebsrat zu werden und selbst einen guten Posten zu haben. Es muss darum gehen, die kämpferische Richtung in der Belegschaft zu verankern. Das dritte ist, es war kein opportunistischer Wahlkampf, kein Fähnchen-im-Wind-Wahlkampf, kein 'Freibier für alle, dann wählt ihr uns'-Wahlkampf, so kann man das ja auch machen. Ihr habt auch die heißen Eisen angesprochen. Wir kennen das ja noch von früher, wenn die Leute sagen, ja, das Betriebliche ist gut, aber lasst die Politik weg. Nee, der Steffen zum Beispiel, wenn der nicht die Politik hätte, könnte er gar nicht eine so gute Betriebsratsarbeit machen. Man ist ja nicht halb das und halb das. Was ist die Inflation, das spielt im Betrieb eine Rolle. Die Auseinandersetzung über die AfD. Über den Antikommunismus, da kamen ja immer wieder Warnungen vor den "Roten", vor Leuten, die der MLPD zugerechnet werden, aber es ist ja gerade gut so, dass da Marxisten-Leninisten und parteilose Kollegen zusammenarbeiten. Das muss man sich wirklich nicht von der Geschäftsleitung sagen lassen, ob die dazu gehören. Also, ihr habt euch nicht angepasst, aber ihr habt auch die Zusammenarbeit mit der anderen Betriebsratsliste gesucht. Das sollte man sich unbedingt merken, dass ihr auch so weiter arbeitet, das ist jetzt eine Herausforderung."
Wichtig, dass immer mehr Kollegen gemeinsam mit uns aktiv werden
Steffen Reichelt, IG-Metall-Betriebsrat und Listenführer der Liste OFFENSIV (Initiative für eine kämpferische Gewerkschaftsarbeit bei Opel in Bochum), war bisher alleiniger IG-Metall-Betriebsrat und freut sich natürlich riesig über die immense Verstärkung. In einem Interview mit Rote Fahne News sagte er: "Im letzten Jahr entstand in der Belegschaft eine breite Bewegung dafür, den sogenannten Zukunftstarifvertrag zu kündigen. Mit der Erpressung einer möglichen Werkschließung hatte der Stellantis-Vorstand 2021 eine Arbeitszeitverlängerung ohne Lohnausgleich und einen Wechsel in den deutlich schlechteren Kontraktlogistik-Tarifvertrag durchgesetzt. Die Forderung nach einer Rückkehr zur 35-Stundenwoche, einer Überwindung der Tarifspaltung und Übernahme der Kollegen mit Zeit- und Leihvertrag wurde breit getragen, mit einer Unterschriftensammlung und zwei selbständigen Protestversammlungen während der Arbeitszeit beschlossen. Das war eine sehr breite Bewegung, an der nicht nur wir, sondern auch Kollegen in der ersten Reihe standen, die nun erstmals mit uns zusammen kandidiert haben. Zuallererst muss es jetzt darum gehen, dass immer mehr Kollegen im Kampf für unsere Arbeiterinteressen selbst und gemeinsam mit uns aktiv werden. Das geht niemals allein durch mehr Mandate im Betriebsrat. Neben den betrieblichen Forderungen werden auch der konzernweit koordinierte Kampf gegen die Stellantis-Pläne auf unserer Tagesordnung stehen. Aber es geht gerade nach dieser völlig unnötigen und schädlichen Listenwahl auch darum, die gewerkschaftliche Einheit wieder zu erkämpfen: Gerade weil es in unserer Verwaltungsstelle der IG Metall Ruhrgebiet-Mitte noch keine faschistischen Spalterlisten wie „Zentrum“ gibt, müssen wir alles dafür tun, dass es so bleibt. Auch der Kampf gegen die Weltkriegsgefahr und gegen die Angriffe von Monopolen und Bundesregierung auf die Arbeiterklasse insgesamt wird immer mehr zu unserer gemeinsamen Aufgabe. Dadurch verschwinden natürlich nicht Meinungsverschiedenheiten und unsere Kritik am Co-Management – aber die Einheitsgewerkschaft ist eine fundamentale Errungenschaft! Wir von unserer Seite stehen bereit, sie zu verteidigen und zu stärken!"
"Unterschätzt euch nicht!"
Auf der Wahlparty brachte auch Monika Gärtner-Engel von der MLPD Grüße, die die Opelaner seit Jahren solidarisch unterstützt: "Unterschätzt euch nicht! Es geht hier um sehr viel mehr als um betriebliche Fragen. Die Bergleute und die Opel-Arbeiter haben ein Signal gegeben, wie man heutzutage kämpferische Arbeit in Betrieb und Gewerkschaft macht. Ich muss immer an euer Fest denken, sieben Tage im Oktober. Man hat mit 400 Leuten gerechnet, und dann kamen 1000. Das hat eine enorme Ausstrahlung. Unbeugsamkeit hat gewonnen!"
Stimmen aus der Belegschaft zur Betriebsratswahl
Besonders freuten sich viele Kollegen über die Wahl von Christian Kowoll. Er war sage und schreibe fünf Mal von Opel gekündigt worden und hat unzählige Abmahnungen erhalten. Durch Solidarität von den Kolleginnen und Kollegen, von Offensiv und darüber hinaus und mit juristischem Beistand wurde er bereits zurück in den Betrieb gekämpft. Nun wurde er von der Belegschaft in den Betriebsrat gewählt! Eine starke Rückendeckung. Kollegen munkeln, dass diese atsache für hochrote Köpfe in der Geschäftsführung gesorgt hat: Immerhin genießt Christian nun Kündigungsschutz.
Ein Kollege betonte: Offensiv waren die einzigen, die immer die Kollegen mitgenommen und einbezogen haben. Das hat sonst kein anderer gemacht. Ein älterer Kollege weist darauf hin: Wir sollten heute auch unsere Ehemaligen nicht vergessen! Die Kolleginnen und Kollegen, die auch zu uns Offensiven gehören, aber mittlerweile entlassen wurden, als Azubis nicht übernommen worden sind oder jetzt in Rüsselsheim oder Eisenach arbeiten. Das ist unser gemeinsamer Erfolg! Dass offensiv konsequent gegen die Asbest-Verseuchung in der Werkshalle vorgegangen ist, das war wichtig für die Kollegen.
Ein Kandidat berichtet: "Einer meinte zu mir: wie, Kandidierst du mit der MLPD? Da habe ich ihm gesagt: Pass mal auf, entweder ich werde mit denen gewählt oder überhaupt nicht!" Denn marxistisch-leninistische Opelaner kandidieren auf der Liste gemeinsam mit parteilosen, christlichen und sozialdemokratischen Opel-Arbeitern. Offensichtlich war es Offensiv gelungen, viele Kollegen zu gewinnen, die aktiv die Werbetrommel rührten. Rentner riefen alle ihre ehemaligen Arbeitskollegen an, einer mobilisierte speziell die türkischen Kollegen, der andere wandte sich an die Leiharbeitskollegen.
Am "Bochumer Weg" kommt heute keine Arbeiterbelegschaft vorbei!
Vor 20 Jahren nahm die Opel-Bochum-Belegschaft den Kampf gegen die Schließung der Bochumer Opel-Werke I und II den Kampf auf. Erfolgreich konnte sie für zehn Jahre diese Schließung verhindern! Sie traten selbständig in den Streik, blockierten die Tore, besetzten das Werk, demonstrierten mit großer Unterstützung und internationaler Solidarität zu Zehntausenden durch Bochum. An diesem 'Bochumer Weg' kommt heute keine Arbeiterbelegschaft vorbei, wenn sie bereit ist, den Kampf um ihre Zukunft und ihre Klasseninteressen zu führen.