Gemeinsame Erklärung

Gemeinsame Erklärung

Nachkommen von Buchenwaldhäftlingen lehnen die Kampagne „Kufiyas in Buchenwald“ ab

In einer gemeinsamen Stellungnahme positionieren sich die Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald - Dora e.V. und die Lagergemeinschaft Buchenwald-Dora zur Kampagne „Kufiyas in Buchenwald“. Die Initiatoren dieser Kampagne setzen sich dafür ein, dass in der KZ-Gedenkstätte Kufiyas getragen werden können, um Kritik am zionistischen Völkermord im Gaza auszudrücken.

Rote Fahne News dokumentiert Auszüge aus der Erklärung vom 5. März 2026:

 

Wir, überwiegend Nachkommen politischer Häftlinge des KZ Buchenwald, lehnen die Kampagne „Kufiyas in Buchenwald“ ab:

 

  1. Die Gedenkstätte verbreitet weder „israelische Propaganda“ noch „liefert sie Munition für den andauernden Genozid in Palästina“.
  2. Die im „Statement“ kritisierte „interne Handreichung“ wurde bereits im Sommer 2025 durch die Gedenkstätte Buchenwald zurückgezogen. Es gibt kein pauschales Verbot für das Tragen palästinensischer Symbole und der Kufiya.
  3. Die Initiatoren der „Kampagne“ verkennen die Tatsache, dass der Genozid an 6 Millionen jüdischen Menschen durch den deutschen Faschismus einen einzigartigen Kulturbruch in der Menschheitsgeschichte darstellt im Ergebnis dessen die UNO 1947 die Gründung des Staates Israel ... beschloss.
  4. Die Initiatoren der „Kampagne“ distanzieren sich nicht vom Überfall der HAMAS vom 7. Oktober 2023, der ein Massaker an der israelischen Zivilbevölkerung war ... Solidarität mit dem palästinensischen Volk und seinem Befreiungskampf auf antifaschistischer Grundlage setzt hierzu aber eine klare Haltung voraus.
  5. Kritik am Vorgehen des israelischen Militärs im Gazastreifen mit bisher mehr als 73.000 getöteten Palästinensern ist legitim; es erfüllt nach Ansicht zahlreicher Wissenschaftler und einer UNO-Kommission ebenfalls die Kriterien des Völkermords und ist entschieden zu kritisieren wie jede Form von Völkermord ... Der Schwur von Buchenwald bedeutet aber, sich gegen jede Art von Faschismus und Menschenverachtung zu stellen wie etwa Symbole der HAMAS.
  6. Eine kritisch-konstruktive Auseinandersetzung mit der Gedenkstätte Buchenwald ist ebenfalls legitim, sofern es um inhaltliche Themen geht – zum Beispiel die Besonderheit des KZ Buchenwald unter allen Konzentrations- und Vernichtungslagern des deutschen Faschismus herauszustellen: Das Internationale Lagerkomitee (ILK) und die Illegale Militärorganisation (IMO) unter Führung von Kommunisten verschiedener Nationalitäten wie auch die Selbstbefreiung des Lagers unter den Bedingungen der heranrückenden US-Streitkräfte. Der Schwur von Buchenwald darf auch aus unserer Sicht nicht auf den Holocaust am jüdischen Volk beschränkt werden, sondern muss der Tatsache Rechnung tragen, dass die Kommunisten und die ehemalige Sowjetunion mit über 30 Millionen Toten die größte Opfergruppe darstellen.
  7. Der Zeitpunkt der Kampagne fällt zusammen mit massiven Angriffen auf die antifaschistische Gedenkkultur an die Verbrechen des Nationalsozialismus in Deutschland. Ihre Liquidierung ist innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre real möglich, wenn nicht sogar wahrscheinlich, wenn wir nicht in der Lage sein sollten, dem Erstarken faschistischer Kräfte wie der AfD und dem Rechtsruck der Bundesregierung wirksam entgegenzutreten. In solch einer Situation bedeutet Antifaschismus, den gemeinsamen Hauptgegner ins Visier zu nehmen und nicht eine öffentliche Kampagne gegen die Gedenkstättenleitung zu initiieren. Berechtigte Kritiken an der Gedenkstättenleitung können und müssen artikuliert werden, aber in anderer Form und mit dem Ziel der Klärung.